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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-10-30 · Heft 44 (30.10.1866) · p. Seite 700

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 44 (30.10.1866)
Date
1866-10-30
Page
Seite 700 (sequence 10)
Language
German
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700 er es nicht, die Gastfreundschaft eines Israeliten anzunehmen: während seines langen Aufenthaltes in Padua bewohnte er den Palast der edlen Familie Treves. Die Wohnung, welche unser Glaubensgenosse ihm anbieten konnte, ist wahrhaft fürstlich, der Garten, der daranstößt, zieht seit lange die Bewunderung der Reisenden auf sich; der Name des Besitzers wird überall mit der hohen Achtung ausgesprochen, welche ein kolossales Vermögen, verbunden mit ausgedehnten Kenntnissen und einer unbegrenzten Freigebigkeit^ verdient; Victor Emanuel konnte also keine bessere Wahl treffen, aber wie viel Leute mögen über den Skandal, über das Unpassende geschrieen haben, daß ein katholischer König unter. dem Dache eines Juden gewohnt hat, noch schlimmer, eines Juden, der seinen Ursprung nicht verbirgt und sich eine Ehre daraus macht! Eigentümlich ist es, daß S. Kön. Hoheit der Prinz Amadeus in derselben Stadt bei einem anderen, sehr reichen und sehr religiösen Juden , Herrn Jacur, wohnte, und daß, wie alle Zeitungen berichteten, Garibaldi, wenn er Padua besucht, auch bei einem unserer Glaubensgenossen, bei Herrn Zara, wohnen wird, der die Ehre hat, sein Freund und m dem liberalen Lager sehr bekannt zu sein. Uebrigens sollte uns dies nicht wundern, .der berühmte Feldherr ist der heftige Feind aller Vorurtheile und nach ihm gäbe es keinen Unterschied zwischen den 'Patrioten der verschiedenen Culten. In der That, in Uebereinstimmung mit dem Ministerium, hat er einen unserer Glaubensgenossen zu sehr wichtigen Functionen erhoben: Herrn General-Major Guastalla, Deputirten im Parlament und Unterchef des Staats-Majors der Freiwilligen. — Auch im Felde der Diplomatie haben wir unfern Vertreter; Herr Artom, den wir in Ferrara während des Aufenthaltes des Königs gesehen haben und der einen so großen Antheil an den Verhandlungen hatte, welche dem Waffenstillstände vorausgingen, befindet sich jetzt mit dem General Menabrea in Wien, um über den Frieden zu verhandeln. Aber man beschränkt sich, in Italien nicht darauf, die Glaubensfreiheit durch vereinzelte Thatsachen zu betätigen, mit dem Vorbehalt, sie mit Füßen zu treten, wenn die Laune oder das Interesse es fordert; man verkündet sie laut, man bastrt darauf das Regierungsstzstem. — Die ersten Gesetze, welche der Prinz-Regent in den befreiten Provinzen veröffentlichte, waren in der That das Statut, die Unterdrückung der religiösen Corporationen, die Abschaffung des Concordats, die Erklärung der vollständigen Gleichheit der Bürger aller Culten, die Aufhebung der Artikel aus den österreichischen Codices, welche Unterschiede zwischen den Bekennern der verschiedenen Religionen aufstellen. — Nach solchen Verbesserungen ist es leicht, vorherzusehen, was unsere Glaubensgenossen in Venetien werden thun können. Sie sind in der That in einer sehr günstigen Lage, um diesen glücklichen Wechsel benutzen zu können. Seit mehreren Jahren unter verhältnißmäßig toleranten Gesetzen, konnten sie, besser als die Israeliten des übrigen Italiens, ihre Intelligenz entwickeln, ihren moralischen und materiellen Standpunkt erhöhen. Zu allen höheren Berufsarten zugelassen, in denen mehrere von ihnen sich auszeichnen, in'ernsten Studien, reichen Bildungs- und Wohlthätigkeitsanstalten erzogen, sind sie im Stande, sich sogleich auf der Höhe der Jetztzeit zu zeigen, und sie bilden ein werthvolles Contingent zu dem Judentum des Königreichs. — Auch das Rabbinat wird dazu beitragen, den Glanz des italienischen Judenthums zu erhöhen; die geistreichen Führer der lombardisch-venetianischen Gemeinden haben in dem Seminar zu Padua eine vollkommene Bildung erhalten; sie haben Alle diese Haltung, diese Würde, welche den Dienern der Religion so wohl steht, und ihre ehrenwerthen Collegen der anderen Provinzen werden glücklich sein, ihnen die Bruderhand zu drücken, und sie als Mitarbeiter in ihrem schwierigen Berufe zu haben. Was das Seminar selbst betrifft, so wird sich vielleicht, eine neue Aera für dasselbe eröffnen. Man muß in der That hoffen, daß es vom provinziellen, welches es jetzt ist, sich zum nationalen umgestalten, und daß es eine Rabbinerschule für ganz Italien wird, es ist zu hoffen, daß keine der Gemeinden des jetzigen Königreiches verweigern wird, zu der Aufrechterhaltung einer Institution beizutragen, welche schon so befriedigende Resultate geliefert hat. So ist der Sieg der italienischen Sache mit dem Fortschritt des Judenthums des Landes eng verbunden. Unsere Gemeinden werden sich die Hand reichen , sie werden ihre Reihen enger schließen, sie werden diese Vereinigung, deren erster Versuch durch den Congreß zu Ferrara im Jahre 1863 . gemacht worden, besser verwirklichen, können, und die Einheit des Vaterlands wird der Vorbote der Einheit,des italienischen Judenthums sein. Wolle Gott, daß keine der Gemeinden der Insel bei dem Bruderfeste fehle, und daß die, welche

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