Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1866)
- Date
- 1866-11-13
- Page
- Seite 725 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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725 sallfigen. Circulaire. versandt. Unsre Leser wissen bereits, welchen allgemeinen Anklang diese Änitiaüve fand und; namentlich liefen die Vollmachten und Zustimmungen von den Gemeinden Westfalens und der Rheinprovinz in großer Masse ein. Eigenthümlicher Weise hatte der Vorstand zu Cöln, an welchen wir selbstverständlich eines der ersten .Exemplare des Cirkulairs gerichtet hatten, dasselbe nicht erhalten. Er beschloß, obgleich wir, nachdem wirdies bei unsrer persönlichen Anwesenheit erfahren hatten, remedirten und mittheilten, daß damals schon über 70 .Gemeinden aus den beiden Provinzen ihre Vollmachten uns eingesandt, eine Versammlung der Vorstände in der Petitionsangelegenheit zu veranlassen, lehnte es hingegen ab, unserm Anträge gemäß, die Versammlung zum Zwecke der Seminarfrage zu berufen, sondern fügte in seinein desfallsigen Cirkulair nur hinzu, daß nach Erledigung der Petitionsangelegenheit auch andere wichtige Gegenstände, die das Judenthum betreffen, verhandelt werden könnten. Da unterdeß die Betheiligung an unsrer Petition von mehr als 100 Gemeinden aus Westfalen und Rheinland — abgesehen von den Gemeinden der sechs östlichen Provinzen — bei uns eingegangen war, so war es voraussichtlich, daß die große Mehrzahl der Gemeinden um eines Zweckes willen, der für sie bereits erledigt war, ihre Vertreter nicht zu einer Versammlung entsenden würden. Nach der Ablehnung unsres Antrages war unterdeß ein Comit«; zusammen- . getreten, um eine Versammlung behufs der Seminarfrage zu berufen. Es bestand aus dem Vorstande der Synagogengemeinde Aachen, dem Vorstand der S.-G. Münster, dem. Herrn Oberrabbiner Cahn zu Trier, Herrn Rechtsanwalt Metz zu Petershagen und uns. Das Co-; mit6 beschloß nun, sich der von dem Vorstande zu Cöln, berufenen Versammlungünzuschließen, die Seminarfrage als wichtigsten Gegenstand der Tagesordnung vorzuschlagen und seinerseits zu einer allseitigen Behelligung. aufzufordern. Bekannünachungen und. Cirkulaire wurden, zu diesem Zwecke erlassen. Die Versammlung fand nun am t. November zu Cöln in den sreundlichst hergegebenen Localitäten der Gesellschaft „Harmonia" statt. Es waren die Vertreter von mehr als sechszig Gemeinden versammelt/ und zwar hatten mehrere. Gemeinden zwei oder drei Vertreter gesandt, so daß die Versammlung eine stattliche war. Die große Theilnahme zeigte sich aber darin, daß Gemeinden, von der äußersten. Südgrenze des Rheinlandes und von der Nordgrenze Westfalens vertreten waren. Auch Herr: Löb nahm als Vertreter von Hamm Antheil an der Versammlung. Eingeladen waren die Rabbinen vvr. Philippson, Schwarz und Feilchenseld, und der Oberrabbiner Cahn vertrat die Gemeinden seines Consistorialsprengels. Die Debatten verliefen unter dem Vorsitze des Herrn S. M. Frank als ersten Vorstehers von Cöln in der angemessensten Weise, und obschon es. an Veranlassungen zu persönlichen Bemerkungen und Tadel nicht fehlte, so hatte man doch nur selten Veranlassung, über Mißgriffe in den Ausdrücken Einzelner zu klagen. Der erste Gegenstand der Tagesordnung/ die Petitionsangelegenheit, war bald erledigt. Herr de Jong legte im Namen des Vorstandes die Ansicht dar, daß jede Gemeinde petitioniren und zwar nicht allein der Vorstand unterzeichnen, sondern alle Mitglieder einer Gemeinde ihre Unterschrift darunter setzen sollten, und vertheilte einen Petitionsentwurf der Cölner Gemeinde, der wörtlich das Petitum aus unsrer Petition entnommen und die Motivirung mit etwas andern Worten gegeben hatte. Wir unsrerseits nahmen das Wort, und zeigten noch einmal die Motive, die uns zu dem von uns eingeschlagenen Wege veranlaßt hatten. Ein eigentlicher Beschluß konnte nicht gefaßt werden, da es jeder Gemeinde überlassen bleiben mußte, welchen Weg sie vorziehen wolle. Die Zahl der in der Versammlung vertretenen Gemeinden, welche sich unsrer Petition noch nicht angeschlossen hatten, war nur gering, und die meisten dieser übergaben noch während der Versammlung uns ihre Vollmachten. . Eine weit größere Ausdehnung nahm die Verhandlung über die Seminarfrage. Sie währte fast fünf Stunden.- Dr. Schwarz leitete sie durch eine längere Rede ein, deren kurzer Sinn war, daß die Debatte, so weit sie sich auf die Frage des in Cöln zu gründenden Seminars beziehe, gegenstandslos sei, da er und seine Freunde jedenfalls ein solches gründen würden, und auch bereits die Sache gesichert sei, indem sie ca. 2400 Thlr. Zeichnungen auf fünf Jahre hätten. Ihn unterstützte später Dr. Feilchenseld in zwei ausgedehnten Reden, in welchen er die Motive und die Grundsätze ihres Unternehmens auseinandersetzte. Er zog diese aus dem Zustande des Verfalls, in welchen das Seminar zu Münster in letzter Zeit gerathen sei, aus dem Mangel an Einfluß der Rabbinen, die doch das Vertrauen der Gemeinden besäßen, auf das Seminar, und daß ein solches auf dem Boden der allerstrengsten Praxis des jüdischen . Gesetzes bestehen müsse. Alle übrigen Redner, und deren 46*