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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-10-23 · Heft 43 (23.10.1866) · p. Seite 680

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 43 (23.10.1866)
Date
1866-10-23
Page
Seite 680 (sequence 6)
Language
German
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u/<v. Zusehen und nicht aus eine llehersetzung beschränkt zu sein/ die so viele Mißverständnisse, ungenügende Definitionen, halbdunkle Ausdrücke notwendig bringen muß. Dahin find wir nun durch die unermüdliche Arbeit Munck's hinsichtlich des maimonidischen Hauptwerkes gekommen; wir besitzen das Original des More Nebuchim, das zugleich mit einer ausgezeichneten, möglichst treuen französischeu Uebersetzung und reichhaltigen Noten ausgestattet ist. Für den arabischen Text dieses dritten Theiles standen Munck mehr handschriftliche Hilfsmittel zu Gebote, als zu den früheren Theilen; es gab hier Varianten, und Munck hatte, indem er zugleich die hebräische Uebersetzung, so wie die deutsche von Scheper verglich, in seinen Noten seine philologische Gründlichkeit nnd Kritik von Neuern zu bewähren. Diese Noten geben auch überall wichtige Winke und Anweisung, wenn sie auch sachlich nicht erschöpfend sind und sein konnten. Gerade der dritte Theil des M. N. enthält bekanntlich in der Erklärung des mosaischen Gesetzes ein sehr reiches Feld für kritische Betrachtung, und wir selbst haben in dies. Zeit. (Jhrg. 1864 von Nr. l an) durch eine Reihe von Artikeln den Anstoß dazu gegeben. Hierauf konnte sich Munck selbstverständlich nicht einlaffen, sondern er giebt nur Fingerzeige, wo für die sachliche Kritik eine weitere Ausbeute zu finden. Ueber den Werth seiner französischen Uebersetzung hat die französische Kritik selbst aufs Vorteilhafteste geurtheilt. Kleine Aussetzungen über einzelne ungebräuchliche Ausdrücke widerlegt Munck selbst in der Vorrede, weil er es vorzog, selbst eigenthümliche Ausdrücke zu gebrauchen, um dem Sinne des Maimonides möglichst nahe zu kommen. Wir unsrerseits müssen uns hier auf die Seite Munck's stellen. Bei der Uebersetzung eines Philosophen kann es um so weniger auf Reinheit und Zierlichkeit der Sprache ankommen, als der Philosoph selbst in seinem Original da auf Reinheit und Zierlichkeit in seiner Muttersprache nicht sieht, wo er in die Tiefe seiner Gedanken Licht zu bringen ringt; ja, man muß hier öfter gewöhnliche Ausdrücke vermeiden, weil diese abgegriffen, an Gedaukenschärfe verloren haben, während der ungewöhnliche Ausdruck den Leser auffordert, den Gedanken schärfer zu fassen. Wir Deutsche haben uns längst daran gewöhnt, solche Forderungen an unsre Philosophen nicht zu stellen. Diesem dritten Bande sind sehr werthvolle Register sowohl sachliche, als auch lexikalische und der von Maimonides besprochenen Schriftstellen hinzugefügt. Somit wäre dieses große Werk zum Abschluß gediehen, wenn nicht Munck noch einen Band Prolegomena versprochen, in welchem die Lehren des Maimonides aus dem More und seinen anderen Schriften über theologische und philosophische Fragen systematisch auseinandergesetzt werden sollen. Man sieht leicht ein, von welcher Wichtigkeit für die Geschichte der jüdischen Philosophie dieser Band sein wird, da Munck in seinen M6langes de Philosophie juive et arabe, in welche er auch seine historische Skizze über die Philosophie bei den Juden (mit deren Schlußfolgerungen. wir uns freilich nicht in Uebereinstimmung befinden) ausgenommen hat, seine Befähigung zu einer solchen tief eingehenden Arbeit erwiesen hat.*) — Eine sehr willkommene Einrichtung ist von jetzt ab für das Werk getroffen worden, indem nämlich der französische Theil ohne den arabischen Text besonders verkauft wird. Das ganze Werk kostet 70 Frs., der französische Theil 42 Frs., zu beziehen durch den Buchhändler A. Franck in Paris, 67 rue Richelieu. — Einen höchst" werthvollen Beitrag zur Geschichte der jüdischen Philosophie erhalten wir soeben in folgender Schrift: „Don Chasdai Creskas' religionsphilosophische Lehren in ihrem geschichtlichen Einflüsse dargestellt von Dr. M. Joel, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde zu Breslau. Breslau 1866. Schletter'sche Buchhdlg." Der Verf., der sich bereits in seiner Schrift über Lewi ben Gerson ein Verdienst um dieses Gebiet erworben, unternimmt es hier, Chasdai Creskas, den Lehrer Albo's, als einen der scharfsinnigsten Denker nach Maimonides der halben Vergessenheit zu entreißen und in das wohlverdiente Helle Licht 'zu stellen. Nachdem Maim. mit so großem, wenn auch nicht immer glücklichem Erfolge, eine Harmonie zwischen der h. Schrift und dem Aristoteles, also zwischen der Offenbarung und den Peripatetikern herzustellen versucht hatte, ward von seinen Nachfolgern die Lehre des Aristoteles als unumstößliche Wahrheit angesehen', und da „Wahrheit mit Wahrheit nicht streiten könne", wurde der h. Schrift der größte Zwang angethan, um dem Aristoteles sich anzuschmiegen. Creskas hat daher das unsterbliche Verdienst, mit dem edelsten Freimuth und großem Scharfsinn nachzuweisen, *) Von den beiden ersten Bänden des Munck'schen Werkes hat das „Institut zur Förderung d. israel. Literatur" eine bedeutende Anzahl von Exemplaren gekauft und seinen Abonnenten zu ermäßigtem Preise zu Gebote gestellt. Es brachte das verhältnißmäßig nicht große Opfer gern zur Förderung der Sache. Wir bedauern, daß das Institut in diesem Augenblicke die nöthigen Mittel für den dritten Band nicht besitzt, hoffen aber, daß wir sie bald erlangen werden.

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