Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1866)
- Date
- 1866-11-06
- Page
- Seite 719 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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719 es den Bauern vorzulesen, um sie auf das Werk der Ausrottung vorzubereiten. Man schickt auch in die Dörfer Agenten, die beauftragt sind, der Gesellschaft neue Mitglieder ' zu verschaffen und den Haß gegen die Israeliten anzufachen. Die Gesellschaft zählt unter ihren Mitgliedern mehrere hohe Beamte, u. A. den Inspektor des Elementarunterrichts. Die Juden wollten ihre Klagen vor die Regierung von St. Petersburg bringen, die ihre Lage seit mehreren Jahren verbessert hat und von der sie glauben, daß sie von dieser abscheulichen Propaganda keine Kenntmß hat. Unglücklicher Weise haben sie durch den Belagerungszustand kein Mittel, zu ihr zu gelangen, und befinden sich in einem Schrecken, den, wie sie hoffen, die Regierung, sobald sie davon benachrichtigt, gewiß beenden wird. E. Lefövre. (Es scheint uns unglaublich, daß die Männer der russischen Regierung, welche erst vor Kurzem in diesem Lande eine so ungeheure Aufregung mit Anwendung großer Kräfte unterdrückt hat, selbst es sein sollen, welche den Saamen der Zwietracht und gewaltthätiger Handlungen ausstteuen. Ebenso wenig ist es ersichtlich, warum trotz des Belagerungszustandes, die Klagen der Betroffenen nach Petersburg nicht sollen gelangen können. Wir müssen also weitere Nachrichten abwarten. General Kauffmann ist übrigens jetzt von Wilna abberufen. Red. d. A. Z. d. Ä.) Italien. Modena, 3. Oktober. Unter zahlreichen Israeliten unserer Stadt, vie sich in dem vergangenen Kriege ausgezeichnet haben, ist besonders der junge Federico Castelfranco zu nennen, der als Freiwilliger in das 2. Bataillon Bersaglieri eintrat und sich in dem Kampfe bei Vezza so auszeichnete, daß er zu den äußerst wenigen gehört, die für die Medaille für militärische Tapferkeit vorgeschlagen sind.. (Educ. isr.) Neapel, im Oktober. Der Rabbiner Ar tan hat unsere Gemeinde verlassen, da er zu einem anderen Wirkungskreise berufen ist. Sein Abschiedsschreiben an die Gemeinde ist, leider, nur eine traurige Darstellung unserer Zustände. Sein Scheidegruß ist eine Klage, ein Schmerzensruf über die Gefahren, welche dieser jungen Gemeinde drohen. Er beklagt das Haus Gottes, das selbst an den heiligsten Tagen einsam steht: kein Religionsunterricht; die Zwietracht triumphrrend, die Gaben der Beitragenden verringern sich; viele halten sich von ihren Brüdern fern, die Neuankommenden haben nichts wichtigeres zu thun, als ihre Eigenschaft als Juden zu verbergen. Die Gemeinde, ruft ihr scheidender Seelenhirt, steht am Rande des Abgrundes, wenn sich nicht schnelle und wirksame Abhülfe findet. Hoffen wir, daß der Eifer des würdigen Geistlichen gute Früchte trage. (Educ. isr.) Frankreich. Paris, 24. Oct. Die „Patrie“ erzählt: „In der kleinen Stadt Cernah (Ober-Rhein) wurde jüngst eine Hochzeit unter sehr seltenen Umständen gefeiert. Ein junger Edelmann aus Paris, der zu den Festen von Thann gekommen war, verliebte sich in eine junge und schöne Israelitin, Frl. .R. K...., aus dieser Stadt, und zögerte auch nicht, die Bedingung sine qua non zur Vereinigung mit diesem jungen Mädchen zu erfüllen, nämlich zur jüdischen Religion überzugehen. Die Hochzeit fand am 10. October statt, unter dem Zulauf der ganzen Bevölkerung Cernahs. Man erzählte sich, daß der junge Mann mehrfache Prüfungen durchmachen mußte, bevor er zur Synagoge zugelassen wurde. Anzeigen. Shnagogen-Gemeinde Warendorf in Westfalen. Die hiesige Shnagogen-Gemeinde sucht zum 1. April 1867 einen geprüften Religionslehrer, der zugleich Vorbeter und. Schochet sein muß. — Feststehender Gehalt 230 Thlr., außer Schechita und anderen Emolumenten, die nicht unbedeutend find. Bewerber belieben sich dieserhalb in portofreien Brie-, fen an den Unterzeichneten zu wenden. Warendorf, 26. October 1866. Der Vorstand Bernhard Beer. Die hiesige Religionslehrer-, Schächter- und Vorbeter-Stelle verbunden mit einem festen Jahresgehalt von 300 Thlr., freier Wohnung und sonstigen Nebeneinkommen wird zum 1. April k. I. vacant. Bewerber wollen sich unter Einreichung ihrer Qualificationsatteste bei dem Unterzeichneten Vorstande melden. Polzin, 29. Octyber 1866. ' Der Vorstand der Shnagogen-Gemeinde. F. Heidemann. L.Salinger. M. Arnfeld.