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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-11-28 · Heft 48 (28.11.1866) · p. Seite 760

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 48 (28.11.1866)
Date
1866-11-28
Page
Seite 760 (sequence 6)
Language
German
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: t‘_ Sobernheim, tm Nov. (Privatmitth.) Es hat sich schon seit einigen Jahren die üble Sitte bei manchen - Lehrern des Südens namentlich eingeschlichen, Bettel« - . briefe in alle Welt zu schicken und Privaten und Gemeinden zu behelligen. Daß ein solches Benehmen / nicht dazu beitragen kann, die Achtung vor dem Lehrerstande zu heben, das ist' wohl einleuchtend, und ich 'möchte hiermit diese Klasse von Lehrern in ihrem eignen Interesse (denn viel bringt ihnen solche Bettelei doch wohl nicht ein) bitten, die Sache einzustellen, indem man sonst genöthigt sein wird, die Personen, die das saubere Handwerk treiben, namhaft zu machen. Ich habe nichts dagegen, wenn ein vom Schicksal verfolgter - ’ Lehrer sich an einen seiner Collegen wendet, ich selbst -\ habe schon Manchem auf diese Weise unter die Arme greifen können, nur lasse man die Gemeinden unbe- . helligt, indem, wie erwähnt, der ganze Stand darunter ' zu leiden hat. Oesterreichischer Kaiserstaat. Lemberg, 5. November. Das vom galizischen Landtage votirte Lemberger Gemeindestatut ist nicht sanctionirt worden, weil in demselben bezüglich der Verwaltung des Gemeinde-Vermögens den consütutionellen Principien widersprechende Bestimmungen ent« halten sind. (Die Leser wissen, daß in diesem Gemeindestatut unter anderem auch das gesammte Stadtvermögen Lembergs blos dem christlichen Theile der Einwohnerschaft zugesprochen wurde.) f Prag, 12. November. Heute wurde in Pisek das Urtheil im Processe der Schüttenhofener Excedenten ge- J . fällt. Anna Wälisch wurde zu 8 Jahren, Piskaczek? und Turnwald zu 3 Jahren, Waldmann und Paulik zu 2 Jahren, Tonner, Schlecht« und Uhlik zu einjäh- V rigem schweren Kerker; dreizehn Angeklagte zu 1 bis zu 6 Monaten, zwanzig Angeklagte zu 3 bis 14 Tagen - verurtheilt. Zweiundzwanzig Angeklagte wurden freil. gesprochen und vier schuldlos erklärt. Wien, 11. Nov. (Privatmitth.) Das Hilfscomitö für Soldaten israelitischer Religion hatte gestern Vormittags Audienz bei Sr. Majestät dem Kaiser. Der Prediger der Cultusgemeinde, vr. Adolph Jellinek als Präsidirender, Adolph Neustadt als Obmann, der Chachaw der türkischen Gemeinde, Richen Baruch, Em. Baumgarten, Vorsteher des Bet Hamedrasch, Hermann Reis , Vorstand der polnischen Synagoge, S. Szanro, Director der Haupt- und'. Realschule, stellten sich als Mitglieder des Comitss vor. Der Prediger Jellinek bat beim Eintritt, den Segen über Se. Majestät, wie es der israelitische Ritus beim Anblick des Monarchen vorschreibt, in Gemeinschaft mit dem Seelsorger der türkischen Gemeinde bedeckten Hauptes sprechen zu dürfen. Se. Majestät, mit der Hand zustimmend winkend, sagte: „Ich bitte, sprechen Sie." Der ehrwürdige Chacham sprach das Gebet hebräisch mit spanischem Accent,, der israelitische Prediger in deutscher Sprache. Hierauf hielt der Obmann eine Ansprache, in welcher er Sr. Majestät die Anzeige machte, daß nächsten Donnerstag eine Seelen- und Gedächtnißfeier für die gefallenen Soldaten israelitischer Religion stattfinden werde. Auf die Resultate des Hilfscomitss übergehend, erwähnte die Ansprache, daß durch dasselbe bereits an 782 Parteien, darunter 30 Soldatenfrauen, Unterstützung ertheilt werden konnte. Der Redner fuhr sodann fort: „Verhältnisse haben es mitgebracht, daß für die in den zahlreichen Kriegen seit dem vorigen Jahrhundert auf dem Felde der Ehre gebliebenen Soldaten israelitischer Religion kaum in vereinzelten Fällen eine Erinnerung stattfand. Das Hilfscomits beschloß, nachdem demselben die Verlustlisten des letzten Krieges mitgetheilt wurden, eine Gedächtnißfeier zu veranstalten. Auf unsere motivirte Vorstellung wurde vom hohen Kriegsministerium die militärische Assistenz angeordnet. Zum erstenmale wird nun in unserem Tempel eine derartige Feier abgehalten. Es wird ein Trost sein, an dieser geweihten Stelle für diejenigen beten zu hören und diejenigen geehrt zu sehen, die mit ihrem Blut und Leben für den Kaiser, das Vaterland und die Mitbürger einstanden; es wird, ein neuer Sporn sein für die Hingebung und Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen." Redner wage nicht, auf die Anwesenheit Sr. Majestät bei der Feier zu hoffen, bitte jedoch um huldvolle Kenntnißnahme derselben und um die Genehmigung, das Programm für diese Seelenfeier und die Liste der gefallenen Soldaten überreichen zu dürfen. — Se. Majestät erwiderte hierauf beiläufig Folgendes: „Ich anerkenne den patriotischen Eifer und das wohlthätige Wirken dieses Comitös während der jüngsten Zeit. Es freut mich, daß Sie diese schöne Feier veranstalten." .

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