Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1866)
- Date
- 1866-12-04
- Page
- Seite 779 (sequence 9)
- Language
- German
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mißhandelt und mehrere Christen, welche' den Excessen Einhalt thun wollten, wurden von den Juden verwundet. Die Gendarmerie, drei Mann im Ganzen, wurde ebenfalls angefallen und mußte von den Waffen Gebrauch machen. Schließlich mußte Militär aus Tarnow requirirt werden, um weiterem Unglücke vorzubeugen. Prag , 22. Nov. (Weiterer Prozeß betreffs der Judenverfolgungen in Böhmen.) Die im März dieses Jahres vorgekommene Bewegung gegen die Juden in den czechischen Kreisen Böhmens soll nun bei den einzelnen Kreisgerichten und auch beim Prager Landesgerichte - zum Austrage kommen. Die Strafsache gegen die Schüttenhofener Plünderer wurde bekanntlich in Pisek erledigt. In Prag begann heute die Verhandlung in einem ähnlichen Straffalle, und zwar zunächst gegen die Excedenten in Tmain. einem Dorfe bei Beraun. Auf der Anklagebank sitzen fünf kräftige Männer, vier derselben sind Familienväter, zwei Chaluppen-Besitzer. Nach den Ausführungen der. Anklage hatten diese Menschen in einem Gasthause in Beraun verabredet, auf dem Heimwege in Znaiw beim Juden Löwitus einzudringen. Sie kamen am 5. März um 9 Uhr Abends vor den Laden des Juden und pochten an die Thüre. Man öffnete ihnen, und sie, in den Laden tretend, forderten in barschem Tone Essen und Branntwein. Der Jude, vor Angst außer sich, gab ihnen, was sie begehrten. Die Männer aber zeigten sich keineswegs zufrieden und forderten Geld. Er gab ihnen die kleine Münze, die sich im Laden vorfand, worauf sie weiter Wäsche und Mehl haben wollten, und das in einem so entschiedenen Tone, daß Löwitus das Dienstmädchen nach dem Gemeinde-Vorsteher schickte/ Der eine der Männer, Kratochwil, hielt aber das Mädchen im Laden fest. Jetzt trat Jansa in den Laden, vor der Thüre einen Menschenschwarm zurücklassend, der unaufhörlich nach Branntwein schrie. Wenzel Krompeisel erschien ebenfalls im Laden, blieb aber mit der außenstehenden Menge in Verbindung. Jemand reichte der Menge den Branntwein hinaus, und als Löwitus um die leeren Gläser bat, wurden ihm dieselben mit Hohngelächter so heftig an den Kopf geworfen, daß ihm das Blut über das Antlitz herabfloß. Johann Peter-trat jetzt auf Löwitus zu und verlangte für jeden 2fl., und Krigr und Kratochwil schrien ,Mhn Gulden her, sonst schlagen wir alles zusammen" (vesttkü mu8km6 miti, sice tö väecko rozbijeme). witus befriedigte die ärgsten Schreier mit Geld , die übrigen stürmten in den Laden, und . rafften zusammen, was sie fortbringen konnten. Dann riefen sie Löwitus zu: „Jetzt könnt Ihr Euren Laden sperren" Kaum aber hatte er den Laden gesperrt, so flogen die Steine in das hinter demselben gelegene Zimmer. Die ^Fensterläden und Rahmen und eine auf dem Tische stehende Lampe wurden zertrümmert. Ein Kind, das in der Wiege lag, schwebte in höchster Gefahr; dem Dienstmädchen^gelang es indessen, das Kind aus dem Steinhagel zu retten. Durch das erbrochene Fenster sprang alsbald ein Mann ins Zimmer, es war Jansa, ein Menschenhaufe folgte ihm auf demselben Wege und nun ging das Plündern von Neuem los; Mehl, Salz, Cigarren, Zucker, Kaffee, geistige Getränke, Strümpfe,' Kleider u. st w. wurden fortgeschleppt. Jansa stand mitten unter den Plünderern undschrie : „Jetzt bin ach hier Herr," in einer Stunde werde ich mehr verkaufen, als der Jud in seinem ganzen Lebeu!" ' v Die Gendarmerie war noch in derselbeu Nacht zur. Stelle und nahm die Verhaftung der Rädelsführer vor. Diese erscheinen nun angeklagt des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit durch Erpressung und boshafte Beschädigung fremden Eigenthums und des Verbrechens des Diebstahls.' Die Art ihrer Rechtfertigung, die zumeist im Leugnen besteht, bietet nur geringes Interesse. Die Verhandlung in dieser Angelegenheit dürste morgen beendet sein. — 23. November. Der Staatsanwalt beantragt für die Haupträdelsführer (Jansa und Kratochwil) je neun Monate, für die Uebrigen sieben Monate schweren Kerkers. . Ein lauter Aufschrei ist die Antwort auf diese Anträge von Seiten der Anklagebank. Krato chwil ruft weinend: Ich habe es ja gar nicht böse gemeint, und Jansa erklärt : Ich bin ganz unschuldig hineingekommen. — Ich dächte, man könnte rnir's wohl verzeihen, meint ein Dritter, und ein Vierter tritt mit gefalteten Händen vor den Tisch der Richter und bittet um Verzeihung wegen -seiner fünf Kinder, die er zu Hause habe. Nach den Schlußworten der Vertheidiger wurde das Urtheil publicirt. Dasselbe spricht die Angeklagten der ihnen zur Last fallenden Verbrechen schuldig, und erkennt Jansa und Kratochwil eine sechs-und den