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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-11-20 · Heft 47 (20.11.1866) · p. Seite 747

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 47 (20.11.1866)
Date
1866-11-20
Page
Seite 747 (sequence 9)
Language
German
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Herr Med.-R. Dr. I. Kalmus, ein Bruder des Prager BezirksarzLes Med. Dr. Al. Kalmus, er erhielt das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Krakau, Ende Oktober (Privatmitth.) Es dürfte so manchem der Leser dieser Zeitung auffallend sein, seit geraumer Zeit keine speziellen Berichte über die Entwickelung der Kultur aus Galizien zu lesen, allein, wenn man in Erwägung zieht, daß die polnisch-jüdischen Verhältnisse die orientalische Eigenthümlichkeit haben, daß sie sich nur allmähig.weiter entwickeln, und nur äußerst selten eine epochemachende Erscheinung an's Tageslicht treten lassen, so wird das Räthsel bald gelöst. Es ist noch alles beim Alten geblieben, und war demnach nichts Wichtiges zu berichten. Die Errichtung von Schulen, welcher man in einigen Kreisstädten entgegen sah, wurde wieder durch eine Menge von Intriguen seitens der Lichtfeinde vereitelt; daß diesem Gelichter der Krieg und dessen Tochter, die Epidemie, bei ihrer Agitation zu statten gekommen, ist selbstverständlich. Hätten wir einen ähnlichen Verein zur Aufklärung der Israeliten wie in Rußland, so würde derselbe hier viel leisten können, denn die Kleinstädter, deren Elend und Herabgekommenheit unsere Feder sich niederzuschreiben sträubt, hoffen nächst dem Allmächtigen auf die Hilfe der Großstädter,- da jene beim besten Willen sich nicht allein aus ihrer prekären Lage befreien können. Aber leider kam bis nun ihnen von keiner Seite Hülfe. In Lemberg wirkt der allgemein geachtete und hochgeschätzte Rabbiner Lewenstein für Humanität und Bildung, aber über den eigentlichen wunden Krebsschaden im galizischen Judenthum, den Chassidismus,, schweigt er gänzlich. Ob es seinem Prinzipe gemäß geschieht, indem er den Chassidismus gegenüber dem Indifferentismus nicht für ein solches Schreckbild hält, wie jeder besser Denkende über diesen Auswuchs sich aussprechen muß, oder ob er von gewissen Rücksichten geleitet wird , können wir nicht erörtern. In Brody ist die Hoffnung, einen gebildeten Rab? biner an der Spitze der Gemeinde zu sehen, zu Wasser geworden. Falsch verstandene Pietät, verbunden mit einem Hang der Reaction Konzessionen zu machen, brachte den Sohn des verstorbenen Rabbi an das Rabbinat, der nichts weniger als Fortschrittsmann ist. Der dortige Magid, Rabbi Salomo Kluger, eine tal> mudische Zelebrität ersten Ranges, der in früheren Jahren Posto faßte gegen den Chassidismus und demselben rso manche derbe Streiche versetzt hat, scheint ebenfalls ermüdet zu sein, und der Chassidismus breitet seine Fittige alltäglich ungehindert über Galizien aus. Daß es hier in Krakau, wo wir uns weder eines ins (Priester), noch eines (talmudische Zelebrität) zu erfreuen haben, und wir uns selbst überlassen sind, noch ärger mit den Cultur-Interessen steht, kann man sich vorstellen. Die Reichen, einerseits engherzig, sind andererseits— einige ehrenwerthe Ausnahmen abgerechnet — von einem maßlosen Egoismus befangen und durch und durch indifferent. Die mittlere Klasse, die schon gesündere Kräfte und bessere Elemente in sich birgt, ist leider pecuniär zu schlecht gestellt, um etwas zu leisten. Daß die große Zahl der Armen auch störend in's Gewicht fällt, ist klar, wir haben mehr als 1100 Familien, welche Almosen empfangen. — Leider stehen diese Zustände nicht vereinzelt da, sondern dieselben spiegeln sich in noch mißlicherer Weise in den Verhältnsssen der größeren Provinzialgemeinden ab. Dringende und baldige Organisation ist unbedingt nothwendig; aber wer wird dieselbe in Angriff nehmen? J. Neu Verbaß, 31. October. (Privatmitth.) Der Wiederzusammentritt des ungar. Landtages soll in den nächsten Wochen stattfinden. Die entgiltige Schlichtung des staatsrechtlichen Confliktes zwischen Krone und Nation wird aber allem Anscheine nach! auch für die nächste Session ein frommer Wunsch bleiben, und mithin auch die legislative Regelung der Gleichstellung der Israeliten, hinsichtlich deren die Landesvertretung wohl während der vorigen Session ihren guten Willen bei zwei Gelegenheiten bekundete, u. z. erstlich während der Adreß-Debatte, in der Sitzung vom 23. Febr. l. I., in welcher bekanntlich der gefeierte Patriot Franz Deäk, in Folge eines einschlägigen Amendements des serbischen Deputaten Emil Manojlovits, die mit allgemeiner Zustimmung begleitete Erklärung abgab, daß die ungarische Nation den Israeliten ihr unveräußerliches Recht nicht vorenthalten, und den Genuß der polit. uud bürgerl. Rechte überhaupt nicht von der Confession abhängig machen werde; — und das zweite Mal, als dieselbe der Commission für religiöse Angelegenheiten den Auftrag gab, einen das Verhältniß der verschiedenen Confessionen zu einander sowie zur Staatsgewalt behandelnden Gesetzentwurf auszuarbeiten, und darin die Gleichheit sämmtlicher Confessionen zur Basis zu nehmen. Nun, man muß die Herannahenden Ereignisse sich entwickeln lassen, 47

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