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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-12-11 · Heft 50 (11.12.1866) · p. Seite 791

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 50 (11.12.1866)
Date
1866-12-11
Page
Seite 791 (sequence 7)
Language
German
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eines provenzalischen Gelehrten, der in der 1. Halste des 13. - Jahrhunderts blühte. «S. Grätz, Gesch. d. Juden VII, S. 103). Jakob b. Abba-Mare, als Schwiegersohn Samuel ibn Tibbons mit den Tibboniden in naher Verbindung stehend, muß auch als geistiger Verwandter dieser Gelehrten-Familie betrachtet werden. Auch er war von einer fast göttlichen Verehrung des großen Meisters und Führers Maimonides beseelt, auch er hat die rationalisirende Methode in der Bibelauslegung und Glaubenslehre, die von M. zum System erhoben wurde, als die einzig richtige aufgestellt, auch er hat sich mit der arabisch-aristotelischen Philosophie und den mit ihr zusammenhängenden Wissensfächern (Astronomie, Mathematik u. s. w.) aufs eifrigste beschäftigt. Jakob b. A.-M. hatte das Glück von einem der größten Männer seines Zeitalters auf seltene Art sein Wissen und seine Gelehrsamkeit gewürdigt zu sehen: Kaiser Friedrich II., der freisinnigste und begabteste Hohenstaufe, war R. Jakob's Gönner, er erhielt ihn sammt seiner Familie einige Jahre lang in Neapel, damit er da in seiner literarischen Thätigkeit, hauptsächlich der Übersetzung arabischer Schriften, in ungestörter Muße leben könnte. Die Kenntnisse unseres Jakob, eines tüchtigen Arabers, kamen einem anderen Gelehrten Friedrichs, Michael Scotus, zu Gute, der sich mit I. zum Zwecke der gegenseitigen Unterstützung verband. Des kaiserlichen Mäcens geschieht in unserem Werke zweimal Erwähnung (S. 53h und 92l>, wo es ttttmei: heißen muß), indem eine Mittheilung Friedrichs angeführt wird, die eine kosmologische Agada erklärt, und eine zweite naturgeschichtliche, die auf die biblischen Opfer Bezug hat;'Michael Scotus wird in der Vorrede und im Werke an vielen Stellen citirt. Was nun das Werk selbst betrifft, in dem der Verf. als spezifisch jüdischer Schriftsteller auftritt, so soll dasselbe ein populäres Erbauungsbuch sein, das religiöse mit philosophischer Belehrung verbindet. Es besteht aus einer Sammlung von Betrachtungen und Homilien über die Wochenabschnitte des Pentateuchs, die zum Theil vom Vers, selbst bei feierlichen Anlässen (Hochzeitsfesten) vorgetragen wurden, und zur Benutzung bei öffentlichen Vorträgen für das große Publicum von ihm gesammelt wurden. Die Betrachtung wird an biblische Sittensprüche angeknüpft, mit dem Stoffe des behandelten Abschnittes in Verbindung gebracht, hie und da auch bung „Malmed“ ist falsch, da das Wort im stat. constr. M. mit agadischen Stellen belegt, und läuft so fort in belehrendem oder ermahnendem Tone, zwar in reiner fließender Sprache, aber ohne hervortretende Gliederung, und bar jedes rhetorischen Schwunges. Der Grundzug des Ganzen, der die Richtung des Verf.'s überhaupt characterisirt, ist die stete Polemik gegen gedankenlose Werkheiligkeit einerseits, dagegen das Dringen auf Innerlichkeit bei religiösen Handlungen andererseits. Ihm ist die philosophische Meditation der Kern aller Religion, ohne welche diese zu eitlem Formelwerk wird, aber indem er philosophisches Denken zur conditio sine qua non der echten Religiosität macht, benimmt er ihr so die Innerlichkeit des Gemüthes und macht sie zu reiner Verstandes-Reflexion. Er bestrebt sich daher in der Auslegung der Bibel die philosophische Tiefe (Sod ha-Tora) zu eruiren, geräth aber dadurch in das unerquickliche Allegorisiren, und gibt oft statt gesunder Deutung geschraubte Deuteleien. Dennoch ist dem Werke ein bedeutender Werth beizumeffen, und zwar nicht so sehr in doctrineller als in rein historischer Beziehung, denn es verstattet uns einen Einblick in die Entwickelung der jüd. Religionsphilosophie unter dem Einflüße des Scholasticismus, die späterhin angesichts der entgegengesetzten rabbinischen Richtung in so extreme Verschrobenheit ausartete, daß der Kampf für die Integrität des talmudischen Judenthums gegen das Studium der Philosophie unausbleiblich war. So sehen wir, wie schon der Verf. des Malmad, der sonst ein nüchterner Mann war, sich mit großer Schärfe gegen alle Jene ausläßt, die bloß das traditionelle Judenthum anerkannten und von jener Verquickung desselben mit den Philosophemen und den Doctrinen der damaligen Wissenschaft, wie sie die Nachfolger Maimuni's dürchzuführen sich bemühten, durchaus nichts wissen wollten. Wie weit sich aber die Verehrer der Philosophie in ihre Theorien verrannten, wie sie alles und jedes in den scholastischen Wisfenskram ihrer Zeit hineinzwängen wollten, dafür finden sich bei Salomo b. Aderet werkwürdige Beispiele aufbewahrt. Die Männer, die der Philosophie den offenen Krieg erklärten, haben gleichsam instinctiv die Hohlheit und die Verirrungen des Scholasticismus erkannt, zu einer Zeit, wo derselbe überall zur Blüthe sich entwickelte. Freilich hielt Jacob b. Abba-Mare sein Werk noch frei von jenen Auswüchsen der Bibelauslegung, wie sie später zu Tage kamen und die nächste Veranlassung gaben zur erklärten Spaltung der beiden gegensätzlichen Parteien, dennoch blieb auch der stark gelesene Malmad von Anfechtungen nicht frei,

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