Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1866)
- Date
- 1866-12-04
- Page
- Seite 776 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Synagogen eine Ordre erhalten. Der Vorsitzende der National-Invaliden - Stiftung, General-Lieutenant >-v. Prittwitz, wußte jedoch, daß die preußischen Juden;■■■' . auch ohne Ordre ihren Patriotismus kund geben würden, und bat bei dieser Gelegenheit, eine Collecte zur Landesstiftung zu veranstalten. — Doch auf Anordnung des Ober-Präsidenten unserer Provinz wurden sämmtliche Vorstände der Synagogen der Provinz Schlesien unter Mittheilung der betreffenden Cabmets-Ordre aufgefordert, eine Friedensfeier zu veranstalten. Der Wohlthätigkeitssinn hat sich bei der Sammlung nicht in dem früheren Maaße bewährt, das Resultat war gegen sonst gering zu nennen — dies ist bei anderen Sammlungen zu milden Zwecken nicht der Fall. Erst jüngst hat der Vorstand der Synagogengemeinde zur - - Vergrößerung des Stipendienfonds für jüdische Studirende an die wohlhabenderen Mitglieder der Gemeinde das Gesuch um jährliche Beiträge gerichtet. In wem-; gen Tagen schon waren Beträge gezeichnet, welche es ' möglich machten, 12 Studirende auf die Dauer ihrer Studienzeit mit 25 Thlr. halbjährlich zu unterstützen. - Ein von den Gemeinde-Behörden dem Stipendienfonds , überwiesenes Kapital von 1000 Thlr. a 5% führt den Namen Nisser-Stiftung. Die an die Gemeinden der; Provinzen Schlesien und Posen gerichtete Aufforderung zu Beiträgen hatte fast gar keinen Erfolg, wenngleich die meisten Studirenden den Gemeinden dieser Provinz angehören. Nur 7 Gemeinden Schlesiens, und! 1 Gemeinde Posens — Schwersenz — zahlen einen jährlichen Beitrag von 3—10 Thlr. Bei diesen Gemeinden scheint eine Anregung zum Handeln auch nichts i . zu helfen; wie anders ist dies jedoch in Breslau. Hier kümmert man sich zwar nicht gerne um Gemeinde- - Angelegenheiten; ist jedoch der Impuls gegeben, dann nimmt man sie in die Hand und führt sie auch durch, .namentlich wenn es sich um wichtige Angelegenheiten handelt. Als eine solche muß die im Dezember statt-; 1 findende Repräsentanten-Wahl bezeichnet werden, denn Ir während der nächsten Periode soll die neue Synagoge; eröffnet und bis dahin der Gottesdienst, wie er sein ' p soll, geordnet werden. Bis jetzt ist von einem Counts noch nichts zu vernehmen, es ist daher zu befürchten, : daß von den 2400 Wählern sich wiederum nur etwa; 20°/ü bei der Wahl betheiligen werden.! Dem Jndifferentismus ist es wohl auch zuzuschreiben, daß der Vorstand zur Verbreitung der Wiffen- 1 schaft des Judenthums, der seiner Zeit mit solchem Mat aufgetreten ist, in diesem Winter noch nicht einmal die Beiträge hat eincasstren lassen, Dagegen zeigen die Vorsteher der unmittelbar zur Gemeinde-Verwaltung ressortirenden Anstalten und Vereine das lebhafteste Interesse am Gedeihen der Gemeinde. Wir müssen hierbei rühmend den Vorstand der Krankenverpflegungsanstalt und Beerdigungsgesellschaft hervorheben. Die Mitglieder desselben, vorzüglich aber der Vorsitzende dieser so wohlthätigen Anstalt, haben sich während der hier so stark grassirenden Cholera-Epidemie um die Gemeinde sehr verdient gemacht, Aber auch den sogenannten „18 Männern", von denen während der Epidemie so viel uns bekannt allerdings nur 3—4 anzutreffen waren, gebührt der Dank der Gemeinde. Unter den vielen Beerdigungen während des dritten Quartals e. — an der Cholera verstürben etwa 200 aus der Gemeinde — waren nicht.weniger als 8 von unehelichen Kindern unter einem Jahre. Diese Thatsache legt ein sehr unvortheilhaftes Zeugniß von der Sittlichkeit unserer weiblichen Jugend ab, denn die Zahl der Geburten zu den Todesfällen dieses Alters verhält sich wohl wie 5 zu 1. Doch darf hierbei nicht übersehen werden, daß zu biefert Geburten auswärtige Gemeinden ein bedeutendes Contingent stelle. Selbst die bemittelten Mädchen Polens lassen sichhier in Ruhe entbinden, und geben die Kinder Hier in Pflege. Dagegen machen die Judentaufen trotz der Missionsgesellschaften keine Fortschritte. Nach der amtlichen Statistik fanden im Jahre 1565 in der Provinz Schlesien nur 8 „Judentaufen" statt; so viel uns bekannt, ist Breslau dabei mit 3 betheiligt, und so viel können bei 12000 Seelen wohl entbehrt werden. Unter den Letzeren befinden sich an 3300 beitragende Mitglieder mit einem jährlichen Einkommen von circa Drei Millionen Thalern. Von den Hochbesteuerten sind im laufenden Jahre einige verstorben, von denen namentlich ein Gutsbesitzer bedeutende Legate hinterlassen hat. Ein nach Berlin verzogenes Mitglied, welches seit Jahren irr der Verwaltung sehr thätig war, hat säst sämmtlichen Anstalten bedeutende Geschenke zugewendet und außerdem bei der Stadt zur Unterstützung jüdischer Gymnasiasten, und bei der Gemeinde zur Gründung eines Siechhauses namhafte Kapitale deponirt. P.A. Von.der Leine, im Nov. (Privatmitth.) Ein längerer Aufenthalt drängt mich eiw schwache Ed