Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1866)
- Date
- 1866-10-23
- Page
- Seite 681 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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NWWWWWWWNSW 681 daß bte Ansichten des Aristoteles durchaus nicht unumstößlich, vielfach schwankend und irrthümlich seien, und daß die Offenbarung allein eine feste Grundlage unsres Glaubens und Denkens gebe. Er wendet dabei die größte Gewissenhaftigkeit an, und läßt dem Gegner vollkommene Treue in der Darstellung seiner Ansichten angedeihen. Herr Dr. Joel stellt nun in seiner Schrift den Inhalt des betreffenden Werkes Creskas' „Or Audonai“ ausführlich dar, und zeigt, wie dasselbe maßgebend für die weiterhin folgende Polemik wurde, überhaupt aber die jüdische Denkwelt von dem Joche des unbedingten Autoritätsglaubens an Aristoteles befreite. Von hier aus drang der Erfolg Creskas' auch in die christliche Welt ein. In dieser geschah derselbe Schritt, sich von der Unfehlbarkeit des Aristoteles zu befreien, ein Jahrhundert später, nämlich im Anfang des 16. Jhrhdts., und Johann Franz Pico, der noch mit großer Aengstlichkeit verfährt, beruft sich auf Creskas. Dagegen zeigt Di-. Joel, in welchen merkwürdigen Uebereinstimmungen sich Spinoza mit Creskas befindet, trotzdem sie in ihren Endzielen so weit aus einander liegen. Spinoza selbst beruft sich einmal (in seinem 29. Briefe) auf Creskas. Aus dieser kurzen Besprechung leuchtet schon der Werth und das Verdienst der kleinen Schrift des Herrn vr. Joel hervor. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bonn, 15. Okt. (Privatmitth.) Nach einer Bekanntmachung über die allgemeine Collecte für 'die Taubstummenanstalten der Rheinprovinzen haben im Jahre 1865 die Juden 91 Thlr. 22 sgr. dazu geliefert und zwar 2 Thlr. 24 sgr. mehr als 1864, während die beiden christlichen Confessionen etwas weniger als früher geleistet. Unter 139, welche die Anstalt 1864' besuchten, waren drei Juden, unter 144 im Jahre 1865 waren fünf Juden. — Es ist erfreulich, unter den Bekanntmachungen über Stiftung von Stipendien neben der Mehrzahl, welche sich auf Confessionen beschränken, auch bereits einige wahrzunehmen, welche bei der Ertheilung auf Fleiß und Sittlichkeit, ohne Berücksichtigung der Confessionen sehen. Das jüngste Ministerialblatt enthält ein Beispiel dieser Art von einem Gymnasialdirektor. Paderborn, 14. Oktob. «Privatmitth.) An den verflossenen hohen Feiertagen wurde in der Synagoge des israelitischen Waisenhauses ein feierlicher Trauergottesdienst für die im Kriege gefallenen Soldaten jüdischer Religion gefeiert und das Kaddischgebet von den Waisen recitirt. Dieser Gedächtnißakt soll jährlich wiederholt werden, um so das Andenken der für das Vaterland Gefallenen immerfort rege zu erhalten. Aus Westfalen, 8. Okt. (Privatmitth.) Es bedarf bei den Gemeinden wie bei den Einzelnen von Zeit zu Zeit eines aufstachelnden Impulses, um aus der süßen Gewohnheit des Schlendrians ausgerüttelt zu werden. Bisweilen schließt sich dann an eine derartige Erregung ein höherer Wellenschlag des Lebens, der noch über den anstoßgebenden Gegenstand hinausgeht. Man muß daher den Urhebern solcher Sensation machenden Dinge ordentlich dankbar sein. So scheint in der That ein frischer Geist durch die Gemeinden Westphalens und der Rheinprovinz zu wehen, angeregt durch das vielbesprochene Statut der Marks-Haindorf'schen Stiftung. Freilich muß es sich erst erweisen, ob dieser Geist etwas mehr als der der Verneinung sei! Heute möchte ich auf einen Gegenstand aufmerksam machen, der zwar damit in Zusammenhang steht. Worüber die Lehrer des Münster'schen Seminar's stets am meisten klagten, und womit sie die LeisMngen desselben, wenn sie als mangelhaft angeklagt wurden, am ehesten zu rechtfertigen suchten, ist die überausdürstige Vorbereitung, mit welcher die Zöglinge in die Anstalt treten. Die Kenntnisse der letzteren sind allgemein so gering, daß die Anstalt nicht daran denken konnte, sie deshalb zurückzuweisen, weil es ihr sonst an Zöglingen fehlen würde. Sie. mußte sie also trotzdem aufnehmen, und konnte darum auch um so weniger bei ihnen den gewünschten Grad der Ausbildung erreichen. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, faßte vor einigen Jahren der gut renommirte Pädagog Herr B. Wolfs in Osnabrück den Plan, in Dortmund eine Präparandenschule^ für die münstersche Vereinsschule einzurichten. Die Gemeinde an jenem Orte zeigte die größte Opferwilligkeit, viele Autoritäten bezeugten dem Herrn W. ihre Zustimmung, und es langten sogar von fernen Orten Beiträge an, wie z. B. von der edlen Frau Klara Bon di in Dresden 75 Thaler. Um nicht Oel in's