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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-11-28 · Heft 48 (28.11.1866) · p. Seite 763

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 48 (28.11.1866)
Date
1866-11-28
Page
Seite 763 (sequence 9)
Language
German
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763 Juden fließen! Jetzt gehe xd) nicht vom Fleck, bis ich einen Juden erwürgt haben werde." Angekl.: Es kann wohl Wahres daran sein. Ich war angetrunken und weiß nicht mehr recht, wie's zugegangen ist. Das Fenster habe ich eingeschlagen, aber erst später, wie schon die Federn herumgeflogen sind. Mit einem Gendarm bin ich auch aneinander gerathen. Mehr aber weiß ich nicht. Die Aussage des Gendarmerieposten-Führers aus Horazdiowitz wird vorgelesen. Dieselbe lautet im Wesentlichen: Als ich den Excedenten Rejsek verhaften wollte, wurde ich an der Halsbinde von hinten festgehalten und zu gleicher Zeit wollte mir Rejsek das Gewehr entreißen; die.Halsbinde, die man mir von hinten fest zuzog, riß glücklicher Weise entzwei, das Gewehr konnte ich aber erst dann befreien, als ein zweiter Gendarm mit seinem Bajonnete nach der Hand des Rejsek gestochen hatte. Alsbald aber flogen Steine und Ziegeln um unsere Köpfe, weßhalb wir unsere Gewehre auf die Menge abfeuerten. Jetzt aber begann das Volk wie wüthend zu Loben, die Weiber trugen in ihren Schürzen Steine herbei, und einige Bürger kamen mit der Nachricht zu uns, daß sich das Volk mit Heugabeln und Flinten bewaffne. Nun mußten wir an den Rückzug denken. Wir setzten denselben in zwei Abtheilungen ins Werk. . Die eine marschirte rasch ab, die andere deckte den Rückzug, und auf diese flogen die meisten Steine. Ich war der letzte im Züge und an mich wagte sich ein Mensch mit erhobenem' Knittel heran. Ich stach mit dem Bajonnet nach seiner Brust, worauf er zurückwich. Hierauf wurde aus dem Pöbelhaufen nach mir geschossen. Als wir das Amtsgebäude erreicht hatten, versperrten wir das Thor, das der wüthende Pöbel zu erbrechen versuchte. Wir hatten indessen im Innern des Amtsgebäudes mit den inhaftirten Sträflingen unsre liebe Noch, 'indem dieselben aus ihren Zellen herauszubrechen versuchten, was während der Nacht fünfen derselben wirklich gelungen war. Nach Entlassung des Rejsek wird dessen Sohn, ein hübscher blonder Knabe, vorgeführt. Er war bei allen Vorgängen anwesend, blieb immer an der Seite des Vaters, und befolgte im Schreien, Plündern und Zerstören Stück für Stück das Beispiel desselben. Als dieser verhaftet werden sollte, da rief der Knabe: „Ich lasse meinen Vater nicht verwunden." — Der Knabe leugnet consequent und will ebenfalls von Kohn in die Wohnung gerufen, worden sein. Auch er behauptet, nur darum ins Zimmer gekommen zu sein, „um den armen geängstigten Juden zu beschützen." Auch ein Seiltänzer Wenzel Wawra war angeschuldigt, und man hatte in seinem Wagen gestohlene Waaren gefunden. Angekl.: Das Verhängniß hatte hier seine Hand im Spiele. Ich schwöre bei meiner Ehre und meinem künstlerischen Gewissen (Heiterkeit), ich weiß nicht, wie die Sachen in den Wagen gekommen sind. Der Gemeinderath Zajitz wird zur Zeugenschaft vorgerufen. Derselbe sagt aus: Als sich das Volk immer mehr um die Synagoge ansammelte, versuchten wir dasselbe zu zerstreuen. Der Comödiant hier sprang vor der Menge hin und her und schlug die Fenster ein. Ich sagte ihm: „Sie, Herr Comödiant! Schauen Sie, daß Sie weiter kommen." Er aber erwiederte: „Sie haben mir gar nichts zu befehlen," und ließ sich in seinem Vorgehen weiter nicht stören. Angekl.: Da muß ein Jrrthum obwalten, ich war's nicht. Vertheidiger Dr. Lohar: Sieht der Angeklagte etwa seinem jüngeren Bruder ähnlich? Präs.: Dieser jüngere Bruder wird auch vorgerusen werden. Derselbe, Joseph Wawra, erscheint im Saale. Er verneigt sich in seiner Bajazzo-Manier und stellt sich neben seinem Bruder auf. - Der Zeuge erklärt mit Bestimmtheit, daß der ältere Bruder Wenzel Wawra geantwortet: „Er habe ihm nichts zu befehlen." Der Zeuge Paul Blahut hat die Waaren im Wagen des Seiltänzers ausfindig gemacht. Bezeichnend für die Vorfälle an jenem Tage ist die weitere Angabe dieses Zeugen. Er sagt unter andern:: Als die Waaren aus dem Hause des Abraham Cohn geschleppt wurden, da fragte ich das herumstehende. Volk: „Wird denn Niemand dem Gebühren dieses Gesindels Einhalt thun?' Die Einheimischen schauen ruhig zu und werden dann für das fremde räuberische Pack abbüßen müssen." Nun aber schrie Alles: „Haut ihn, er hält's mit den Juden." Ich sprang in den Laden des Cohn, ergriff dort einen Fußschemmel und schlug auf die in den Laden dringende- Rotte los; in wenigen Minnten hatte ich den Laden gesäubert. Der sechste Tag der Verhandlung giebt uns ein zu .charakteristisches Bild, als daß wir es hier nicht in größerer Ausdehnung wiedergeben sollten. 48

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