Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1866)
- Date
- 1866-11-28
- Page
- Seite 762 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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wegung. Ich weiß, daß eine ansehnliche Zahl unter ihnen, die Nichts gelernt und Alles vergessen haben, es nicht lieben, daß man sie als Juden bezeichne. Sie sind französische Bürger, die den jüdischen Cultus bekennen. Ich habe es selbst mehrere Jahre hindurch geglaubt, aber es ist ein Jrrthüm. Ein Dutzend Philosophen, einige gebildete Freimaurer ausgenommen, habe ich keinen einzigen Franzosen getroffen, der nicht voll Vorurtheile gegen den Juden gewesen. Noch mehr! ich behaupte, und im erforderlichen Falle kann ich es beweisen, daß seit zwanzig Jahren, je mehr das französische Gesetz den Juden mit dem katholischen und protestantischen Christen gleichgestellt hat, der Judenhaß von Tag zu Tag zugenommen hat, und Dank dem Ultramontanismus, den falschen Liberalen, der literarischen Heuchelei (tartuferie), besonders aber Dank einigen Matadoren der Börsenmänner, die Mendaces forluns stivst zu ihrer Devise wählt, wird er noch immer mehr zunehmen.. In Frankreich muß ein Jude drei Mal so ehrlich sein wie ein Christ, um als ehrlich anerkannt zu werden. Man nimmt ihn wohl in den Akademieen auf, vorausgesetzt daß er heimisch und wohlgemustert in einer wissenschaftlichen Spezialität, keinen socialen und direkten Einfluß ausüben kann. Wenn Philo, Maimonides, Spinoza, in Frankreich leben würden , würde ihre Philosophie, ob wahr oder falsch, zuerst als aus dem Judenthum entspringend, zurückgewiesen werden. Um sich bekannt zu machen, müßten sie Opern, Romane, Vaudevilles machen. Die Franzosen des 19. Jahrhunderts brüsten sich Alle mit einem gewissen Christenthume, obgleich sie wie die Heiden leben, ohne Glauben noch Gesetz." Wir brauchen wohl kaum darauf hinzuweisen, daß diese Expectoration zu einem großen Theile der gallichten Erregtheit des Verfassers zuzuschreiben ist. Den Donner seines Geschützes wendet er gegen die Finanziers und Rabbinen unter den Juden, und wenn wir auchzugeben, daß er in, manchen Stücken Recht hat, so bedauern wir doch, daß' unter seiner Feder dieses Rechte selbst zum Unrechten wird. Unsere Zeit ist auf ihrem einmaligen Piedestal nicht besser und nicht schlechter als die früheren Zeiten, d. h. weil sie die Vergangenheit hinter sich hat, hat man größere Ansprüche an sie, und leistet sie auch mehr; aber sie leistet wie alle Zeiten das nicht, was man in abstracto von ihr fordern dürste. Sie nur durch schwarze Brillengläser ansehen, Heißt nicht anders, als die Wahrheit entstellen und unrecht urtheilen. Wir sind dazu , da, ihre höheren Aufgaben zu formuliren, nicht aber dürfen wir voraussetzen und ' fordern, diese Aufgaben vor unseren Augen gelöst zu 'sehen. Dies ist nicht die Sache einer Zeit, sondern aller Zeiten. Wie wir aus den öffentlichen Blättern ersehen, hat sich Herr Weill mit einem gewissen Herrn Albert Wolf aus Cöln in einen Streit eingelassen, der durch ein Duell ausgesuchten, werden soll. Gehört dies auch zu den Consequenzen der absoluten Wahrheit und des unbedingten Gesetzes? Liegt ein Duell im Judenthume oder in der Verkündigung des „neuen Wortes"? — Das Bestehen eines „Central-Comitös", die Berufung einer Synode im nächsten Jahre u. s. w. ist eine Erdichtung, welche sich die Index. beige hat aufbinden lassen. — In einer Vorwahl hat nach den. Arch. isr. Herr Isidor die Mehrheit der Stimmen für die Stelle des Großrabbinen des Central-Consistoriums erhalten. — Gorrespond enz. Wn Prozeß betreffs der ZudenverfolSUngen in Böhmen. (Schluß.) > Der Hauptangeklagte, Zimmergeselle Rejsek, ein kleiner untersetzter Mensch, wird nun vor den Tisch der Richter geführt. Präs.: Ich habe Ihnen eine lange Liste strafbarer Handlungen vorzutragen. Als der Knabe Roth aus dem Amtshause wieder entlassen worden war und die Mutter desselben dann dankend für dessen Freilassung unter die Menge trat, sagten Sie zu ihr: „Glauben Sie, wir sind hier umsonst gestanden!" Spater, vom Gemeinderath Popel aufgefordert, sich zu entfernen, pfiffen Sie nur noch mehr und schrien unausgesetzt „Stribro." Sie waren der Erste, der in Lazar Fürth's Wohnung Steine geworfen.. Sie haben überhaupt gegen die Juden aufgereizt und ihnen großen Schaden zugefügt. Sie . haben die Fensterflügel herabgerifsen, mit einem Prügel herumgeschlagen. Als schließlich ein Gendarm Sie zu arretiren versuchte , hielten Sie ihn beim Gewehr fest und ließen erst los, als ein zweiter Gendarm zu Hilfe eilte. Sie hatten sich dabei an der Hand verwundet und schrien nun: „Christliches Blut muß wegen der