Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1866)
- Date
- 1866-11-28
- Page
- Seite 764 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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WWSU? 764 Eine Hauptrolle bei den Vorfällen, in Schüttenhofen - hatte bekanntlich ein Frauenzimmer gespielt, das >,Koza" (Ziege) genannt-wird. Dieselbe wird jetzt in den Saal geführt. Sie ist groß,non schönem Wüchse und trägt eine etwas gewählte Toilette. Ihr Verhalten verräth eine affectirte Schüchternheit. Sie ist geboren in Wien im Jahre 1832 und hat daselbst ihre Jugendjahre als Dienstmädchen verlebt. Ihre Eltern stammen aus Schüttenhofen, woselbst sie sich seit ungefähr zwanzig Jahren aufhält. Präs.: Waren Sie im Jahre 1848 noch in Wien?- — Angekl.: Nein. — Präs.: Sie sind an der Spitze der Bewegung gegen die Juden gestanden, Sie haben die Menge unausgesetzt mit Wort und That gegen die Juden angefeuert, den Männern Steine zugetragen. Sie sind beim.Fenstereinschlagen und dem Zertrümmern der Möbelstücke vorangegangen und haben das Volk gegen die Behörde gehetzt. Noch in später Nacht durchsuchten Sie mit Licht die ausgeraubte Wohnung des Fürth, überall nach Ueberbleibseln spähend. Was bewog Sie, an der Plünderung gegen die Juden theilzunehmen? Angekl.: Nur das tiefste.Mitleid mit unserem lieben Herrgott. Das Volk kam von der Brücke hergelaufen und schrie unaufhörlich: „Unser Heiland wird wieder von den Juden gekreuzigt." Da ergriff mich eine solche Wuth, daß ich mit dem Volke auf die Juden losging und dabei bin ich so ins Malheur gerathen. Präs.: Unterstehen Sie sich nicht mehr, solche Reden zu führen d Sie sind durch das Fenster in die Wohnung des Lazar Fürth eingestiegen. Sie haben, dort unter Anderem einem Plünderer ein Bettstück entrissen, dasselbe zerschnitten und die Federn zum Fenster hinaus- . fliegen lassen. — Angekl.: Waren die Anderen dort, so wollte ich auch dabei sein. Das Bettstück war groß, warum sollte es gerade nur der Eine haben. Präfl: Sie waren die Erste beim Zertrümmern der Möbel, Sie haben am ärgsten gewüthet. — Angekl.: Es war der Todestag meiner Mutter. Gott habe sie selig, Sie lag im Sterben und bat mich, sie doch im letzten Augenblicke nicht zu verlassen, ich aber riß mich los von ihrem Bette und lief hinaus unter das lärmende Volk. Da kam Gottes Strafgericht über mich, so daß ich rasend wurde. Präs.: Als sie durchs Fenster in Lazar Fürth's Zimmer gesprungen waren, war es Ihr Erstes, die Vorhänge herabzureißen. Aus Ihrem Benehmen ging hervor, daß Ihnen mehr am Zerstören, als am Plündern lag. Nur einige Liquevrflaschen eigneten Sie sich an und vertheilten - Sie unter den Männern. —7 Angekl. (seufzend): Diesen l Liqueur hat nur. mein Liebhaber trinken sollen.,, . Präs.: Wie Zeugen angeben', waren.Sie die Erste, die, nachdem bereits geschossen wordenwar, in das Haus des Daniel Fürth Steine geschleudert hatte. — Angekl.: Das ist nicht wahr, hohes Gericht. — Präs.: Nachdem; die Gendarmen geschossen hatten, blieb ein Verwundeter auf dem Platze liegen. Sie traten hin vor denselben, erhoben Ihre Hand und riefen: „Hier ist wegen der Juden Christenblut geflossen; jetzt kommt über die Juden!" — Angekl.: „Kommt über die Juden," habe ich nicht gesagt, wohl aber preßte mir Wuth und Verzweiflung die ersten Worte aus. — Präs.: Unter Ihrer Führung erschien auch wirklich gleich darauf ein Schwarm Menschen vor dem Hause des Lazar Fürth. Das Haus war an allen Eingängen verschloffen, die Thüren selbst von fester Construction. Da griffen Sie zu einem verwegenen Mittel. Sie schafften Prügel, Steine und Breter zur Stelle. Mit den Prügeln und Steinen schlugen Sie die Fenster im ersten Stockwerke ein und lehnten dann die Breter schräg an dieselben. Sie waren die erste, die auf denselben hinaufkletterte, und Ihnen nach drängte der Schwarm in die Wohnung. — Angekl.: Man thut mir Unrecht. Sie denken sich die Sache viel' schlimmer, als sie wirklich war. Ich konnte doch nicht an so vielen Orten zugleich sein. Wie ich zu Lazar Fürth's Haus kam, war schon Alles zum Einsteigen vor--' bereitet. Präs.: Aus dem Zimmer warfen Sie dann Kleider und kleinere Möbelstücke zum Fenster hinab. — Angekl.: Ich war ja gar nicht in jenem Zimmer, sich kann es bei meiner armen Seele beschwören, ich habe nur diese einzige Seele. Ein Zeuge gibt an: Ich habe die „Koza" rufen hören: „Kfestanska krev ma tect pro zidovsky parchant“ (Christenblut soll fließen wegen der Judenbastarde)!' Wehe ihnen! Jetzt kommt auf Abraham Fürth und „Pantoflik" (Joseph Fürth). Dieser Zeuge wird beeidet, worauf die Angeklagte bemerkt: Der Zeuge -nimmt viel auf sein armes Gewissen, ich möchte so was nicht tragen wollen. Ein Schüttenhofener Polizeiwachmann erzählt: - Die „Koza" hat allerorts den Transport geführt und hat den Zug nur verlassen , um mit „Maxlicek" durch die Gasse zu tanzen. - Das Dienstmädchen Hahn gibt unter andern an: Wie die „Koza" aus dem Brete ins erste Stockwerk klet-