Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1866)
- Date
- 1866-11-13
- Page
- Seite 733 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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733 sein Gesicht gewaschen. Als dies einige Feldarbeiter bemerkten, eilten sie herbei und beschuldigten den Wanderer sehr ungestüm, daß er die Quelle vergiftet habe. Umsonst waren die Betheuerungen seiner Unschuld; das leidenschaftlich erregte Volk, das sich unterdessen angesammelt hatte, drang schon thätlich auf ihn ein, und wäre nicht zufälligerweise der besonnene Ortsvorsteher herbeigekommen, der sich gleich des hart Bedrängten annahm, so wäre ein Unglück nicht ausgeblieben. Wien, im Oktober. (Privatmitth.) Soeben erschien: „Fünfter Jahresbericht des Vereines zur Un-, terstützung mittelloser isr. Studirender in Wien." Dieser Verein besteht jetzt seit fünf Jahren, und seine segensreiche Wirksamkeit würde sich nach immer weiter ausdehnen, wenn ihm noch größere Mittel zu Gebote ständen. Der Bericht sagt: „Unter den 507 Bittstellern, deren Ansuchen bis jetzt nach sorgfältiger Prüfung aller Belege und der Privatverhältnisse der Unterstützungsbedürftigen bewilligt wurden, finden sich sehr Viele, denen durch die erhaltene Unterstützung eine sichere Existenz begründet wurde. Prediger und Rabbiner, welche auf dem religiösen Gebiete die Wohlfahrt unserer Glaubensgenossen fördern, Techniker, welche die besten Zeugnisse aufweisen können, Juristen, welche sich durch gründliche Arbeiten unter ihren Collegen ein bedeutendes Ansehen erworben haben; namentlich und insbesondere aber Ueäieinae Doctoreo, welche theils als Secundarärzte in den Krankenhäusern Wiens, theils als Privatärzte angestellt sind. Eine bedeutende Zahl derselben hat an den letzten Feldzügen den thätigsten Antheil genommen, und ist jetzt in den Spitälern für verwundete Soldaten thätig, sowie sehr viele als Choleraärzte ihr Leben dem Wohle ihrer Mitmenschen opfern." Im verflossenen Jahre wurden von 167 eingereichten Gesuchen 122 berücksichtigt und zwar: ein Rabbinatscandidat, 6 Techniker, 15 Hörer der Rechte und 100 Studirende der Medizin. Von diesen waren 65 aus Ungarn, 18 aus Böhmen, 17 aus Mähren, 16 aus Galizien, 2 aus der Bukowina, 1 aus Schlesien, 1 aus Slavonien und 1 aus Siebenbürgen. Man ersieht hieraus, wie sehr es Pflicht unserer Glaubensgenossen der genannten Länder wäre, diesem Vereine Spenden zuzuwenden, da bis jetzt nur Wiener Israeliten zu dem Vereine beitragen, während er von Wienern nur selten, im verflossenen Jahre garnicht in Anspruch genommen wird. Die Einnahmen beliefen sich vom I.Okt. 1865 bis zum I.Okt. 1866 auf 2737 fl., von denen 445 fl. in Kassa blieben. An Fonds besitzt der Verein 4110 fl. Die Ungunst des Jahres hat also auf den Verein keinen Einfluß geübt, was sicher hoch anzuschlagen ist und die Zukunft des Vereines zu verbürgen scheint. Mögen die Vorsteher desselben in ihrem edlen Eifer nicht erkalten und in den offenbaren Früchten ihren Lohn finden. Prag, 31. Oktob. (Privatmitth.) Erlauben Sie mir, auch durch Ihre geschätzte Zeitung im Namen aller Israeliten Oesterreichs den Freudenruf ertönen zu lassen: Gelobt sei Gott, der als „der Höchste über den Hohen wacht" -un« maa b'y?a maa» Er har in seiner Gnade ein abscheuliches Verbrechen im Entstehen vereitelt, er hat die Völker Oesterreichs vor unsäglichem Schmerz bewahrt, er hat den Kaiser beschützt. Der Kaiser weilt seit d. 24. d. M. in Prag, er ist gekommen Wunden zu heilen, treue Hingebung an das Vaterland anzuerkennen und zu belohnen. Die gesammte Bevölkerung der Hauptstadt, die Vertreter des Landes Böhmen sind voll Freude und Jubel um ihren väterlichen Landesherrn geschaart, da wirft ein Verbrecher Gift in ihren Freudenbecher. Als der Kaiser am 27. Abends gegen 8 Uhr das czechische Theater verließ und eben seinen Wagen besteigen will, da erhebt ein Mann, ein Schneidergeselle, Namens Pust, die gottlose Hand, mit einer Pistole bewaffnet gegen ihn empor. In demselben Moment wird diese Hand von dem hier zufällig weilenden englischen Kapitän F. P. Palmer niedergedrückt, nach längerem Ringen festgehalten und den Gerichten ubergeben. Später erst wird an der Stelle eine in Seidenstoff gewickelte Kugel, Pulver und die Pistole selber gefunden. Wer war der Verbrecher? Ein Deutscher? Ein Czeche? Ein Christ? Ein Jude? Keins von allen, sondern ein wahnbethörter Mensch. Wehe aber der Nation, wehe der Religion, welche den Wahn und die Leidenschaft der Menschen nicht aufklären und beschwichtigen! Dreimal wehe ihnen, wenn sie dieselben zu Werkzeugen benutzen! Ein Jude. Prag, 1. Nov. Privatmitth.) Der Kaiser beehrte auch bei seiner Anwesenheit hier die verschiedenen industriellen Etablissements mit seinem Besuche. Dar-, unter sind zwei hervorragend, die von Juden gegrün- 46*