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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-11-28 · Heft 48 (28.11.1866) · p. Seite 761

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 48 (28.11.1866)
Date
1866-11-28
Page
Seite 761 (sequence 7)
Language
German
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Mit einem Hoch auf Se. Majestät verließen die Mitglieder des Comitss den Audienzsaal. Wien , 15. Novbr. Der städtische Gemeinderach verhandelt jetzt über die Erwerbung und Anlegung eines neuen großen Friedhofs. Man beabsichtigt, ein Grundstück von 400,000 Quadradklaftern anzukaufen und es in drei gesonderte Abcheilungen -für Katholiken, Protestanten und Juden zu bringen. — Im Tempel der inneren Stadt wurde heute eine Todtenfeier für die im letzten Kriege gefallenen Soldaten israelitischer Religion abgehalten. Es ist dies das erstemal, daß. ein solches Fest in einem israelitischen Bethause begangen worden. Die vielen Räumlichkeiten des Tempels waren dicht gefüllt; die vordere Hälfte des Centrums war den Militärs reservirt, die zahlreiche Würdenträger in ihrer Mitte hatten. Feldmarschall-Lieut. Hartung erschien als Vertreter des Kriegsministeriums, und sprach, bevor er sich entfernte, den Comitö- Mitgliedern Neustadt und Baumgartner den Dank des Kriegsministeriums aus. Außerdem sahen wir aus der höheren Generalität die Feldmarschall-Lieutenante Schrott, Kinzel, Roßbacher, Kirchbacher u. s. w. Vor dem Tempel war eine aus jüdischen Soldaten gebildete halbe Compagnie aufgestellt. Vom Civil befanden sich unter den Gästen: Bürgermeister vr. Zelinka, Statthalter Graf Chorinsky, Polizei-Director Stro - bach, Freiherr von Pratobevera, Hofrath Hell, sowie die meisten Mitglieder des Patriotischen Hilfsvereins. Den Frauen waren die Bänke zur rechten Seite des Schiffes eingeräumt. Von decorativer Ausstattung .bemerkte man blos zwei schwarzgelbe und eine rothweiße Fahne oberhalb des Altars. Die Feier begann mit der Absingung des von Sulzer componirten Chores: „Was bist du so betrübt, mein Herz", der von der Orgel begleitet wurde. Hierauf hielt Herr Dr. Jellinek die Festrede. Der Prediger ließ die trauervollen Scenen der Schlachten gleichsam wie in einer Vision vorüberziehen, Scenen des Schmerzes, aus welchen jedoch die Lichtpunkte: Treue für den Kaiser und Hingebung für die Sache, hervorleuchteten. Er wies insbesondere auf die Einmüthi'gkeit hin, mit welcher Kämpfer aller Nationen und Confessionen das Schwert ergriffen, aus welcher Eintracht die Hoffnung ersprieße, daß auch bei dem Friedenswerke, bei dem Aufbau der Verfassung, der Zwist verschwinden werde. Indem der Redner noch an Kaiser Joseph erinnerte, der zum erstenmale die Militärpflicht der Juden eingeführt, schloß er mit dem Wunsche, daß der Josephinische Geist der Aufklärung und der Toleranz auch die moderne Gesellschaft zum Heile des Gesammtstaates durchdringe. Nach der Absingung mehrerer Chöre und dem Kaisergebete schloß die Feier mit dem Sprechen des Seelengebetes durch anwesende Kriegskameraden der Gefallenen, denen, die heutige Feier gewidmet war. Frankreich. Paris, 15. Nov. (Privatmitth.) Am 2g. d. M. wird die jährliche Generalversamlung der Alliance israßl. univ. stattfinden. — Vor Kurzem erschien wieder eines der Flugblätter, welche Herr Alexander Weill von Zeit zu Zeit im Formate 'der großen Zeitungen veröffentlicht. Das diesmalige hat den Titel ’„Mes contemporains“ (Meine Zeitgenossen^. Herr Weill schleudert hier die ärgsten Verdammungsurtheile auf unsere Zeit und alle Mitlebenden. Nach ihm hat das Jahr 1789 ein neues Evangelium hervorgebracht, seitdem giebt es nur Bastarde und Epigonen. Stets pikant und stets extrem, weiß er den Wahrheiten, die er sagt, durch die extravagantesten Uebertreibungen, mit eigener Hand den Stachel abzubrechen und die Wirkung zu vereiteln. Dies vermag er aber nur, indem er einigen richtigen Gedanken eine schiefe Wendung und Anwendung giebt. Um so weniger ist es möglich, ihm zu folgen, da jeder seiner Absätze mindestens einen ebenso langen Artikel' zur Widerlegung erfordert, und die Ausbeute einer solchen Kritik dieser Mühewaltung nicht entspräche. Herr Weill spricht über die absolute Wahrheit, die Gloire, Frankreich seit 1800, den ersten Consul, die Restauration, Chateaubriand, die Geschichte und die Geschichtsschreiber; dann verdammt er insonders Thiers, Guizot, Cousin, Hugo, spricht über die Kunst, Lamartine als Staatsmann, wendet sich dann zur Liebe, dem Weibe, den Sitten, der Tugend,.dem Privatleben; kehrt sich hierauf gegen die Neukatholiken, die Proudhonisten, die Presse, die Akademie, das literärische Eigenthum, und kommt zuletzt bei — den Juden an. Hier sagt er: „Unter meinen Zeitgenossen nehmen die Juden sicherlich einen der ersten Plätze ein. Seit dem Tode der Republik sind sie mit den Saint-Simonisten an der Spitze der finanziellen, iudustriellen, und commerziellen Be-

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