Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-11-13 · Heft 46 (13.11.1866) · p. Seite 728

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 46 (13.11.1866)
Date
1866-11-13
Page
Seite 728 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226574--24406-3251763
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

728 oder auch in diesen manche Eigenthümlichkeiten schonern wird?-/u* ^tVik Wir würden es gern sehen, wenn sich über die in' diesem Schreiben beregte Frage auch andere Stimmen-, aus .den betreffenden Ländern verlautbar machten/ Was unsre unmaßgebliche Ansicht betrifft, so können sich: die Juden in den annektirten Ländern an das preußische Abgeordnetenhaus so lange noch nicht wenden, als die preußische Verfassung für dieselben noch nicht rechtsgültig geworden, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil das preußische Abgeordnetenhaus gegenwärtig noch nicht das Recht hat, sich über Erhaltung oder Beseitigung j gesetzlicher Verhältnisse in jenen Ländern auszusprechen. Lagegeil hielten wir es wohl' für rathsam, wenn unsre Glaubensgenossen in denjenigen annektirten Ländern, in - welchen sie den Fortbestand ihrer bisherigen gesetzlichen Zustände für wünschenswerth erachten, diese ihre Wünsche dem königlichen Staatslninisterium in geeigneter Weise vorlegen, damit von diesem schon'bei den zu treffenden Anordnungen hinsichtlich der Verwaltung darauf' Rücksicht genommen werden könnte. Es versteht sich von selbst, daß dies lediglich aus ihrer eigenen Mitte her-- Vorgehen und betrieben werden könnte. Die Redaktion. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin , 21. October. (Privatmitth.) Es ist wol schon lange her, daß Sie,- verehrter Herr Redacteur, von mir nichts gehört. — aber Sie . wissen ja, daß ichaus meiner contemplativen Ruhe nur selten heraustrete,: und daß dieses Heraustreten in einem Paar Briefenhöchstens besteht, worin ich alle jene Bemerkungen und^ Wahrnehmungen mir „vom Herzen lasse", die dem ruhigen Beobachter als charakteristische Eigenchümlichkeiten der . Zeit sich aufgedrängt und sein ernstes Nachdenken - herausfordern. Fehler der Zeit müssen schonunglos' aufgedeckt werden, wenn man anders aufrichtig bestrebt ist denselben entgegen zu arbeiten und vom Grund aus sie zu beheben. Ich will deshalb ohne Rückhalt und sonder Scheu meinen Gegenstand besprechen, und weil dieser von höchster Wichtigkeit ist und die Allgemeinheit angeht, so will ich Sie vorher ersuchen, daß Sie btejM; mal mein Raisonnement durch Ihr - verbreitetes Blatt ganz ders Oeffentlichkeit anheimstellen Mögen. Ein Correspondent. aus Philadelphia hat, jüngsthin in diesen Blättern über eine traurige Erscheinung Klage geführt , die im Innern der noch so jungen jüdischen Gemeinden.Nord-Amerikas Platz greift und als socialer Krebsschaden sich Kund gibt, der bes ungestörter Entwickelung eine wahrhafte Demoralisation nach sich ziehen könnte. Seelsorge- und Lehramt entwickeln sich zu reichen Pfründen heran, auf die Charlatane speculiren, die billigsten Aemter gerathen oft in die Hände derjenigen, die am meisten Geschick zu Aufschneidereien und Machinationen haben, Unwürdige kommen ans Ruder, die Redlichen werden übergangen. Als das gefährliche Aufwuchern der Charlatanerien muß diese Ausgeburt der Zeit bezeichnet werden, will Man das Kind beim rechten Namen nennen! Als ich nun diesen traürigen Bericht über Zustände in den Freiheitsstaaten der neuen Welt las, da kames mir so recht in Erinnerung , wie ganz gleiche. Uebelstände auch bei uns, inmitten der deutschen Judenschaft gar oft schön zum Vorschein gekommen, ja daß diese sogar, wie häufig auch ihre bösen Folgen verspürt wurden, dennoch eine bedeutende Zukunft noch erwarten dürfen. Das Handwerk der Charlatanerie wird zwar bei uns nicht so in optima forma geübt, wie jenseits-des Oceans, aber es ist im Schwange und gar oft nährt es glänzend seinen Mann. Es ist wohl nicht nöthig, daß wir hierim Tone Theophrast's etwa eine Charakterzeichnung des „Charlatan's"* entwerfen — auf diese Species von Betrug stößt man viel zm-häufig im Leben, als daß nicht Jedermann von dem Wesen derselben einen Begriff haben sollte. Dagegen scheint es umso mehr geboten, nachzudenken und die, Umstände zu ergründen, die es möglich machten, daß dieselbe in das Gebiet der heiligsten Interessen des Judenthums — einer Religionsgenossenschaft und nicht etwa einer großartigen Handelsunternehmung! — sich Eingang zu verschaffen, ja oftmals deren sich völlig zu bemächtigen wüßte. Diesen Ürnständen und Verhältnissen auf den Grund zu kommen, kann keineswegs demjenigen schwer fallen, der für Entwickelung und Fortbildung jüd. Gemeinden seither sich interessirt hat, und indem er. auch der jüd. Presse seine Aufmerksamkeit widmet, und so von den wichtigsten Vorgängen stets Kenntniß erhält, in einem gewissen, mittelbaren Eontact steht mit dem jüd. Gemeindeleben im Allgemeinen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.