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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-11-13 · Heft 46 (13.11.1866) · p. Seite 732

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 46 (13.11.1866)
Date
1866-11-13
Page
Seite 732 (sequence 10)
Language
German
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1ÜÄI NßWKDKWMWSNUKWSK«« il ' schreiben Seitens der königlichen Regierung von Unjj terfranken, die Wahl eines Distrikts-Rabbiners tyt jj! * Kissingen betreffend, in welchem amtlichen Aktenstücke es heißt: „Bewerber um die Stelle werden aufgefoft- I; dert ihre desfallsigen Gesuche mit den erforder- \\ ■■■ lichen Zeugnissen in Vorlage zu bringen" und j! ■ - diese Zeugnisse sind dreifach: 1. über den Besitz des l! 7 bairischen Jndigenats, 3. über die mit Erfolg bestandene Rabbinatsprüfung. Zwischen dieser ersten und jj. dritten magern Bedingung breitet sich die zweite! j' ’ als das kernhafte Centrum, um so stattlicher aus und i verlangt ein „Zeugniß über guten sittlichen und ins- - besondere von dem Makel des Wuchers und j des betrügerischen Banquerrouts freien - Lebenswandel!" Freilich ist im Edikt von 1813; j diese Bedingung zur Oualifikation des Rabbiners vor- (| geschrWen, und ist dieses Pharaonische Edikt, welches! bestimmt, es werde dahin gewirkt, daß die Juden in j Baiern „sich vermindern und nicht vermehren," in | allen den Punkten noch in Kraft, in welchen es nicht! durch die spätere liberale Gesetzgebung förmlich ausge- L hoben wurde. 1 Die könig. Regierung von Unterfranken ist daher, l'j buchstäblich genommen, allerdings im Rechte. Aber y — der Zopf der hängt ihr hinten. Uebrigens sind jj r dergleichen Erscheinungen ein Fingerzeig für die Juden jj j Baierns, daß sie noch nicht an dem Ziele bürgerlicher jjf Gleichstellung angelangt sind und es noch nicht an der I! Zeit ist die Hände in den Schooß zu legen. — kr Wenn die geehrten Leser Kontraste lieben, so bin h ich in der angenehmen Lage, sie hier mit einem solchen zu erfreuen. Der „Nürnberger Anzeiger," ein Organ j|; der Demokratie vom reinsten Wasser, , läßt sich, von „einem in Turin etablirten baierischen Kaufmanne" I; - schreiben, daß das letzter Zeit vielfach in den Zeitungen als bevorstehend berichtete Ehebündniß zwischen einer österreichischen Erzherzogin und dem Thronfolger von Italien nichts als ein Mährchen sei, welches die Conjekturalpolitiker dem leichtgläubigen Publikum auf-! binden möchten. Viktor Emanuel wisse sehr wohl, daß i eine solche Heirat ihm die ganze liberale Partei ent-' j fremden würde; und Prinz Humbert selbst, auf der! Höhe der Zeit stehend und eine der Haupttriebfedern , bei Aufhebung der Klöster, fühle das Unharmonische einer solchen Verbindung. Aber eine Lebensgefährtin — das ist der allgemeine Wunsch — soll sich der j Prinz erküren. < Nun wen? Man hofft, seine Wahl. werde auf eine deutsche, dänische, oder englische Prinzessin fallen. . Aber, sagt der demokratische Briefsteller, es hält auch , in diesen geographischen Breiten schwer eine Prinzessin aufzufinden, die sich leicht mit den gewaltigen Reformbestrebungen Italiens befreunden könnte. Zu dieser Aussichtslosigkeit verräth der Correspondent uns ein Geheimniß gewiß der sonderbarsten Art. Die intimen Freunde des Prinzen wollen wissen, eine ausgezeichnet schöne und geistreiche Jüdin, deren Bekanntschaft er in Paris gemacht, habe bereits-sein Herz erobert, und er gedenke, wie Napoleon III., einer Nichtebenbürtigen die Krone Italiens aufs Haupt zu setzen. Diese Glückliche soll keine andere als die Enkelin James v..Rothschilds sein. Der Vater derselben knüpft seine Zustimmung jedoch an die Bedingung, daß seine Tochter dem Glauben ihrer Väter treu bleibe und als Jüdin den Thron Italiens besteige. Die italienische Demokratie schwärme für dieses Projekt. Nun ergeht sich das genannte Blatt in Betrachtungen , wie vortheilhast es für das „durch tausendjährige Pfaffenwirtschaft" so herabgekommene Italien wäre, wenn es durch Rothschild Credit und Geld bekäme. Die dabei angestellten weiteren Betrachtungen mit ihrem politisch-radikalen und jesuitenfeindlichen Zubehör will ich der gemäßigt liberalen und religiöstoleranten „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" ersparen, und begnüge ich mich damit,. Ihnen das Herzensgeheimniß des Kronprinzen Humbert von Italien ausgeplaudert zu haben. (Wir haben von obigem Mährchen nirgends sonstwo eine Spur gefunden. Redakt. d. A. Z. d. I.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Böhmen, 1. Nov. (Privatmitth.) Die Cholera ist, wie der Prager-Ztg. geschrieben wird, in dem Horowitzer Bezirke stark aufgetreten, wo namentlich die Ortschaften Lochowic, Libomhsl und Hredl arg mitgenommen wurden. Hauptsächlich ist es die niedere Classe, unter deren Angehörigen die Seuche ihre Opfer sucht. In Folge dessen sind hie Leute auf die Idee verfallen, daß „die Herren und Juden" Brunnen mittelst Pulver vergiften. So hat ein wandernder Jude, der nach einer längeren Reise ganz bestaubt war, unlängst in der Nähe von Lochowic in einer Feldquelle

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