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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-12-04 · Heft 49 (4.12.1866) · p. Seite 777

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 49 (4.12.1866)
Date
1866-12-04
Page
Seite 777 (sequence 7)
Language
German
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777 von dem Gemeinde- und Synagogenleben, Wie es ' sich vor Meinen Augen hier' entfaltet, zu entwerfen; denn die israelitische Gemeinde in Hannover bildet einen bedeutenden Vorort für Berlin und Hamburg, mit dem Unterschiede daß mau in jener wohlthuender berührt wird, als in letzteren. Das israelitische Leben in Hannover bekundet sich nämlich in seiner schönsten und würdigsten Form, in Lehre und Leben. Das Seminar allda entläßt jährlich eine kleine Anzahl wohlöorbereiteter Schulämtscandidaten, und dies ist um so höher anzuschlagen, als die betreffenden Jünglinge aus den kleineren Gemeinden nicht immer mit den genügenden Vvrkenntnißen eintreten. Aber alle an diesem segensreichen Institute wirkenden Lehrer, selbst der mit Amtsgeschäften überhäufte Landrabb. Dr. Meyer.und ebenso dessen Collegen: Dr. Frensdorf, Dr. Wiener, Dr. Kaiserling, Jüdel und Krimke, wirken mit der strengsten Gewissenhaftigkeit und Treue an dieser Pflanzstätte, weil sie von der Ueberzeugung ausgehen, daß dieser Theil ihrer Wirksamkeit auf den besten Boden fällt und die dauerndsten Früchte trägt. Darum findet dieses Institut auch so großen Anklang in der Gemeinde zum Segen des Ganzen und zum besonderen Wohl der Seminaristen. So gewahrt man bei den jüd. Gelehrten Hannovers auch die Wahrheit des alten Grundsatzes: obtea tribTü t-raau Das wahrhaft wissenschaftliche Streben, verbunden mit bescheidenem Sinn, vermehrt den Frieden in der Welt; denn es existirt unter all diesen wackeren Männern eine innige Harmonie, fern von Mißgunst, Brodneid und gelehrter Renommisterei, da ein Jeder von dem Wohlwollen seines Collegen überzeugt ist. Der Gottesdienst, obgleich Manches anders und besser sein könnte, wird regelmäßig und fleißig besucht, darum schon übt er den wohlthuendsten Eindruck auf jeden Besucher; denn tv^iin oy, und da in der gut organisirten Religionsschule ein gründlicher Unterricht im Hebräischen, sowie in den Rüualien erthellt wird, so ist die gottesdienstliche Sprache weder dem männlichen noch weiblichen Geschlecht eine todte. Der Synagogenbau schreitet langsam, aber sicher vorwärts, ohne daß die Contribuenten zu sehr belastet werden, aber wenn irgendwo ein neues Gotteshaus nöthig ist, so muß man dies von Hannover behaupten, da die jetzige Synagoge selbst am gewöhnlichen Sabbath zu klein ist. ' Auch das Ezechiel Simon'sche Waisenhaus habe ich besucht und Mit großer Befriedigung das Leben darin kennen gelernt. Es ist das ganze Leben in dieser Anstalt ein familiäres , weil nür 8 Waffenknaben darin erzogen werden. Die Wohnräume, die Bekleidung und Verpflegung dieser Kinder ist ganz dem Zwecke angemessen , und der Hausvater dieser Anstalt, Herr Dr. MagttNs Cohn, ist sich nicht allein seines väterlichen Berufes völlig bewußt, sondern er unterrichtet auch diese Kinder so gewissenhaft und den pädagogischen Anforderungen gemäß, daß sie für die Erlernung eines jeden bürgerlichen Berufs hinlänglich befähigt daraus hervorgehen werden. Referent dieses hat sich mit Vergnügen in dieser Anstalt umgesehen und sich von den angemessensten Leistungen dieser Kinder persönlich dahin überzeugt, daß sie in allen Disciplitten einer guten Bürgerschule ihrem Alter nach gehörig Bescheid wußten. Herr E. Simon Hat sich durch Gründung dieses kleinen Asyls für Waisen ein frommes Denkmal bei Lebzeiten gesetzt. Möge daher „der Vater der Wittwen und Waisen" diesem hochverehrten Manne ein langes Leben schenken, damit der Segen seines Werkes vor seinem und seiner spätesten Nachkommen Äuge immer sicht- und fühlbarer werde. Aber auch den braven Waiseneltern in diesem Hause sende ich meinen Gruß mit dem Wunsche, daß ihnen noch viel Berufsfreudigkeit beschieden sein möge. St. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Ungarn, 15. November. (Privatmitth.) Der Ausbruch der Cholera im eignen Familienkreise des Szancer Rebben hat letztern veranlaßt mit den Aschkenasim Friede zu schließen und ist denn in der Thät vor Kurzem in S. a. Ujhely eine Deputation, den Sohn des Heiligen an der Spitze, eingetroffen, Unterhandlungen zu Pflegen. Der würdige Oberrabbi Jeremias Löw hat jedoch mit Recht eine jede Verständigung von sich gewiesen, da mit Leuten, die ein Dogma aüfstellen: Es sei biblisch geboten mit den bloßen Händen zu essen, nachdem man auch den Lulaf nicht mit der Gabel in die Hand nehme, sich nicht verhandeln läßt. Seitens der Zempliner Comitatsbehörde wurden die Acten in Angelegenheit der Chassidäer, trotz Protection Hochgestellter, dem hohen königlichen ung. Statthaltereirathe unterbreitet und steht zu erwarten, daß die gerechte Sache siegen und der Bau des Tempels dieser Partei halber nicht verschoben werde. -

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