Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1866)
- Date
- 1866-10-30
- Page
- Seite 699 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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NMWW mm 699 Irr sehr angemessener Weise lassen sich die Verfasser zu keiner Gegenschmähung, so nahe diese auch lag, weder gegen den Redakteur selbst, noch gegen die czechische Nation verleiten. Siegehen vertheidigungsweise zu Wege und appelliren an das Rechtsgefühl und den gesunden Menschenverstand. Es ist daher dieser Broschüre die weiteste Verbreitung zu wünschen, weniger unter den Juden, als unter den Czechen. Leider werden die Vertheidigungsschriften der Juden in der Regel zumeist nur von den Juden selbst gekauft. Man müßte daher dieses Sendschreiben in deutscher und czechischer Sprache unter die Masse zu werfen geeignete Maßregeln treffen. — Die Cholera fordert auch in Böhmen viele Opfer.- Unter Anderen hat sie in Böhm. Leipa den Cantor und den Rabbiner hingerafft; der erstere hinterließ eine junge Gattin, der andere eine trauernde Braut. Italien. Ferrara, 10. Oktober, ©te Arch. isr. enthalten folgende Lemerkenswerthe Correspondenz, die unseren Lesern zwar nichts Neues bringt, die Thatsachen aber Hutexponirt. Der soeben Unterzeichnete Friede zwischen Italien und Oesterreich gestattet uns, einen schnellen Blick auf das Benehmen der italienischen Juden während dieses kurzen Feldzugs zu werfen, so wie auf die Verbesserungen, welche er ihnen bringen wird. Kaum ließen sich die ersten'Kriegsgerichte vernehinen, als unsere Glaubensgenossen, wie ihre Mitbürger, diesen Kampf, der das nationale Programm erfüllen sollte, mit Freuden, begrüßten und sich aus vollem Her^ zen zu den Opfern vorbereiteten, welche er fordern würde. Viele junge Leute schlossen sich der regelmäßigen Armee freiwillig an, viele andere folgten Garibaldi; die Männer zahlten großmüthige Summen bei den patriotischen Sammlungen; die Frauen wetteiferten mit ihren Schwestern der anderen Culte, um Sammlungen anzustellen, um Alles Nöthige vorzubereiten, die Leiden der Verwundeten zu lindern; in unseren Tempeln ertönten die Gebete , welche die Andächtigen zum Allerhöchsten für den Sieg des Rechtes und der Gerechtigkeit, für das Heil Victor-Emanuels und der königlichen Prinzen richteten. — Es ist hier nicht der Ort, die Umstände zu entwickeln, welche es verhinderten, den Feldzug fortzusetzen und der Welt die Wunder zu zeigen, deren unsere hebräischen Soldaten fähig waren; wir haben nur zu berichten, daß, trotz des zu frühen Endes des Krieges, dieitalienischen Israeliten Gelegenheit gehabt haben, tausend Beweise ihrer großmüthigen Gefühle zu geben, zu zeigen, daß sie stets bereit sind, ihr Geld hinzugeben, ihr Blut auf dem Altar des Vaterlandes zu vergießen. In den Listender Verwundeten nnd-Todten bemerkten wir mehrere jüdische Namen, und wir sind überzeugt, wenn man eine vergleichende Statistik in Hinficht auf das religiöse Bekenntniß aufstellen könnte, so würde man sehen, daß die Israeliten unter die Nationalfahne in gleichem, wenn nicht höherem Maße als die anderen, geeilt find, und daß sie wieder einmal die alten Vorurtheile gegen sie dementirt haben. , Selbst in Venedig, obgleich noch von den Oestreichern besetzt, verbergen unsere Glaubensgenossen keineswegs ihre Bestrebungen, sie trotzen einem noch mächtigen Feinde, um nach Kräften zur Krönung des nationalen Gebäudes beizutragen. Herr Moses Errera z. B. hat schon unserer Regierung Dienste zu leisten gewußt: er war beauftragt gewesen, einen wichtigen Vertrag mit den österreichischen Behörden abzuschließen, und es. ist ihm vollständig geglückt: Herr Blumenthal mußte sich mehrere Male von Venedig nach dem Generalquartier, und von diesem nach Florenz begeben, im Interesse seiner Mitbürger und um die Transformation, welche die Stadt erleiden soll, zu beschleunigen. Ein anderer Israelit, ein sehr berühmter Arzt, Herr vr. Namias, richtete in seiner Eigenschaft als Sekretair des venetianischen Instituts, an den General Menabrea. ein energisches Memoire, das in allen Zeitungen wiedergegeben wurde, damit er beim Friedensabschluß' von Oesterreich alle die Kunst-, Geschichts- und Literaturschätze wieder erhalte, welche es jüngst aus Venedig genommen hat. - Die Regierung ihrerseits hat in diesen großen Augenblicken nicht verfehlt, ihren Pflichten gegen uns nachzukommen, durch neue Thatsachen unsere vollständige bürgerliche Gleichstellung zu bestätigen. Der König selbst zeigte sich wie immer seiner Rolle als Befreier würdig, als würdiger Vorkämpfer dieser unsterblichen Grundsätze, für welche er so. oft seine Krone, sein Leben und noch jüngst das Leben seiner Kinder, auf's Spiel setzte. Als Victor Emanuel mit seinen Armeen diese Provinzen besetzte, welche, obgleich von seinem Königreiche losgelöst, ihm ehrfurchtsvoll anhingen, verschmähte 44