Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1866)
- Date
- 1866-10-16
- Page
- Seite 667 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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WUHM 667 „Seine Eltern, sehr brave Israeliten, aus Gibraltar gebürtig, ließen sich im Jahre. 1798 oder 1799 in Marseille nieder. Die Familie bestand aus dem Vater, Jacob Gozlan, der Mutter und einem Sohne, der ohne Zweifel in Gibraltar geboren. Was man über seine Taufe sagt, die im Jahre 1803 in der Kirche de la Major stattgefunden haben sollte, so ist nichts ungewisser. Was ich bezeugen kann, ist, daß in seiner Familie die mosaische Religion ausgeübt wurde. Ich erinnere nur an den einen Umstand, daß er nie versäumte, an seine katholischen Freunde zur Zeit des Pessachfestes Osterkucheu (Mazzothj zu vertheilen. Warum sollten ihn seine Eltern haben taufen lassen, wenn sie Israeliten bleiben wollten? R6gie de la Colombiöre.“ Man kann also bestätigen: Leon Gozlan ist gestorben wie er geboren: als Israelit. Es wäre interessant das Document zu untersuchen, das man im Augenblicke des Begräbnisses hervorgebracht hat, und die Quelle dieses Vorfalls zu erforschen, welcher dem Begräbnisse Gozlan's den israelitischen Charakter genommen hat, den man nicht so schnell hätte aufgeben sollen." Schweiz. St. Gallen, 21. September. (Privatmitth.) Der amletzten Sonntag abgehaltene Bettag zeichnete sich nach Sch. B. dieses Jahr in St. Gallen durch ein Ereigniß aus, das der Erwähnung verdient, weil der tiefere Sinn desselben von wesentlicher Bedeutung ist. Die hiesigen Israeliten, welche vor etwa 8 Tagen an ihrem Neujahrsfeste ihren Gottesdienst eröffneten, haben am Sonntag Vormittag ebenfalls und zwar ausschließlich zu Ehren des eidgenössischen Bettages einen Gottesdienst abgehalten. Die Feier desselben entbehrte jeder confesfionellen Form und war fast durchgehends in deutscher Sprache gehalten und so auch jedem Nicht- Israeliten verständlich und erbauend. Als Rabbiner und Prediger der hiesigen istael. Gemeinde fungirt der aus München hierher berufene Herr Dr. Hermann Engelbert, über dessen Predigt zur Einweihung der Synagoge die „St. Galler Zeitung" sich sehr lobend ausspricht. Donaufürstenthümer.- Bukarest, 27. Septemb. (Privatmitth.) Fürst und Ministerium suchen sich die Gunst der Volksmasseu auf jede Weise zu verschaffen, und schmeicheln den Vorurtheilen derselben so gut sie können. Ein Telegramm meldet: „Der Fürst approbirte den Vorschlag des Ministeriums, betreffend die strenge Handhabung des Gesetzes hinsichtlich der Verhinderung.des Herüberkommens mittelloser Fremden, besonders galizischer Juden." Das rumänische Volk klassifizirt unter diese Kategorie alle Fremden — denn es setzt voraus, daß sein Land für Fremde so wenig Anziehendes habe, daß nur Erwerbsgelüste jene dahinführen könnten. Es hat darin wohl Recht, nur Schade, daß die Verbindung aller Völker nur auf Erwerbsgelüsten, d. h. auf industriellen Verkehrsverhältnissen beruht. Mag sich das verjüngte Rumänien nur mit einer chinesischen Mauer umgeben — die Folgen hat es selbst zu tragen. Notizen. Unter die Opfer, welche die Cholera in Berlin gefordert, gehört auch Herr M. Kuttner, der sich als Cultusbeamter der Gemeinde Insterburg durch ,seine rastlosen Bemühungen um die jüdischen Strafgefangenen sehr verdient gemacht hatte. — Die jüngsten jüd. Zeitungen aus-Amerika bringen das sonderbare Projekt eines Herrn Abr. Kohn und des Herrn Wist, Herausgebers des Israelite in Cincinnati, zur Gründung einer „jüdischen National-Universität" in Amerika!! Es sollen da jüdische Aerzte, jüdische Juristen u. s. w. gebildet werden! Es versteht sich, daß dieses eben so abenteuerliche, wie absurde Projekt von allen Seiten verurtheilt wird. Abgesehen hiervon, haben die amerikanischen Juden es noch nicht einmal zu einem jüdischen Lehrerseminar gebracht, und sollen schon — Universitäten gründen! Welche Carrikatur der Bestrebungen um eine jüdischtheologische Fakultät! — In Tarnow (Galizien) haben ch a'ssid ische Wallfahrer, die zu ihrem Rebbe nach Neu- Sandez gepilgert, die Cholera eingeschleppt, die dort große Verheerung anrichtet. — 42