Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1866)
- Date
- 1866-10-23
- Page
- Seite 682 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Feuer zu gießen, wollen wir unterlassen, jetzt denjenigen Umstand zu besprechen, an welchem das sonst wohl vorbereitete Unternehmen scheiterte. Nur will ich hervorheben, daß die königl. Regierung die Conzession zu der beabsichtigten Vorbereitungsschute auf's bereitwilligste ertheilte. Auch hierbei fanden zuvor Intriguen und Machinationen Statt. Der im November 1864 vom Magistrate zu Dortmund gestellte Antrag langte erst am 5. April 1865 bei Kgl. Regierung an, die bereits unter dem 20. April die erbetene Conzession ertheilte, und zwar in ehrendster Weise den Plan ohne Modifikationen genehmigte, wie derselbe schon früher durch die A. Zeit. d. Jud. veröffentlicht worden; ferner sollte die Anstalt unter Inspektion der städtischen Schulbehörde stehen, welche alljährlich darüber zu berichten habe. Man wird auch hieraus ersehen, wie unumgänglich nothwendig eine Reorganisation des Seminars ist, und wollen wir auf den hier besprochenen Umstand ganz besonders aufmerksam machen. Ohne eine Vorbereitungs-Schule oder -Klasse wird selbst das bestorganisirte Seminar mit zu großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Köln, 12. Oktob. (Privatmitth.) Die Herren Rabb. Di*. Schwarz von hier und Feilchenfeld von Düsseldorf bereisen zusammen die Rheinprovinz, um Unterschriften zur Bildung eines Seminars für die Rheinprovinz zu sammeln. In Köln fanden sie einen guten Boden. An anderen Orten Erfuhren sie vorläufig Ablehnung, da man sich von Westphalen nicht separiren und erst die Vermittelungsversuche zur Erhaltung der Münsterschen Anstalt abwarten will. Aus der Bayerischen Pfalz, 7.Okt. (Privatmitth.) Wie weit man bei uns in Bayern noch entfernt ist, den jüdischen Landeskindern, deren Blut sich im jüngsten Kriege doch auch mit dem Blute deutscher Kampfesbrüder mischte, volle Gleichberechtigung zukommen zu lassen, geht aus einem dieser Tage von Sr. Kgl. Majestät sanktionirten Gesetze hervor, das die Vorbereitung der Schullehrlinge für's Seminar regelt. Es sollen in jedem Regierungsbezierk mehrere Vorbereitungsschulen, Shells katholische, theits protestantische auf Staatskosten errichtet werden. Den Zöglingen ist je nach dem Grade des Bedürftigseins ganz oder theilweise freie Beköstigung und Wohnung zugesichert. In dem Erlaß ist stets nur von Katholiken und Protestanden die Rede, der Israeliten mit keiner Silbe erwähnt, ' dieselben also von dieser Wohlthat und Fürjorge ausgeschlossen. Zum Schluffe wird noch gesagt, daß die Erziehung der Zöglinge in erwähnten Anstalten in christlichreligiösem Geist geleitet werden solle — doch nicht etwa im Geiste der Ausschließung und Unduldsamkeit? Möge diese neuste Verordnung so Manchen in unserer Pfalz die Augen öffnen, Solchen insbesondere, die von dem Wahne befangen sind, als seien wir Pfälzer bereits emanzipirt und würde von den betreffenden Ministern die Emanzipation nur nicht in Anwendung' gebracht. Mögen die Herren Notabeln in unserer Mitte durch diese neuerdings gemachte Wahrnehmung sich aufgefordert fühlen, wieder einmal thatkräftig einzugreifen und nicht die Hände müßig in den Schooß zu legen, wie dies seit der Neustadter Versammlung der Fall zu sein scheint. Der Landtag tritt demnächst wieder zusammen. Nicht so bald wieder dürfte ein so günstiger Zeitpunkt sich bieten, als gerade jetzt kurz nach einem so blutigen Kriege, an dem auch wir Inden redlich theilgenommen haben, um der Landesvertretung unsere wohlberechtigten Bittgesuche um Ertheitung völliger Gleichberechtigung zu unterbreiten. Durchaus dürfen wir uns nicht schweigend verhalten. Ein solch fortgesetztes Schweigen könnte leicht anders, gedeutet werden. Immer wieder von Neuem müssen wir petitioniren, wo es gilt, unser gutes Recht zu verfechten. Strauß, Lehrer. Oesterreichischer Kaiserstaat. Tarnopol, 4. Okt. In diesen Tagen wurde hier ein Landtagsabgeordneter gewählt. Es war ein harter Wahlkampf zwischen den Ruthenen und Polen. Den Ausschlag gaben die Juden, und zwar für den Polen, Dr. Rodakowski, einen sehr freisinnigen Mann, der auch auf dem früheren Landtage sich eifrigst für die. Gleichberechtigung bemüht hatte. An seine Wirksamkeit knüpfen die Juden Hoffnungen, die sich auch nicht getäuscht finden werden, so weit sie die Person des Gewählten betreffen.. .Prag, 9. Okt. In der Industriestadt Dobruschka ist bei einem großen Brande die ganze Iudeustadt abgebrannt.