Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1866)
- Date
- 1866-10-16
- Page
- Seite 669 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Gymnasien der Residenz und deren Gouvernement frequentiren, assignirt werden mögen. Zur Motivirung dieser Verwendung wurde angegeben, daß zufolge des Kaiserlichen Ukases, der den jüd. Handwerkern erlaubt sich im ganzem Reiche ansässig zu machen, die jüdische Bevölkerung in der Residenz in Zunahme begriffen ist. Der Verein hat aber eine abschlägige Antwort erhalten aus dem Grunde, weil nach dem Wortlaute des Gesetzes die Stipendien nur für diejenigen Gymnasiasten bestimmt sind, die sich in Gegenden befinden, wo den Juden der definitive Aufenthalt gestattet ist. — Demzufolge hat der Verein die Unterstützung dieser Studirenden auf sich genommen. — Auch hat der Verein sich beim Ministerium dafür verwendet, daß der Religionsunterricht in den Gymnasien, die eine genügende jüdische Schülerzahl haben, obligatorisch gemacht werde. Dem Erfolge dieser Verwendung sieht man entgegen. Im April 1865 hat der Vorsitzende Herr I. Günzburg dem Vereine Mittheilungen über die Juden in Dagestan gemacht. Diesen zufolge giebt es bei denselben einige Schulen, in denen aber nur die Bibel gelehrt wird. Der Verein hat sich daher an die Negierung mit einer Supplik gewendet, daß auch da Schulen nach dem Muster der bereits bestehenden gegründet werden, wobei er sich anheischig macht nach Kräften diese neuen Schulen mit Büchern und Lehrgegenständen zu versorgen. Der Antwort sieht man noch entgegen. In einer Beilage zum Berichte wird den Mitgliedern mitgetheilt, daß zufolge der wunderbaren Rettung seiner Kaiserlichen Majestät von der verruchten Hand des Mörders am 4. April a. c. derselbe beschlossen als Beweis einer freudigsten Theiluahme an dem glücklichen Ausgange des schändlichen Attentats 2 Stipendien ä 100 Rubel für 2' Schüler der beiden Rabbinerschulen zu gründen, welche der Kaiser zu bestätigen geruht. Wir müssen überhaupt bemerken, daß bei dieser Veranlassung von allen Enden des weitläufigen Reiches von seiten der Juden die freudigsten Kundgebungen und Manifestationen stattgefunden haben. Gottesdienstliche Dankgebete wurden überall veranstaltet, wohlthätige Stiftungen überall gegründet. Die russische Judenheit hat bei dieser aufregenden Gelegenheit aufs glänzendste ihre Loyalität beurkundet; denn sie weiß es sehr gut, daß sie nur in dem Hochsinne und der Großmuth des angebeteten menschenfreundlichen Kaisers allein Garantieeu ihres Fortbestandes und ferneren Gedeihens besitzt. Was sie von den Demokraten und sogenannten Socialisten zu erwarten hat, haben sie die jüngsten Vorgänge in Böhmen, Baiern, Galizien und in den Donaufürstenthümern genugsam gelehrt. (?) Sie werden, geehrtester Herr, hoffentlich von dieser Darstellung der Wirksamkeit des Vereins die Ueberzeugung gewonnen haben, daß wir berechtigt sind demselben ein sehr günstiges Prognoftikum zu' stellen. Hat sich aber Herr I. Günzburg, der Gründer des Vereins, schon dadurch ein unsterbliches Verdienst um die hiesige Judenheit erworben, daß er die centrifugalen Kräfte zu einem gemeinnützigen Zwecke vereinigt, was bei den Dimensionen des Reiches.vielen Kraftaufwand, Energie und einen festen ernstlichen Willen erfordert/ so zeigt seine eigene Opferwilligkeit, wie ernstlich er es mit seiner sich gestellten Aufgabe meint, und er hätte wohl über alle schnöden Angriffe erhaben sein können; derselbe hat äußer seinem jährlichen Beitrage von 2,000 R. noch zu Stipendien für Studirende 4524 R., also zusammen 8524 R. gespendet. Russische Zeitungen kosten ihm außerdem mehr als 2000 S. R. Die Lehrer und Rabbinen, die diese Zeitungen gratis erhallen, wissen wohl die Wohlthätigkeit zu würdigen. — Bonn, im September. Die Gemeinde?u Aachen. - Wir haben-das Jahr über so oft von Mißständen und Mißbräuchen zu berichten, daß es uns zur Befriedigung gereicht, ein Mal auch Mittheilungen entgegengesetzter Art machen und wohlverdiente Anerkennung aussprechen zu können. In diesem Sinne werden anch unsre Leser die folgenden Zeilen gern entgegennehmen. Schreiber dieses, der Redakteur dieses Blattes, brachte dies Mal den Versöhnungstag in Aachen zu. So viel Löbliches wir aus dieser Gemeinde auch wußten, so hat doch der dortige Gottesdienst allen unfern Erwartungen in vollem Maße entsprochen. Alle Bedingungen hievzü vereinigen sich daselbst. Ein herrliches Gotteshaus,'das in seiner edlen Einfachheit, in seiner prunklosen/ aber geschmackvollen Ausschmückung sich kühn!den neuesten in bunter Mannigfaltigkeit und verschwenderischer Pracht sich aüszeichnenden Synagogen an die Seite stellen darf, eine vorzügliche Orgel, ein Chor, der im Quartett, in Solls wie im Gemeindegesang die größte Tüchtigkeit, Correktheit und Mannigfaltigkeit bewährt, an dessen Spitze Herr David Marx, ein Mann, der trotz seines bedeutenden Geschäftes mit einer seltenen Opferwilligkeit sich. 42*