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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-10-30 · Heft 44 (30.10.1866) · p. Seite 701

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 44 (30.10.1866)
Date
1866-10-30
Page
Seite 701 (sequence 11)
Language
German
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701 noch in den Finsternissen des Mittelalters befangen sind, bald wie ihre Schwestern, unter dem belebenden Hauche der Freiheit wieder neu erstehen mögen. - Leone Ravenna. Belgien. Brüssel, im October. Wir entnehmen öffentlichen Blättern folgende Notizen: Vor der Jnstallirung des neuen Großrabbinen, des Herrn Astruc, hatte derselbe nach dem Consistorialregulativ den Eid zu schwören: „Ich schwöre, alle die Pflichten sorgfältig zu erfüllen, welche mein Amt als Großrabbiner'mir vdrschreibt und treu der Verfassung Belgiens zu sein." Der Rabbi wurde von dem Cultusminister empfangen, der ihn dem Könige vorstellte. Brüssel zählt jetzt ungefähr 1800 Seelen jüdischen Glaubens, und Herr Astruc wirkt auf die Verbesserung des Gottesdienstes mit Nachdruck hin. Vor seinem Abgänge von Paris widmete das Consistorium von Paris ihm ein silbernes Schreibzeug als Ehrengeschenk und die Verwaltung des portugiesischen Tempels eine goldene Medaille, um ihm das liebevolle Andenken zu bezeugen, das er in Paris hinterlasse. — Der Lord-Mayor von London, bekanntlich ein Jude, hat sich mit den englischen Schützen zu dem internationalen'Preisschießen in Brüssel begeben. Er wurde von den Behörden höchst ehrenvoll ausgenommen und von der Bevölkerung mit warmen Sympathien und großen Beifallsbezeugungen empfangen. Später hatte er auch Audienz bei dem Könige. Donaufürsten thürner. Bukarest, im Oktob. sPrivatmitth.) Wie Sie aus hiesigen Berichten ersehen haben, richtete unser erlauchter Fürst an eine jüdische Deputation, die ihn nach der Katastrophe vom 30. Juni um Schutz anflehete, die beruhigende Versicherung, daß der der Tempel-Gemeinde zugefügte Schaden bezahlt, und der Tempel, wie ihn der Fürst nannte, „das einzige Monument der Stadt", auf Staatskosten aufgebauet werden wird. — Leider sind 3 Monate seit der Zerstörung verflossen, und trotz einer Petition von Seiten des Vorstandes an das Ministerium, worin die traurige Lage der Tempelgemeinde in' grellsten Farben geschildert wurde, ist von Bezahlung keine Rede, und der demolirte Tempel steht zu unserem Hohne und Spotte, wie nach dem Tage der Plünderung. — Fast ist es unglaublich, unter der Herrschaft eines edlen Sprößling aus dem Hause Hohenzollern, solche mittelalterliche Gräuelthaten ungestraft verübt zu-sehen,, und die ihrer Religion halber Geschändeten ohne jede Satisfaction, und doch ist es leider so. — Der edle Herr Cremieux, der unsere Sache mit so vielem Eifer unterstützte, und in Frankreich höchsten Ortes um Verbesserung unserer Lage intervenirte, hat an das hiesige Cowits der Alliance Israölite geschrieben, bei der hiesigen Regierung auf Bezahlung des Schadens zu drängen, und nötigenfalls durch das Französische und Englische Consulat, die von ihren respectiven Regierungen dazu ermächtigt wurden, der hiesigen Regierung Vorstellungen zu machen. — Das hiesige Comit6 der Alliance aber scheint damit seine große Mission erfüllen zu wollen, indem es pomphafte Circulare, an alle kleinen jüdischen Gemeinden Rumäniens richtet, mit der Aufforderung, Zweig-Comitss zu gründen „Gelder zu sammeln", und bei etwaigen Juden-Verfolgungen sich hierher an das Central- Comits zu wenden, welches sich durch „Nichts thun" so sehr auszeichnet. — Die eigentliche Aufgabe der Alliance, auf innere Entwickelung im Judenthume zu wirken, und diese durch Creirung regelmäßiger Schulen und Einführung zeitgemäßer Reformen zu erzielen, wird entweder vom hiesigen Comits nicht verstanden, oder die Mitglieder, sind ihrer Aufgabe nicht gewachsen. — Wird es dem Häufchen der Tempel-Mitglieder gelingen ihren Tempel wieder hergestellt zu sehen, und einen gebildeten Rabbiner anzustellen, der die geistigen Interessen der Gemeinde in die Hand nehmen soll, so kann für den Fortschritt im Allgemeinem noch etwas zu hoffen sein; bis dahin blicken wir leider sehr trübe in unsere Zukunft.. Der Aufstand vom 30. Juni hat nachträglich noch ein trauriges Opfer, wenn auch nur mittelbar gefordert. Die hochgebildete und überaus wohlthättge Gattin des Präsidenten unserer Tempelgemeinde, Herrn Jacob Löbel, die sich nach Kronstadt geflüchtet, verstarb daselbst in ihrem 34. Lebensjahre an der Cholera. Herr Löbel hat ihr ein schönes Monument in zwei Stiftungen zu Kronstadt und hier, jede zu 200 Duka- 44*

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