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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-11-20 · Heft 47 (20.11.1866) · p. Seite 752

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 47 (20.11.1866)
Date
1866-11-20
Page
Seite 752 (sequence 14)
Language
German
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752 Stimme Branntwein. Ich begann zu zittern und sagte, ich hätte keinen. Da machten die Männer Miene, zu Gewaltmaßregeln zu'schreiten, meine Frau weinte auch -schon, und so reichte ich ihnen den Branntwein hin, hatte aber zuvor schon nach der Polizei geschickt. Da kam ein altes Weib zur Thüre des Ladens, sie winkte den Männern und diese ließen den Branntwein stehen und eilten davon. Ich sperrte hinter ihnen die mit Eisenblech beschlagene Thüre. In einigen Augenblicken wurde sie aber in Trümmern geschlagen, und unter betäubendem Geschrei strömte das entmenschte Volk in den Laden und stürmte mit dem Rufe: Geld und Punsch her, auf mich los. Ich wankte zitternd am ganzen Leibe zum Ladentisch uud langte die Punschflaschen herab, das wüthende Volk entriß mir sie in so ungestümer-Weise, daß sie mir in den Händen zerbrachen: unterdessen sprangen Einige auf den Ladentisch und riffen über meinem Haupte die Zuckerhnte herab; ein anderer Haufe stürmte in den kleinen Laden und wälzte von dort die Salzvorräthe heraus. Ich verließ den Tisch und suchte mich diesem Laden zu nähern, da traf mich ein Stein in's Gesicht und ich sank, vom Schmerz überwältigt, nieder. Die Anssage des Schüttenhofener Dechanten wird nun vorgelesen. Dieselbe lautet: Am Sonntage vor der Abhaltung des Jahrmarktes hat mich der amtirende Gemeinderath ersucht, von der Kanzel herab den Eltern und Meistern einzuschärfen, daß sie den Kindern und Lehrlingen das Pfeifen und „Stribro" rufen strengstens verbieten sollen. Ich that dies, aber meine Weisung wurde sehr mißliebig ausgenommen, es hieß allgemein: „der Dechanthält es mit den Juden." Am Jahrmarktstage hatte ich Gäste bei mir, mit denen ich Nachmittags bei Tische saß. Das Menschengewoge unter meinem Fenster wurde immer größer, der Lärm steigerte sich, die Gährung griff immer weiter um sich, und endlich hörten wir Schüsse fallen und sahen dann die - Gendarmen sich zurückziehen. Die weltliche Gewalt hat keine Macht mehr, jetzt beginnt dein Amt, geistlicher Hirte, sagte ich mir, und beschloß unter die Menge zu gehen und es mit ihr mit Worten der Liebe und Milde zu versuchen. Kenntlich machte mich der geistliche Kragen, eine andere Amtstracht anzulegen, ließ der kritische Moment nicht räthlich scheinen. Ich trat, vor die Hausthüre und wurde gleich von einem tobenden Haufen umringt.- Die Einen schrien: Schlagt ihn todt, er hält es mit den Juden; die Anderen suchten mich zu schützen. Ich aber ließ mich nicht abschrecken und erhob mehrmals meine Stimme, die 'sich indeß in dem betäubenden Lärm verlor. Ich erhielt dann einen Schlag über den Rücken, den ich in der Aufregung kaum beachtete und weiter' zu sprechen suchte; da erhielt ich einen zweiten heftigen^ Schlag, der mir fast die Besinnung raubte. Ich wurde hierauf, ich weiß nicht wie in die Dechantei hineingeschoben, die ich nicht mehr verlassen konnte, weil meine kranke Mutter in Folge der Aufregung dem Tode nahe war. Mein geschwollener Rücken hatte mir dann noch Tage lang Schmerzen bereitet. iFortsetzung folgt.) A n j e i g e a. Zum 1. April 1867 ist die Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schächters für die hiesige Gemeinde zu besetzen. Gehalt bei freier Wohnung und Heizung 255 Thlr. Nebeneinnahmen 60 bis 80 Thlr. Bewerber wollen sich gef. in frankirten Briefen an den Unterzeichneten wenden. Stralsund, 14. November 1866. . Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Carl David. Zu Neujahr oder Ostern 1867 wünsche ich für die hiesige israelitische Gemeinde einen Religionslehrer, Schächter und Vorbeter zu eugagiren. Die Stelle trägt 150 Thlr. ein, bei freier Station. / , Gadebusch in Mecklenburg, November 1866. S. Franck, Vorsteher. Für unsere Filial-Gemeinde Lenzen ist die Stelle eines Religionslehrers und Schächters zur sofortigen Besetzung, offen.' D.as Gehalt beträgt bei freier Wohnung, Beköstigung, Heizung re. rc. exclusive Nebeneinkünften 80 Thlr. per anno. Unverheirathete Bewerber wollen sich schleunigst bei uns melden. Perleberg, 7. November 1866. Der Vorstand des Synagogen-Bezirks. gez. L. Blumenthal. Für unsere Filial-Gemeinde Calcar wird ein geprüfter Religions- und Elementarlehrer gesucht, welcher gleichzeitig das Vorbeteramt zu versehen hat, und sofort eintreten kann. Qualifizirte Bewerber wollen sich' dieserhalb an das Vorstands-Mitglied Herrn E. M. Spier in Calcar wenden. * Cleve, 5. Nov. 1866. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Adolph Cosman.

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