Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1866)
- Date
- 1866-10-16
- Page
- Seite 670 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226570--24342-3251695- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
—————— 670 der Ausbildung und Leitung des Chors hingiebt, mit einer Befähigung, welche außerhalb des Fachkreises nur selten gefunden wird, ein Chor, in dessen Mitte sich geschulte Stimmen von großem Werthe befinden, so daß außer dem Organisten keine nichtjüdischen Kräfte verwendet. werden, ein Vorbeter, bei welchem die Schwäche der Stimme durch die Würde, Richtigkeit und Klarheit des Vortrages ersetzt wird, ein Prediger, der ein ausgezeichnetes Organ besitzt, welchem wir nur eine größere Modulation wünschen, vor Allem aber eine Gemeinde so voller Anstand und Weihe, daß uns während des ganzen Tages kaum eine kleine Störung auffiel — alles Dies verbindet sich hier, um den Gottesdienst durchweg ergreifend, erhebend, bisweilen erschütternd zu machen. Inhaltlich ist der Gottesdienst an diesem hohen Feste wesentlich der alte, jedoch mit angemessenster Mischung mit deutschen Gebeten und Gesängen und in würdigster Verkeilung zwischen Vorbeter, Prediger, Chor und Gemeinde. Es ist daher der alte Gebetcyklus wesentlich beibehalten. Das Col Nidre ist durch „O Tag des Herrn," deutsche Gebete, welche der Prediger vorträgt und die - sich daran schließende Predigt ersetzt, worauf mit Borcliu der hebräische Theil des Gottesdienstes beginnt. Ueberall aber greift der Chor und der Gemeindegesang-ein, und die Responsen werden in angemessenster Weise vorgetragen. Die Glanzpunkte im Gottesdienste des Tages sind: die Aus- und Einhebung der Thorah, die Abodah (hebräische, und die Todtengedächtnißfeier. Besonders ist die zweite im höchsten Grade ergreifend und für den, der das volle Verständniß besitzt, bis zu Thräneu rührend. Es versteht sich, daß der dreijährige Cyklus eingeführt ist. Bleibt für den Versöhnungstag Etwas zu wünschen übrig, so ist dies die Beschaffung eines bessern zweiten Vorbeters. Wir wollen dem Manne, der ohne Entschädigung dieses Amt übernimmt, nicht zu nahe treten; aber er paßt zu dem übrigen Theile des^ Gottesdienstes, wie er hier ausgeführt wird, nicht, und es erscheinen dadurch bedeutende Gebettheile vernachlässigt. Gewiß, würde die Abänderung noch große Opfer erheischen, und darum muß sich hierin der Anspruch mäßigen. Die ganzen gottesdienstlichen Einrichtungen in Aachen sind — und wir müssen dies hier anerkennend erwähnen— die Schöpfung des Herrn Rabbiners Dr. Rothschild (gegenwärtig in Alzey) in Verbindung mit dem Vorstände, besonders Herrn I. Levy, dessen Energie und Einsicht jedes Lobes würdig ist und von der Gemeinde lebhaft anerkannt wird. ■ Wir hatten weder Zeit noch Veranlassung einen, prüfenden Blick in das Schulwesen der Gemeinde, die Elementarwie Religionsschule, zu werfen; auch nicht von den Wohlthätigkeitsanstalten Kenntniß zu nehmen. Jndeß läßt sich von einer Gemeinde, welche sich an allen gemeinnützigen Zwecken so nachdrücklich betheiligt wie die Aachener, voraussetzen, daß sie im gedeihlichsten Zustande sind. Der Geist der Brüderlichkeit, der in dieser Gemeinde herrscht, hat sich auch in der großen Krise bewährt, welche in diesem Jahre auch Aachen als eine der bedeutendsten Fabrikstädte so hart betroffen. Durch diese gegenseitige Aushülfe wurde von vielen Häusern der drohende Ruin abgehalten. Möge es dieser Gemeinde stets wohl ergehen und ihre Anstalten in steigender Blüthe verbleiben. Anzeigen. Die Synagogen-Gemeinde Nörten bei Göttin gen wünscht sogleich oder auch später einen Lehrer zu engagiren, welcher das Vorbeter- und Schächteramt zu versehen hat. Reflectanten mögen sich in Betreff der Bedingungen an den Vorstand wenden. Annonee. An eine Knaben-Erziehungs-Anstalt in Bayern, welche bereits seit 21 Jahren in blühender Frequenz steht und sich eines allgemeinen Vertrauens erfreut, wird ein junger Mann, Jsraelite, von wissenschaftlicher Bildung, versehen mit dem Absolutorium der Universität, zu engagiren gesucht, dem vorerst die theilweise Leitung der Anstalt und später unter Umständen die gänzliche und selbständige Übertragung derselben in Aussicht gestellt wird. Gründliche philologische und mathematische Kenntnisse werden als wesentliche Factoren bei etwaigen Offerten vorausgesetzt. Näheres unter Chiffre F. besorgt die Exped. d. Bl. Die Lehrer- und Cantor-Stelle in Anrath wird mit dem l. Januar 1867 vacant und soll baldmöglichst wieder besetzt werden. Gehalt bei freier Wohnung 280 Thaler. Qualificirte Bewerber wollen ihre Anerbietungen franco an Herrn Lehrer A. Sassen in Anrath bei Crefeld < Rheinpreußen) einsenden. Annonce. Zu Neujahr 1867 wird in hiesiger Gemeinde die Stelle eines Religionslehrers, Schächters und Vorbeters vacant. . Gehalt bei freier Station 110 Thlr. nebst die Schächtgebühren. Reflectanten wollen sich franco melden bei Theodor Ascher, Vorsteher. Hagenow, 1. Octdber 1866.