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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-12-18 · Heft 51 (18.12.1866) · p. Seite 803

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 51 (18.12.1866)
Date
1866-12-18
Page
Seite 803 (sequence 3)
Language
German
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gend bedeutsamen Theil der Gegner des Kirchenstaates und des Jesuitenordens. Sie wissen recht wohl, daß sie ihre Feinde ganz wo anders zu suchen haben. Aber bei diesen Leuten heiligt ja bekanntlich der Zweck die Mittel. Sie wollen nach dem bereits ziemlich abgenutzten Kunststücke alle ihre Gegner mit den Juden identisiziren, weil sie dieselben dadurch herunterzusetzen glauben, sie wollen jene dadurch in den Augen ihrer eignen Anhänger verkleinern und beschimpfen, sie wollen damit nebenbei deck ihrem Berufe und ihrem Herzen so angemessenen Judenhasse Befriedigung verschaffen, und sie sind so sehr gewohnt, dies auf alle mögliche Weise und bei allen Gelegenheiten zu thun, daß es ihnen nicht darauf ankommt, ob die Veranlassung die unpassendste, unzutreffendste und für sie selbst nachtheiligste sei. Die blinde Wuth sieht eben nichts und rennt ihrem eignen Sturze zu. Unsre Zeit ist noch nicht so weit gediehen, um nicht für alle Verkehrtheiten noch immer eine kleine gläubige Schaar zuzulafsen. Aber es darf Niemand zu viel hierauf trauen; die Zähl der Kurzsichtigen wird immer kleiner, und wenn eine Partei zu ihrer Vertheidigung zu Mitteln greift, deren Schwäche und Unsinn gar zu deutlich sind, so vermindert sie ihre Anhänger von Tag zu Tage. So geht es auch den Ultramontanen, wenn sie durchaus die Juden zum Sündenbock für die Auflösung des Kirchenstaats und für den Widerwillen der Völker gegen die Jesuiten machen wollen. Es ist zwar ein alter Rath, wolle man eine Lüge glaubhaft machen, so müsse man sie Tag für Tag wiederholen. Allein es ist noch wahrer, 'daß ein jeden Tag vorgesetztes Gericht auch dem treuesten Anhänger zum Ekel wird. Für uns ist das Verfahren der Ultramontanen sin dem obschwebenden großen Kampfe nur ein Zeichen der äußersten Schwäche, ein Symptom der Verzweiflung an der eignen Sache. Unsre Leser werden sich erinnern, wie vor ungefähr anderthalb Jahren die „Wiener Kirchenzeitung" eine Zusammenstellung einiger aus dem Zusammenhänge gerissenen Stellen aus Talmud und Midrasch brachte, in welchen von Gott in theils allegorischen, theils hyperbolischen Ausdrücken gesprochen wird. Diese sollten wirkliche Lehren des Judenthums sein, und dadurch das letztere der Lächerlichkeit Preis gegeben werden. Wenn irgend ein orientalischer Rabbi in seiner allegorischen und hyperbolischen Redeweise sich so ausdrückt, „Gott spielt, Gott springt,' Gott brüllt" u. s. w., so wurde dies für wörtlich zu nehmende Glaubenssätze des Rabbi und Darum oes vkuoemyums von oer „Wiener zeitung" ausgegeben. Wir brauchen wohl keinem vernünftigen Menschen zu erweisen, daß derartige Behauptungen auch nicht den entferntesten Grund haben, und daß in jenen Formeln nichts weiter enthalten ist, als die morgenländische Ausdrucksweise, um einen meist einfachen Gedanken volksthümlich zu bekleiden. Aber gesetzt, es verhielte sich so, es wäre wahr, daß zu irgend einer Zeit einige schwache jüdische Köpfe jene Hyperbeln wörtlich genommen und geglaubt hätten, so würde doch Nichts damit erreicht sein, als daß Juden lächerlich erscheinen würden. Was will dies aber gegen die Morallehren sagen, die wir im tiefsten Ernste systematisch und mit aller Autorität bekleidet bei den Jesuiten vorgetragen finden, und von denen uns die Geschichte schreckliche Beispiele der Ausführung genug erzählt? Um uns mit jenen ultramontanen Skribenten, welche alle Gegner der weltlichen Herrschaft des Papstes und des Jesuitenordens für Juden erklären und die Juden für alle Unbilden, welche jene beiden treffen, verantwortlich machen, doch einmal in Etwas aus einander zu setzen, geben wir hier aus der Auslese des Herrn F. W. Kossuth, Pfarrers in Wirschweiler, nur eine kleine Auslese, die genügen wird, zu zeigen, daß man nicht Jude zu sein braucht, um solche Morallehren verabscheuungswürdig zu finden. Es ist zunächst die Lehre der Jesuiten vom „geistlichen Vorbehalte", die besprochen wird, und welche in folgenden Aussprüchen zu Tage tritt: „Wenn ein Verbrecher gefragt wird, ob er das Verbrechen, dessen er beschuldigt wird, begangen? so kann er seinen Richtern dreist sagen, daß er es nicht begangen, wenn er nur in den Gedanken hinzusetzt: daß er es nicht begangen seit der Zeit, was er im Kerker sitzt." „Wenn der Verbrecher gefragt wird, ob er Mitschuldige habe? so kann er dreist sagen: nein; wenn er dabei nur an solche Verbrechen denkt, die er allein, ohne Mitschuldige, begangen habe." „Der Verbrecher kann gänzlich abläugnen, daß er das Verbrechen begangen habe, wenn er dazu nur in Gedanken hinzusetzt: daß er dieses Verbrechen nicht begangen — um sich zu demselben zu bekennen." Diese Lehren finden Sie wörtlich bei nachstehenden Jesuiten: Franc, Toleti instruct. sacerd. 1. 5. c. 58. Ferd. de Castro Paolo, opus mor. de virt. et vitiis p. 3. tr. 14 disp. 1. n, 5.

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