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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-10-23 · Heft 43 (23.10.1866) · p. Seite 679

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 43 (23.10.1866)
Date
1866-10-23
Page
Seite 679 (sequence 5)
Language
German
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haben, und tote sie o|t auf Jahrtausende die menschliche (humane) Entwickelung zu hemmen Pflegen, werden sich solcher Aussichten freken können. Ein praktischer Mann wird nicht Zerstörung, sondern Verjüngung des religiösen Lebens, wo sie möglich ist, wünschen. Also in Eurem und Eurer Kinder Jntereffe gewöhnt Euch daran, in Vortrag und Gebet, in allen Aeußerungen des religiösen Lebens, neben dem Gefühl das.Denken nicht nur zu ertragen, sondern zu fordern. Schafft Euch Männer an, die Euch denken lehren!" „Oder stünde es schlimmer um uns? Sollte schon das heutige Judenthum einen frischen Luftstrom klaren Denkens nicht mehr vertragen?" „Wäre dies der Fall, so wüßte ich nichts, als das Judenthum seinen Gefühlsrednern und Geistreichthuern mit Resignation zu überlasien: Wenn dies dir völlig G'nüge thut, So mag es bei der Fratze bleiben! Wenn aber dann das unfehlbare Schicksal eintrifst, wenn die jüdische Religion in völlige Auflösung und Fäulniß geräth, so wird es deshalb geschehen, weil man den Ruf nicht befolgt hat: Schafft Euch Männer an, die Euch religiös denken lehren!" — So weit Herr Ben Iechiel. Wenn derselbe auch in seinen Folgerungen etwas zu weit geht, wenn es sicherlich neben den von ihm geschilderten Zuständen noch einen tüchtigen Kern im Judenthume giebt und geben wird,- welcher die Klarheit des Denkens, die Durchsichtigkeit der Ueberzeugung, di/dem Judenthume und dem jüdischen Stamme von Natur so eigen sind, hegen und pflegen wird, und die Geschichte immer beweist, daß, wenn das Dunst- und Nebelgebilde am meisten sich zu verdichten anfängt, der siegreiche Sonnenstrahl nicht fern ist, der es in einem Augenblicke durchbricht und zerstreut — so müssen wir doch eingestehen, daß seine Ansicht leider einen großen realen Boden hat. Unsere Leser erinnern sich wohl, daß wir in einem früheren Jahrgange (1864 S. 427 ff.) über die Schädlichkeit der Phantasie in der Religion, sobald sie in dieser eine Obherrschaft erlangt hat, ausführlich gesprochen haben. Dennoch aber möchten wir die Ursache der geschilderten Zustände nicht blos in dem Mangel an religiösem Denken, sondern eben so sehr in dem Mangel alles religiösen Wissens finden, da gerade auf diese religiöse Unwissenheit spekulirt wird, und unsere sogenannte gebildete Welt in religiösen Dingen am unwissendsten ist. Doch wir wollen diesen Gegenstand etwagenauer, ins Auge fasten. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, im September. Die Leser mögen entschuldigen, wenn die folgenden Notizen Schriften des Redakteurs dieser Zeitung betreffen. Wo aber möglichst Alles verzeichnet werden soll, dürfen wir aus bloßer Bescheidenheit nicht zurücklassen, auch was uns selbst berührt. In diesen Tagen erhielten wir die englisch-amerikanische Uebersetzung unserer Broschüre: „Haben wirklich die Juden Jesum gekreuzigt": Tlie Crucifixion and the Jews, by Dr. L. Philippson; translated from the German by Maurice Mayer, of the New-York Bar; Philadelphia, Jones and Hamilton 1866. Herr Js aac Lester hat eine kurze Vorrede hinzugefügt, sowie der Uebersetzer S. 37 eine Bemerkung aus dem römischen Rechte, welche sehr beachtenswerth ist und unserer Argumentation zu neuer Bestätigung dient. — Unsere Novelle „Esra" (Saron Band I. S. 347. 3. Aufl.) hat einen sehr tüchtigen hebräischen Uebersetzer in Herrn S. Mandelkern aus Dubno gefunden. Das Schriftchen erschien zu Wilna unter dem Titel -,21 on fcnts*) — Die „Verdener Obergerichts-Zeitung" bringt vom 1. Oktober an unsere Novelle „Hispania und Jerusalem" (Saron Band H. S. 97. 3. Aufl.) in ihrem Feuilleton. Bonn, im September. Wir hatten in diesen Tagen die Freude den dritten Band des More Nebuchim in der Ausgabe Munck's zu erhalten. Sv ist es denn dem verehrten Manne gegeben gewesen, dieses großartige Werk zum Abschluß zu Ebringen, dem Verständniß und damit der Wirksamkeit des großen Maimoniden eine neue Grundlage zu schaffen und sich selbst bleibendes Verdienst abermals zu erwerben. Bei einem Philosophen kommt es mehr als bei irgend einem Autor darauf an, daß wir im Stande seien, sein Original ein- *) Sie ist von dem Verfasser für sechszig Kopeken Silber zu beziehen. Von demselben Verfasser erschien die kleine höchst anmuthige und schön versifizirte Epopöe ysto-m (Wilna 1866), sowie ein glänzender Hymnus auf die Rettung des Kaisers Alexander a-r-ibtt nsnton (Wilna 1866.)

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