Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1866)
- Date
- 1866-11-06
- Page
- Seite 714 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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714 Verständnis für das Allgemeinennd mikrologische Ge- ' mauigkeit im Einzelnen keine unvereinbaren Eigenschaften sind, und auf dem . geschichtlichen Gebiete in ihrer Verbindung -.düs rechte Werk, Hervorbringen. „Zum Siegesfeste, Dankpredigt und Danklieder von Moses Mendelssohn. Eine Reliquie. Zum ersten Male ,herausgegeben und mit Einleitung versehen von Dr. M. Kays er l in g" (Berlin, Louis Gerschel, 1866). Ein Berliner Corxespondent hat in dieser Zeitung bereits auf diese Predigt und Lieder Mendelssohn's, welche ganz verloren gegangen, und von vr. Kayserling in Zürich und München aufgefunden worden, aufmerksam gemacht. Sie waren von Mendelssohn zur Feier des Sieges bei Leutchen (5. Dezember 1757) abgefaßt, und die Predigt vom Rabbiner Franckel vorgetragen worden, die Lieder sang der Vorsänger mit der Thora im Arme ab. Wir sehen hier von der Beziehung zur Gegenwart, sowie von dem Werth der Predigt ab: gewiß ist diese Gabe schon durch sich selbst als eine Reliquie Mendelssohn's von hohem Werthe. Er erscheint hier weniger als der scharfe logische Denker, denn von der gemüthlichen Seite, wo er nicht minder eine Fülle tiefer Empfindungen und die starke Aufregung der Begeisterung offenbart. Der Herausgeber hat hierdurch seine werthvolle biographische Arbeit über unfern dritten Moses würdig bereichert. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bonn, 26. Okt. (Privatmitth.) In der Frage betreffs des jüdischen Lehrerseminars zu Münster klärt sich der Himmel nach und nach auf. Der Vorsteher desselben, Herr Rittergutsbesitzer Jacob Löb, hat sich bereit erklärt, solche Veränderungen des neuen Statuts vorzunehmen, welche den gerechten Forderungen der beitragenden Gemeinden entsprechen. Er will namentlich den Zusatz treffen: die sämmtlichen Mitglieder des Curatoriums, also der Präses eingeschlossen, müssen der jüdischen Religion angehören, ferner die Wahl der vier Mitglieder des. Curatoriums und ihrer Stellvertreter soll von den beitragenden Gemeinden ausgehen; die Controle der Finanzverwaltung dem Curatorium zustehen, ebenso die Anstellung der Lehrer. Dagegen fordert Herr Löb, daß die Gemeinden eine größere Fundirung des Seminars beschaffen, 'um dasselbe allmälig der schwankenden Privatwohlthätigkeit weniger bedürftig zu - machen. In Folge dessen hat sich ein Comits gebildet'.aus dem Gemerndevorstande zu Aachen, dem Gemeindevorstande zu Münster, dem Oberrabbiner J.-Cahn in Trier, dem Rechtsanwalt Metz in Petershagem und. dem Redakteur dieser Zeitung.' Es sott nun eine Versammlung aller Vorstände der. Gemeinden beider Provinzen am 1. Rov. c. in Cöln stattfinden, um alle, das Seminar betreffende Fragen zu besprechen und möglichst darüber zu beschließen. Wir hoffen, daß die Betheiligung eine allseitige sein werde, und werden über diese Versammlung ausführlich berichten. Aus Westphaleu, im Okt. (Privatmitth.) Die Seminarfrage, welche gewiß von Allen, die für die jüdische Schule und die Heranbildung ihrer Lehrer sich interessiren, mit Spannung und nicht ohne Besorgniß verfolgt wurde, scheint in ein Stadium getreten zu sein, welches — Dank sei besonders auch ihren erfolgreichen Bemühungen, geehrter Herr Redakteur — uns allseitig befriedigende Lösung erhoffen läßt. Herr Löb hat sich, wie Ihre gesch. Zeitung meldet,, geneigt erklärt, in die Abänderung der beanstandeten §§ des neuen Statuts zu willigen, selbstverständlich wenn bessere, dem Zwecke mehr entsprechende an die Stelle gesetzt werden können. Diese Bereitwilligkeit des Herrn Löb ist.denjenigen gewiß keinen Augenblick zweifelhaft gewesen, welche ihn und seinen ehrenwerthen Charakter näher kennen; denn diese find überzeugt, daß die Aufxechthaltung des so nothwendigen Institutes und die Fortführung. desselben im Geiste der. Stifter sein aufrichtiger Wunsch war und ist, und daß also, wenn andere Formen und andere Mittel, als die von ihm, intendirten, zweckentsprechender erscheinender der Annahme dieser gewiß am allerwenigsten sich verschließen wird: Nach unserer Meinung muß die ganze Kraft der Gemeinden und der Lehrer , die intellectuelle wie die materielle, sich der Erhaltung des bestehenden Instituts zuwenden, und wird durch das wohlwollende Entgegenkommen des jetzigen Dirigenten die allseitig als notwendig anerkannte Reorganisation der Anstalt gewiß zu ermöglichen sein zum Segen der jüdischen Gemeinden, denen die Erhaltung und die gedeihliche Fortentwickelung der jüd. Schule eine heilige Angelegenheit ist. Diejenigen'aber, welche die Errichtung eines neuen