Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1866)
- Date
- 1866-11-13
- Page
- Seite 734 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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784 bet sirrd ünb Wkhtt ivetden, die WktfuM des HdM B. Gbldschmidt und die Cattunfabrik der Herrn v. PMheiitr. Die Chefs der letzteren, die Herrn Moses UUd Leupold % Portheim, haben das seltene Glück und die ausgezeichnete Ehre nun schon den dritten Kaiser v. Oesterreich in ihrem Etablissement zu empfangen. Während der Kaiser an der Seite des Herrn M. v. P. durch die Raume der Fabrik schritt, richtete er u. a. an denselben auch die Frage: Exportiren Sie? Der alte Herr lächelte und erwiederte: Es sind nun 50 Jahre her, seit ich die Ehre hatte Ew. Maj. Großvater durch UNsre Fabrik zu begleiten und derselbe an mich die nämliche Frage richtete: Exportiren Sie? Damals, wo der Export auch in befreundete Staaten nicht gestattet war, konnte ich Sr. Majestät keine andere, als die verlegen ausweichende Antwort geben: Nur indirekt, Was soll das heißen? Geben Sie mir eine bestimmte und klare Auskunft! sagte Kaiser Franz streng. Mn denn, Ew. Majestät — sagte ich — ich selber exportire nicht , aber ich verkaufe meine Waare an pölnische Kaufleute, in der Nähe der russischen Grenze, und die — schaffen Sie hinüber. - Ei so schmuggeln Sie in Gottes Namen weiter! gab mir damals Kaiser Franz als gnädigen Bescheid, heute aber, 50 Jahre später, kann ich auf Ew. Majestät Frage die bestimmte, klare Anwort geben: Ja ich exportire, uud zwar sehr bedeutend. Der Kaiser nahm diese Reminiscenz des greisen Fabrikherrn mit lauter beifälliger Heiterkeit aüf. Herr Moses v. Portheim sieht aber nicht blos äüf die Fortschritte der Industrie, sondern auch auf die der Menschheit überhaupt mit hellblickendem Geiste Und theilnehmender Seele zurück. Eine wahre Verklärung überstrahlt den würdigen Greis von 85 Jahren, wenn er die Zustände der Juden Prags in seiner Jugendzeit mit denen von heute vergleicht. Damals sah es in der Prager Judenftadt so verzweifelt traurig 'avs, daß sein nach Erleuchtung dürstender Geist sich von den in Prag Propaganda machenden Frankist e n äNgezogen fühlte, und er mit seinem Bruder ihnen Nach Offenbach folgte. Doch erkannte er sehr bald deU Schwindel und die bodenlose Tendenz dieser Secte und entzog sich ihr durch geheime Flucht.*) Seitdem *) Was hier unser geehrter Corresp. berichtet, muß ein allgemeines Interesse erwecken. Augenzeugen, welche das Treiben der Frankisten in Offenbach a. Main noch selbst durchgemacht haben, sind gewiß nur noch sehr wenige am Leben: Es wäre daher von wahrhaft gehat er bei allen bessern Bestrebungen der Jüden. Prags mit Rath und Thüt redlich und eifrig mitgewirkt. Zu den Gründern des Tempels für veredelten Gottesdienst zählt er, die Neugestaltung der Meisel-Synagoge hat er durch bedeutende Beiträge und persönliche Theilnähme wesentlich gefördert. Und da ist auch keine einzige Anstalt für Wohlthätigkeit und Humanität die nicht durch die Brüder v. Portheim unterstützt und gehoben würde. — Möge der Allgütige diese würdigen Greise zum Ruhme und zur Zierde Prags, zur Ehre des Judenthums und der Humanität noch lange erhalten! 8. Frankreich. Paris, im Oct. Die „Köln. Ztg." läßt sich von hier schreiben, daß der Kaiser beabsichtigt, eine allgemeine Versammlung der jüdischen Notabilitäten zusammenzuberufen, nach dem Muster des Sanhedrins unter Napoleon I. Diese Versammlung soll Schritte thun, um die algierischen Juden zur Aufgabe der Polygamie und des alten Erbrechtes zu bewegen; nach Erfüllung dieser Bedingung sollen die 40,000 algierischen Juden, die sonst den Vorschriften des Gesetzes entsprechen, zu französischen Bürgern erklärt werden. Griechenland. Corfu, im Oct. (C. J.) Während die ionischen Inseln unter dem Protectorat Englands standen, haben sie sich öfter durch ihr illiberales Benehmen gegen die Israeliten bemerklich gemacht. Es kamen sogar traurige Excesse vor. Die Engländer sahen zu. Seitdem Corfu zu Griechenland gehört, ist das volle Gegentheil eingetreten. Nicht allein sind die Israeliten vollständig emancipirt, sondern die Bürger zeigen stets eine freundliche Gesinnung. Besonders zeigte sich dies während des jüngsten Besuches des Königs Georg. Der König gab einen Ball, zu dem auch die höheren israelischen Familien eingeladen und sehr herzlich von schichtlichem Werthe, wenn Herr v. Portheim sich entschlösse^ seine Erinnerungen aus dieser seiner Jugendperiode niederzuschreiben. Mit aller Bescheidenheit drücken wir diesen Wunsch aus, und bitten um dessen Berücksichtigung. Die Redaktiom