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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-11-20 · Heft 47 (20.11.1866) · p. Seite 751

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 47 (20.11.1866)
Date
1866-11-20
Page
Seite 751 (sequence 13)
Language
German
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751 Männchen, er trägt sich ziemlich elegant und tritt gravitätisch vor die Richter. Piskacek ist der Sohn eines Fouriers, ist 32 Jahre alt und in Podiebrad geboren. Er hat in St. Pölten die Realschule absolvirt, dann bei der Katastral-Ausmessung in Galizien und Ungarn Beschäftigung gefunden. Aus seinem Vorleben ist bemerkenswert^, daß er schon einen Selbstmordversuch begangen hatte. Präs.: Haben Sie schon bei Gericht Anstand gehabt? Angekl.: Ich bin unbescholten. Präs.: Laut dem vorliegenden Berichte der Linzer Behörde sind Sie daselbst wegen Betrngs und Falschmeldung zu zweijährigem Kerker verurtheilt worden, weshalb Ihnen auch die Concession, welche Sie für ein Geschäftsvermittelungs-Bureau daselbst hatten, entzogen wurde. Sie sind dem Gerichte Wahrhaftigkeit schuldig. Warum lügen Sie? Angekl.: Ich war nie schuldig, ich büßte eine Strafe ab, die ich nie verschuldet habe; kann ich gezwungen werden, über mich Unschuldigen verhängte Strafen anzuerkennen? Nie, nie, lieber den Tod! Bei dem Verhöre eines Andern wird der Beschädigte, Heinrich Fürth, Mitglied des Schüttenhofener Gemeindeausschusses, aufgefordert, die Höhe des erlittenen. Schadens anzugeben. Zeuge: Anfangs habe ich den Schaden auf 9000 Gulden angegeben, jetzt aber, nach weiteren Erhebungen, kann ich beeiden, daß der Schaden sich über 12,000 Gulden beläuft. Präs.: Wie wurde Ihnen der Schaden zugefügt? Zeuge: Zumeist durch Plünderung, zerstört wurde wenig, nur eine Claviatur am Piano, auf dem ein Rauchfangkehrer der plündernden Meuge aufspielte, dann ein Schreibtisch, in dessen geheimem Fache mein Geld sich befand, welches sie dann mit sich nahmen. Präs.: Man hat bei Ihnen den Anfang gemacht? Zeuge: Wir haben den Schuß fallen hören, als wir eben voll Angst uns im Zimmer eingesperrt hatten. Jetzt wirds schlimm, dachten wir, die Frau sprang auf und begann die Zimmer zu räumen; da hörten wir schon Stöße an die oberen Fenster und Alles liegen lassend, rettete ich Weib und Kind in ein Nachbarhaus, ich selbst floh erst spater auf den Boden des Nachbars. Am anderen Tage waren wir so übel daran, daß mein Weib keinen Schuh mehr anzuziehen hatte. Jndeß hatte ich doch noch einige Werthpapiere gerettet. Präs.: Was wurde Ihnen von den gestohlenen Sachen zurückgestellt? Zeuge: Ein Kästchen aus Cedernholz mit der Uhr meiner Frau, einige Kleinigkeiten und auch ein Gulden, der dem Hochwürdigen Herrn Dechant übergeben worden war. Zu einem der Angeklagten sagte der Staatsanwalt: Sie haben gesägt, die Zeitungen und Männer von Wichtigkeit haben „Stribro" gerufen; wie verstehen Sie das? Angekl.:- Der Redacteur und die Mitarbeiter der Narodnc Lisch und der Humoriftickc Lisch sind doch 'wichtige Leute. Staatsanwalt: Wohl möglich; diese Heren haben aber nicht unter dem Pöbel „Stribro" gerufen, nicht Pfeifen an die Buben vertheilt und sich auch nicht an die Spitze des die Juden plündernden Pöbels gestellt. Angekl. (trocken): Es machts Jeder nach seiner Art. Die Humoriftickc Listy brachten ein Lied auf die Juden, das in allen Liedertafeln und in allen Wirthshäusern gesungen wurde; das Lied hat das Blatt mit Wissen und Bewilligung der Censur gedruckt und die k. k. Censoren sind doch auch gewichtige Leute. Wir verstehen uns auf. so was. Staatsanw.: Also glauben Sie, daß die öffentlichen Blätter den Haß gegen die Juden angefacht? Angekl. (einlenkend): Ich wars's nur so zu meiner Rechtfertigung hin, um zu zeigen, daß ich's gerade so wie die Zeitungen gemeint. Zur Charakteristik diene auch Folgendes: Anna Meidl, ein junges rothköpfiges Mädchen, erzählt weinend, es sei aus dem Hause des Fürth, während daselbst geplündert wurde, ein Unterrock auf ihren Kopf gefallen, und da habe sie geglaubt ihn behalten zu dürfen. (Heiterkeit.) Ein altes Mütterchen tritt, ganz in Thränen zerflossen, vor den Tisch der Richter. Man hat bei ihr. aus dem Diebstahl herrührendes Geschirr und ein Täschchen, auch eine eiserne Bratpfanne gefunden, die Gegenstände hatte ihr der Sohn nach Hause gebracht. Der Beschädigte Samuel Fürth gibt hierauf den ihn betreffenden Sachverhalt folgendermaßen an: Nach 2 Uhr flogen plötzlich weiße Flocken vor meinem Fenster herum; ich dachte anfangs es schneie, bald aber überzeugte ich mich, daß es Federn waren und ich wußte jetzt, daß es über uns Juden hergehen werde. Bald darauf kamen einige Männer in den Laden; ich erkannte unter ihnen Kuba und Schlecht«, die verlangten mit erhobener

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