Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1866)
- Date
- 1866-12-11
- Page
- Seite 790 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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der Gemeinde zu Breslau betreffs der Petitionen. -Wir erhalten nun soeben folgende Zuschrift. „Ew. Ehrwürden beehren wir uns ganz ergebenst , anzuzeigen, daß zu unserm Bedauern in letzter Zeit die zufällige Abwesenheit eines Theils der Mitglieder unseres Collegiums verhindert hat Ihre Petitionen betreffend die Verwirklichung der Artikel 4 und 12 der Verfassungs-Urkunde zur Berathung zu stellen und unsern Beitritt zu denselben rechtzeitig zu erklären. . Da laut Ihrer Anzeige in Nr. 47 der Zeitung - des Judenthums die Petitionen inzwischen bereits abgegangen sind, so haben wir heute dem Königl. Staats- Ministerio sowohl wie dem Hause der Abgeordneten die Anzeige gemacht, daß wir uns der von Ew. Ehrwürden Namens vieler Vorstände der Synagogen- .. Gemeinde eingereichten Petition ihrem ganzen Inhalte nach anschließen. Für Ihre Anregung, welche einen neuen Beweis giebt, daß Ew. Ehrwürden stets in erster Reihe stehen, wenn es gilt für die Rechte unserer Glaubensgenossen zu wirken, sprechen wir Ihnen unsern ganz ergebensten Dank aus. Breslau den 24. November 1866. Der Vorstand der Shnagogen-Gemeinde. Friedenthal. Schreiber. Freund." - Wir können für diesen Schritt des verehrlichen Vorstandes nur dankbare Anerkennung aussprechen. Außerdem haben die Gemeinden zu iBeuthen in Oberschlesien und Hattingen ihre Vollmachten noch eingesanvt. Auch die Gemeinde Birnbaum hat jetzt die Petition an das Staatsministerium und das Abgeordnetenhaus gesandt. Wir unsrerseits haben alle Gemeinden, die nachträglich uns ihre Vollmachten zugeschickt, an den betr. Stellen gemeldet. Literarischer Wochenbericht. Gr. Becskerek, 18. Nov. (Die Publication des Me klLe-^irdamim-Vereines II. Jahrgang.) Eine literarische Revue heutzutage zu schreiben, ohne der erschütternden Ereignisse des heurigen Jahres zu gedenken, geht kaum recht an. Wer möchte läugnen, daß die. politischen Umwälzungen des verflossenen Sommers, daß der deutsche Bruderkrieg auf die Literatur-Verhältnisse im Allgemeinen einen nachtheiligen Einfluß geübt! Und' auch die jüdische Literatur, dieses wenig beachtete Musenkind mit dem schwachen Flügelschlag, das bei jedem Unwetter für sein Leben zittern muß, auch diese hat von der Ungunst der Zeiten nicht wenig zu leiden gehabt. Es tritt jetzt schon unverkennbar hervor, daß das heurige Jahr als Literaturjahr zu den mageren wird zu zählen sein, und daß die literarische Arbeit im Ganzen genommen einen beträchtlichen Abgang erfuhr. Um so mehr dürfen wir uns freuen, daß wir zwei Vereine haben, die weniger den Einflüssen äußerer Ereignisse und Verhältnisse nachgebend, alljährlich*) ein bestimmtes Contingent zur wissenschaftlichen Gesammtproduction zu stellen bemüht sind, so daß wenigstens die regelmäßigen Publicationen dieser zwei Institute gesichert sind. Ueber die Publication des M. ^.-Vereines im II. Jahrgange referiren wir erst heute, weil die Versendung der Schriften in Folge der Verkehrsstörungen sehr verzögert wurde, und wir vor Kurzem erst in den Besitz der langersehnten Gaben des Vereines gelangten. Die vom Buchstaben d cm zum ersten Male durch den Verein aufgelegte talmudische Encyklopädie „Pachad Jizchak“ des R. Jizch. Lampronti wurde dießmal bis Ende o fortgesetzt, die neue Auflage des Werkes vom Anfänge ist fast bis Ende « gediehen. Das neue Heft des eben so großartigen, als schätzbaren Werkes des gelehrten Rabbiners von Ferrara legt wiederum Zeugniß ab von dem erstaunlichen Sammlerfleiße und der Belesenheit des Verf.'s, doch findet man dießmal weniger talmudisches Material aufgespeichert, als vielmehr größere Abhandlungen, Responsen eingeschaltet, die auch einen nicht geringen historischen Werth haben. Bloß einer auf die Biographie des Verf.'s bezüglichen Stelle (S. 180 b) geschehe hier Erwähnung, wo derselbe nämlich schreibt, er habe in Padua „die Krone, der Philosophie- und Heilkunde erhalten". Lampronti wurde also von der Paduaner Hochschule zum Dr. philos. et medic. vor etwa 150 Jahren promovirt! — Ein anderes Ineditum, das „die Erwecker der Schlummernden" durch Herausgabe an's Licht der Oesientlichkeit gezogen, ist das Buch „Mal-, mad lia-Talmidim“ („Ansporn für Lernende") des R. Jacob L. Abba-Mare b. Schimeon b. Anatoli**), *) Dies kann doch nur von dem Institute z. Förd. d. isr. Lit. gesagt werden, das regelmäßig seinen Jahrescours' hält. Redakt. **) Daß Anatoli nicht Familienname, und daher die Namensnennung „Anatoli" unrichtig sei, erweist Steinschneider (Hebr. Bibliographie, VII, S. 63). Die Schrei-