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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-10-30 · Heft 44 (30.10.1866) · p. Seite 698

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 44 (30.10.1866)
Date
1866-10-30
Page
Seite 698 (sequence 8)
Language
German
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Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Galizien," im OkL. (Privatmitth.) Am 28. v. M. hat in Baranow (Galizien) ein Exceß von Ju- 'den gegen Juden stattgefunden. Eine größere Anzahl von Juden ist in das Haus des Majer Waldmann eiugedrungen und hat daselbst Zerstörungen an Thüren, Fenstern und Einrichtungsstücken verübt. Majer Waldmann ist der Schwiegervater eines gewissen, derzeit jedoch nicht mehr in Baranow wohnhaften Moses Hader, welcher von Baranower jüdischen Hausbesitzern verdächttgt wird, als habe er im vorigen Jahre sein Haus angezündet, um aus dem Werthe der Versicherung der Assecuranz-Gesellschaft für sein baufälliges Haus einen Vortheil zu erzielen. Dieser Exceß war insofern von großer Bedeutung, als die Excedenten selbst dem intervenirenden Gendarmen Widerstand geleistet haben. Durch den Postenführer sind zwei der Rädelsführer verhaftet worden. Von der Theiß, 12. October. (Pr.-Mitth.) Entschuldigen Sie, Herr Redakteur, daß ich mit einer Neuigkeit komme, die nicht nagelneil ist, aber sie ist wenigstens von solcher Wichtigkeit, daß während des zwanzigjährigen Provisoriums kein Jnsütut oder Unternehmen so nützliche Folgen für die Entwicklung der Cultur gehabt hat, als eben der jetzt gegründete Lehrerverein. Wir Lehrer in der Provinz wissen es daher am besten, daß wir einzig und allein zu Danke verpflichtet sind den braven und unermüdeten Herren Collegen in . den Schwesterstädten Pest, Ofen und Altofen, die nach vierjähriger Berathung uns ein Elaborat vorlegten, das den Verein zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Ich glaube, daß der. Verein seine Aufmerksamkeit wesentlich auf Verbesserung des Schulwesens richten wird, damit der Lehrerstand sich Achtung erwerbe. Ja nur. itt Folge dessen wird es dem Lehrer möglich sein, seine gebührende Anerkennung zu gewinnen. Der Erisapfel der isr. Schulen ist bis heute stets das Lehrziel und die Stundenzahl, die an vielen Schulen divergirend sind; ist einmal dieser Zankapfel nicht da, dann wird eo ipso der Friede in die Lehrhäuser wieder einziehen. Daß esdaher nöthig wäre, daß unsere Collegen sich mit ihren Beitrittserklärungen beeilen möchten, versteht sich von selbst, denn die 12.00 Lehrer bilden eine Ziffer, die ansehnlich genug ist, - um berücksichigt und beachtet zu werden. Die Sympathien für den Verein ffind zwar nicht sehr groß, weil es gewisse Menschen bei uns giebt, die es nicht billigen können, daß ein geknicktes Rohr sich erkühnt, sein gedrücktes Haupt stolz zu erheben, und es wäre ihnen angenehm, daß sich der Lehrerstand Ihnen auf Gnade und Ungnade ergeben möchte, damit diese sich die Krone des Verdienstes aufsetzen könnten; allein dieshaben die Herren Collegen reiflich überlegt, und wenn wir auch kein gekröntes, so haben wir doch auch kein Medusen-Haupt an der Spitze des Vereins. Gut Ding will Weite haben; ich bin fest überzeugt, daß dieser Verein, der noch im Entstehen begriffen ist, zur Ausbildung der isr. Jugend in Ungarn vieles schaffen und leisten wird, deshalb kann und wird der himmlische Segen nicht ausbleiben. Dies wünsche ich dem Vereine zum Wohle der Heranwachsenden Jugend. Eh. P..... Prag, 17.Oct. (Pr.-Mitth.) Man konnte sich längst darüberverwundern, daß gegen die ungezügelten Angriffe der czechischen Journale auf die Juden, welche unmittelbar so traurige Folgen gehabt, eine nachdrückliche Abwehr von keiner Seite unternommen ward. Man antwortete hier und da mit einem kleinen Zeitungsartikel, der darum wirkungslos blieb, weil er in einem Parteiblatte stehen mußte, von welchem sich die Gegner selbstverständlich nicht beeinflussen ließen. Ganz besonders thun sich im Judenhaß die „Narodni Listy“ hervor. Mit der absichtlichsten Tendenz überschüttet d. Bl. die Juden mit Beschimpfungen, Beschuldigungen und Verdächtigungen, klagt sie des unumwundensten Nationalhasses gegen die Czechen an, schmäht sie in ihren gewerblichen Verhältnissen und stachelt offen den fanatischen Pöbel gegen sie auf, so daß man hierin Grund genug für die immer noch nicht erloschenen Excesse findet. Gegen dieses Gebühren ist nun in diesen Tagen „ein offenes Sendschreiben an den Redakteur der Narodni Listy von einigen nationalgesinnten Juden" bei Senders u. Brandeis allhier erschienen. Es deckt in offenmüthiger und würdiger Sprache all die Gehässigkeiten auf, welche in seinem Blatte zusammengetragen und mit boshafter Energie ausgesprochen werden und richtet an den Redakteur die Frage, vor welchem Forum der Wahrheit und des Rechtes, der Bildung und des Volkswohls er dies verantworten wolle?

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