Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1866)
- Date
- 1866-12-11
- Page
- Seite 797 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226578--24479-3251840- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m feine Mutter ünd Geschwister glücklich wachen könne, wenn er getaitft' imb' von ihm unterstützt, zum Geistlichen herangebildet würde.'. Daß dieser Knabe, durch die Bemühungen dieses'Priesters, einer der tüchtigsten in der lutherischen Religiollsschule wurde, ist leicht einzusehen. Solche Reden und vielleicht auch kleine Geschenke konnten nicht verfehlen, daß jener das Herz und das ganze Zutrauen des Knaben gewonnen. Daß der Prediger schlau zu Werke ging, ist schon aus dem Umstande zu ersehen, daß er es mit dem Knaben-so weit brachte, daß er all die Vorgänge,, all' die Gespräche verheimlichte und selbst jetzt, wo die Thatsachen bekannt sind, diese von ihm geläugnet werden. Allein, wie „jede Sache ihre -Zeit hat," so war es auch an der Zeit, daß die Schändlichkeit dieses.Priesters — worüber fast alle lutherischen Bewohner dieser Stadt, wir können es zu ihrem Ruhm sagen, höchst entrüstet sind und durch laute Worte genug ihren Unwillen kund gegeben, aufgedeckt wurde. Der Prediger, der den Knaben nun für reis und gelehrt genug hielt, uw seiner Seligkeit zugeführt zu werden, lies die Mutter vor etwa 14 Tagen zu sich kommen, drückte ihr sein Bedauern darüber aus, wie schwer sie sich und ihre Kinder zu ernähren habe — wiewohl dieser Priester sonst gegen Bittgesuche sich hart und herzlos zeigt — und so fortfahrend gab er ihr den wohlgemeinten Rath, den Knaben, her durch die Gnade Gottes von allen hiesigen jüdischen Bewohnern allein erleuchtet worden, taufen .zu lassen. Die Mutter erklärte ihm ganz kurz, daß dies bei ihrem Leben nicht geschehen werde. „Und was sagst du dazu?" wendete sich der Priester zu dem. anwesenden Knaben. „Ich habe es Ihnen schon gesagt, ich will wich taufen lassen," war die Antwort des Knaben trotz der Gegenwart der Mutter. „Jetzt mußt du noch deiner Mutter folgen," sagte der Priester zum Knaben, „so wie du aber 14 Jahr alt bist, hast du deinen eignen Willen, komme zu mir und du sollst getauft werden." — Damit war die Verhandlung geschlossen. Man versäumte natürlich nicht, die ganze Geschichte dem allgemein verehrten und geliebten Landesrabbiner, H. Dr. A. A. Wolf in Kopenhagen, anzuzeigen, worauf umgehend die Weisung kam, den Knaben nach Kopenhagen zu schicken, wo er unter der gewiß trefflichen Leitung des ehrwürdigen Hr. Rabbiner -auf die rechten Wege zurückgeführt werden wird. — Wahrhaft rührend war die Freude der aufs, höchste überraschten-^Mutter, als sie diese Nachricht erhielt, und Hr. Dr. Wolf wußte der Mutter jede weitere Sorge für den Knaben abzunehmen, indem er ihr eine ansehnliche Summe Geldes zur Bestreitung der Equipirung und Reisekosten zukommen ließ. .... Schließlich haben, wir.noch, selbst zu gestehen,.daß. es jedem denkenden Leser auffallen muß, wieso dem Religionslehrer hier , der doch auch die Kinder zu - beaufsichtigen hat, solche Vorgänge unbekannt bleiben dürfen. 'Wir haben nur zu erwiedern,'daß es hier mit dem Religionsunterrichte leider schlecht bestellt ist. Die hiesige Jugend hat nicht immer den nöthigen Religionsunterricht, wenn es auch der Gemeinde , wicht an Mitteln fehlt, Cultusbeamte zu halten, vielmehr war-ein solcher stets hier wirklich angestellt. Der Grund des Nebels liegt nämlich darin, daß in Dänemark'Niemand sich dem Lehrerstande widmer, die 4 oder 5 Gemeinden außer Kopenhagen sind stets auf.Deutschland angewiesen. Kommt nun der deutsche . Lehrer,-er der dänischen und die Kinder der deutschen Sprache fremd — so kann er selbstverständlich in den ersten 2 Jahren nichts thün, hat er jedoch einmal in die Sprache sich eingelebt und die Zeit seines Wirkens ist gekommen, so hät er oft Veranlassung genug von Seiten der Gemeinde, seine Stelle zu wechseln. Es wäre daher dieser Gemeinde. in ihrem eigenen Interesse zu rachen, solchen Uebelstand zu vermeiden, denn mit jedem neuen Lehrer, der in die fremde Sprache sich erst einleben sollgeht Pie beste Jugendzeit für dieKinder cherMA Jm#. dieselben wachsen, ohne Religion auf. . G. Notizen. „Wir erfahren, daß die Lebensversicherungs-Gesellschaft „Nordstern" in Berlin, welche bekanntlich von den hervorragendsten Finanz-Männern. Berlins: dem Bank- Präsidenten von Dechend, Freiherrn von der Heydt, den Banquiers Blechröder, Krause, Mendelssohn, Plaut und andern geachteten Männern gegründet ist, in der nächsten Zeit ihre Thätigkeit beginnen wird, und daß die Direction dieser Gesellschaft jetzt Meldungen zu Haupt- und Special-Agenturen entgegen nimmt."