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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-11-06 · Heft 45 (6.11.1866) · p. Seite 715

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 45 (6.11.1866)
Date
1866-11-06
Page
Seite 715 (sequence 9)
Language
German
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715 ähnlichen Instituts für ein leicht ausführbares Project halten, geben sich einer gefährlichen Illusion hin, aus der sie - gar bald erwachen werden, um sich zu überzeugen, daß die Gefährdung oder Beseitigung einer Anstalt, welche doch die Möglichkeit einer segensreichen Umgestaltung und Fortentwickelung bietet, ohne die Gewähr der Errichtung einer andern bessern, — ein Verbrechen genannt werden muß, welches sich schwer genug rächen wird. Was es heiße, für ein neues Institut, und wenn dessen Bestand noch so sehr als nützlich, ja als nothwendig erkannt wird,.willige Herzen und offene Hände zu finden, darüber möge man z. B. sich bei dem Vorstände der Unterstützunscasse für jüd. Lehrer Rheinl. und Westphalens erkundigen — eine Stiftung, deren edler Zweck/deren segensreicher Einfluß auf die Lehrer und die Gemeinden nirgends und von keiner Seite in Abrede gestellt wird. — Circulare und Ansprachen in Zeitungsartikeln, Fürsprache hervorragender Autoritäten, Aufforderung der Negierungen und der Landräthe — an alle dem fehlt es nicht und doch — fließen die Mittel äußerst spärlich und.viele Gemeinden, ebenso wie viele Lehrer, scheinen, aller Ansprachen ungeachtet, die Existenz dieser Unterstützungscasse gänzlich ignoriren zu wollen. Beide Institute werden, das hoffen wir zu Gott, bestehen, gedeihlich erblühen und segensreich wirken. Mögen nur die Gemeinden und die Lehrer das Ihrige thun — der Segen Gottes wird nicht ausbleiben. ./ Ein Lehrer. Landöberg a. d. Warthe, 25. Okt. (Privatmitth.) Selten findet das Hinscheiden einer Frau eine so große Theilnahme, wie in diesen Tagen das der Frau Minna Burchardt, der Gattin des Mannes, der sich durch so viele edle Stiftungen verdient gemacht. Schlicht und hochherzig war sie in ihrem ganzen Lebenswandel. An ihrer Bestattung nahmen alle Notabilitäten und besseren Bürger Theil, uud wohnten den beiden Trauerreden des Rabb. Dr. Klemperer im Sterbezimmer und am Grabe bei. Der Redner riß seine Zuhörer durch seine ergreifenden und doch wieder tröstenden und aufrichtenden Worte hin.- Oesterreichischer Kaiferstaat. Wien, 26. Okt. Der „Kamerad" meldet: „Das HilfscomitS für Soldaten israelitischer Religion veranstaltet im hiesigen Tempel eine Seelenfeier für die auf den Schlachtfeldern gebliebenen Soldaten israelitischer Confession. Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir die Anzahl derselben auf mehrere Hundert, sogar auf ein halbes Tausend veranschlagen, eine Ziffer, die wol Erstaunen erregen muß. Obwohl die Israeliten Oesterreichs seit Kaiser Joseph zum Militärdienst herangezogen sind und fortan alle Feldzüge mitmachten, ist bisher für die in ihrem Berufe und in ihrer Pflicht Gefallenen kein Andenken veranstaltet worden. Wie wir hören, wird der Gottesdienst nicht blos durch die geistlichen Personen und Vertreter der israelitischen Gemeinde, sondern auch ""durch die Theilnahme der militärischen und Civil-Behörden, sowie durch Assistenz eines Theiles der Garnison solenn begangen werden. Die Feier soll am 15. November stattfinden." Lemberg, 22. Oktober. Nachdem der hies. städtische Gemeinderath die kaiserliche Sanction seines reactionären Gemeindestatuts verlangt hat, geht er in der Terrorisirung der Juden immer weiter. Ein Bericht in der „Presse" giebt uns hierüber Aufschluß, und führen wir ihn wörtlich an, um jede Parteilichkeit zu vermeiden. „Bekanntlich gaben die Verhandlungen über das christliche und das jüdische Gemeinde-Vermögen der Stadt Lewberg im dortigen Gemeinderathe zu erregten Debatten Anlaß. Die Majorität des Gemeinderathes wollte das jüdische dem christlichen Gemeinde-Vermögen einverleiben, wogegen sich die fünfzehn israelitischen Gemeinderäthe mit Rücksicht auf gewisse Gemeinderaths- Beschlüße, die nichts weniger als vom Gleichberechtigungs-Principe ausgingen, entschieden verwahrten. Trotz dieses Protestes entschied sich der Gemeinderath für die Verschmelzung dieser beiden Vermögen. Wie wir nun vernehmen, soll diesem Beschlüsse die Allerhöchste Sanction verweigert werden." Nachdem man also die Juden auf das geringste Maß des Einflusses auf die Verwaltung der Stadt, von deren Bevölkerung sie doch einen so großen Theil ausmachen, beschränkt hat, will man sich die unbeschränkte Herrschaft über ihr Gemeindevermögen, ihre Grundstücke und Anstalten anergnen. Man kann sich 45

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