Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-12-11 · Heft 50 (11.12.1866) · p. Seite 792

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 50 (11.12.1866)
Date
1866-12-11
Page
Seite 792 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226578--24474-3251835
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

obwohl die Person des — längst verstorbenen —Verfassers immerhin mit Achtung genannt wurde. U. Jacob polemisirtauch gegen die christliche Dogmatik (besonders zum Schluffe des. Werkes gegen typische Auslegung), er tadeft die Abergläubigkeit der Juden, die sich in allerlei Thorheiten, wie Engelanrufungen, Beschwörungen ergeht (S. 68a), spricht sich deshalb auch gegen Machnisse aus (dessen Anfang er anders anführt, als derselbe in unseren Texten steht: p^m o^rn er drückt seinen Unwillen darüber aus, daß jüd. Eltern ihre Kinder schlüpfrige, unsittliche Minnelieder (nach Art der Troubadours) singen lassen und verbietet diesen Unfug strengstens im Interesse der Sittlichkeit (S. J 26*), er Hat viel über daß Laster des Spieles zu klagen (S. 1121') u. s. w. — Um nun noch der Edition des Buches ein Wort zu widmen, so ist zu bemerken, daß diese auf Grund einer Handschrift, die im Privatbesttze zu Brody war, augelegt wurde, nachdem diese mit einer Abschrift des Michael'schen Manuscriptes eollatiouirt wurde. . Auch die neuere Literatur ist heuer würdig vertreten durch das Reisewerk ,,'L den Saphir "-im Jacob Safir, über dessen Werth in den abgedruckten Approbationsschreiben viel Rühmliches und Lehrreiches (von S. Sachs besonders) gesagt wird. Hr. Safir, ein geborener Pole, der als Kind mit seinen Eltern nach Jerusalem ausgewandert war, brachte fast 5 Jahre als Sendling der „kerusobiru" -^Gemeinde auf weiten Reisen zu, und stellte es sich zur Aufgabe den .Verhältnissen der Juden in den Ländern, die er besuchte, seine größte Aufmerksamkeit zu widmen, um ein zutreffendes Bild derselben entwerfen zu können. Er ging von Jerusalem aus nach Aegypten und Habesch, besuchte Arabien, Ostindien, Australien — Länder, über deren jüdische Einwohner überhaupt wenig, durch jüdische Reisende aber fast gar nichts bekannt geworden ist. Der vorliegende I. Theil des Werkes, der über die Juden in Aegypten, Habesch und Arabien handelt, beweist hinlänglich, daß der Verf. seine Aufgabe verstanden hat, und daß es ihm weder an Liebe zur Arbeit noch an Ausdauer oder an den nöthigen Kenntnissen gebrach, die das schöne Unternehmen erforderte. Hrn. Safir's Buch ist nicht das Tagebuch eines modernen Touristen, der von Allem etwas wissen mag und um bloße Pikanterien sich bekümmert, — es bietet eine getreue Chatacteristik der Juden in ihren gesellschaftlichen Verhältnissen, in ihren cultuellen und ritualen, Eigenthümlichkeiten, in ihren Sitten und. Gebräuchen, kurzum ein anschauliches Bild ihres gejammten Lebens,, wie es nur aus. gründlicher 'Betrachtung -hervM-- gehen' konnte. Man ist sogar berechtigt, die Reise Ss, eine „biblisch-kritische" zu nennen, da er auf seiner ganzen Reise auf hebräische Literaturwerke, und hauptsächlich auf Bibelhandschriften sein Augenmerk richtete. Von jener in Arabien erworbenen Bibel, die als ein kalligraphisches Kunstwerk gilt und außerdem der werthvollen massoretischen Noten wegen sehr geschätzt 'ist, haben auch die Zeitungen berichtet, als diese gegen eine hohe Summe von der Kaiserin Eugenie angekauft und der Pariser. Bibliothek geschenkt wurde. Hr. S. gibt als Probe ein paar massoretische Glossen und wird deren ausgedehntere Veröffentlichung im. II. Theile folgen lassen. Der handschriftlichen Massora kann nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet werden, denn immerhin finden sich hier und da Bemerkungen, die für die Exegese wichtig sind (so S. 20- Anmerk.) oder über die Geschichte der Massora (so S. 12 — 20) Licht verbreiten. Einige sehr alte Bibelepigraphe, die im Werke mitgetheilt find, entkräften die Pinsker'schen Hypothesen über die Beziehungen des Karäerthums zu den Massoreten (namentlich betreffs Ben Ascher und Ben Naphtali); ferner findet man Proben von ritualen Liedern, die bei feierlichen Anlässen gesungen werden, Abschriften von Urkunden, endlich interessante Mittheilungen, über das — freilich dürftige — Schriftthum der Juden in Arabien u. s. w. Es wird gewiß jeder Leser des schöngeschriebenen Buches die baldige Veröffentlichung des EL Theiles wünschen, um so mehr als man sich von den handschriftlichen Mittheilungen des Hrn. S. auch eine Ausbeute für biblische Wissenschaft versprechen darf. — Ein Heftchen „Hearot we- Tikkunim“ gibt recht fleißige Stellennachweise zu den im I. Jahrg. edirten Responsen der Geonim von Bub er in Lemberg, das Bibliographische und Literargeschichtliche über'diese von dem gründlichen Halberst amm in Bielitz, endlich erklärende Noten zum Divan Jehuda Ha-Levi's von Reich ersohn in Wilna. — So hat der Verein auch Heuer eine schöne Auswahl von Büchern geliefert, für welche die Leitung desselben und besonders der verdienstvolle Redacteur des ha-Maggid, Hr. Rabb. Silbermann, den Dank aller Freunde des Judenthums verdient. Ist es nun noch nöthig, daß wir den Wunsch aussprechen, der Verein „der Erwecker" möge auch fernerhin einer derartigen Unterstützung fich erfreuen, daß sein Bestand gesichert bleibe und er ja nicht Gefahr lause, selbst zu „den Schlummernden", hinabzusteigen! Denn nicht das allein ist der einzige und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.