Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1866)
- Date
- 1866-12-11
- Page
- Seite 789 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Bevölkerung in Preußen nach der Volkszählung vom 3. Dezember 1864. Dieselbe ergab unter einer Gesammtbevölkerung von 19'254,649 in der Civilbevölkerung 260,756 Juden und unter dem Militair 1,235 Inden, zusammen 261,991 nämlich: Preußen. Posen. Brandenburg. Pommern. Civil 39,584 69,883 35,963 13,066 Militär 92 125 265 115 Schles. Sachs. Wests. Rheinprov. Hohenz. Civil 42,923, 5,869 16,857 35,665 948 Militär 200 52 54 169 — Im Jadegebiet, Bundesfestungen und Elbherzogthümer: 163-Militär. Wenn das Berhältniß der Juden im Militär als ein schwaches erscheint, so wird dies dadurch ziemlich aufgehoben, daß eine überaus große Zahl der Juden als Einjährige dienen, so daß diese dem Gesammtheere gegenüber ein dreifaches Contingent vorstellen. Im Jahre 1862 wurden unter den Juden geboren 8344, nämlich Knaben 4189, Mädchen 4155, davon ehelich geboren 8053, unehelich 291; gestorben 4233, und männliche 2266, weibliche 1967. Trauungen 2208.. Im Jahre 1863 wurden geboren 8504, von denen Knaben 4428, Mädchen 4076, ehelich geborene 8195, unehelich 309. Gestorben 4459, wovon männliche 227 5, weibliche 2185. Trauungen 2172. Im Jahre 1864 wurden geboren 8707, von denen Knaben 4481, Mädchen 4226, ehelich geborene 8391, unehelich 316. Gestorben 4347, von denen männliche 2251, weibliche 2096. Trauungen 2097. Hieraus ergibt sich, daß die Zahl der Geburten in den verflossenen drei Jahren stetig zugenommen, nämlich im Jahre 1863 um 2«/», im Jahre 1864 um 272%, wohingegen die SLerbefälle 1863 um 5°/o zugenommen, dahingegen 1864 um 3% gefallen. Es waren aber im Jahre 1862 4111 Geburten mehr als SLerbefälle, 1863 4045 Geburten mehr als SLerbefälle, und 1864 4360 Geburten mehr als SLerbefälle, also durchschnittlich fast noch einmal so viel Geburten als Sterbefälle. In der Gesammtbevölkerung ergiebt sich ein ungleich geringeres Berhältniß, da im Jahre 1862 ungefähr 5O°/0, 1863 48% u. 1864 58% mehr Geburten als Sterbefälle vorkamen. Auch die unehelichen Geburten zeigten eine Zunahme, doch war im Jahre 1864 diese geringer als 1863, da die Zähl" derselben 1863wir 18; 1864 nur um 7 zugenommen. Im Ganzen kam auf 28 Geburten 1 uneheliche. Bei der Gesammtbevölkerung kam auf 12 Geburten l uneheliche und zwar bei den Evangelischen ungefähr auf 10 Geburten 1, bei den Katholischen auf 16 Geburten 1 uneheliche. Bor allem ist aber das Berhältniß der Sterbefälle zu der Anzahl der Lebenden bei den Juden überaus günstig. Es er giebt sich, daß im Jahre 1862 von der Gesammtbevölkerung der 38. Mensch starb, von den Juden erst der 60.; im Jahre 1863 von der Gesammtbevölkerung der 36., von den Juden der 57.; im Jahre 1864 wieder von der Gesammtbevölkerung der 33., von den Juden der 60. So stellt sich also das durchschnittliche Lebensalter bei der Gesammtbevölkerung Preußens aus 37, bei den Juden auf 59 Jahre! Die Juden besaßen 1029 Synagogen und Bethäuser. Was die Zahl der Sträflinge, die in die Zuchthäuser eingeliefert wurden, betrifft, so liegen uns offizielle Daten nur aus den Jahren 1858 und 1861 vor. Nach den Confessionen kamen 1858 im ganzen Staate auf 1000 Evangelische 0,85 männlichen Geschlechts, auf 1000 Katholische 0,70, auf 1000 Juden 0,67; im Jahre 1861 Evangelische 0,85, Katholische 0,84, Juden 0,53. Beim weiblichen Geschlechte 1858 Evangelische 0,17, Katholische 0,15, Juden 0,07. 1861 Evangelische 0,16, Katholische 0,15 Juden 0,05. Man sieht hieraus, daß die Zahl der Sträflinge in dem dreijährigen Zeitraum sich nicht nur verhältnißmäßig geringer bei den Juden als bei den beiden christlichen Confessionen vorfand, sondern auch bedeutend abnahm; noch mehr fand dieß beim weiblichen Geschlechte statt.*) Die Petitionen. Wie wir früher bemerkt, entbehrten wir schmerzlich einer Kundgebung seitens des verehrlichen Vorstandes *) Zu der obigen Angabe über das Berhältniß der unehelichen zu den ehelichen Geburten bei den Juden müssen wir bemerken, daß sich die Provinzen darin wesentlich von einander unterscheiden. Im Jahre 1864 kamen in der Prov. Sachsen auf 88 jüdische Geburten l uneheliche, in Pommern aus 80,, in Brandenburg auf 43, in Westfalen auf 42, in Rheinland auf ,31, in Preußen auf 28, in Schlesien auf 24 und in Posen auf 20. Aus der Vergleichung dieser Zahlen Folgerungen zu ziehen, überlassen wir dem geehrten- Leser.