Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1866)
- Date
- 1866-10-16
- Page
- Seite 665 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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sucht fetrt und es läßt sich somit davon das beste erwarten. Das allgemeine Verlangen ist es aber, daß der isr. Schulfond s, der zu einer Pfründe von wenigen und gerade reichen Gemeinden geworden, zum Th eil dazuverwendet werden möchte. Derartige Rabbiner- und Lehrervereine können nur und besonders im Anfänge durch Subvention der Regierung (?) sich gedeihlich entwickeln. Aus Ungarn, am 3. Oktober. (Privatmirth.) Hielten wir es auch seinerzeit für gerathen die Bestrebungen unserer Glaubensbrüder in Angelegenheit der Unterstützung verwundeter Krieger in diesen Blättern nicht zu registriren, da keine ungarische israelitische Gemeinde hinter ihren christlichen Mitbürgern zurückblieb und man bei uns die Sonderstellung nun einmal nicht liebt, so müssen wir doch heute, da es gilt, einen ganzen Stand in den Vordergrund zu stellen, eine Ausnahme machen. Da sind es bei uns vor Allem unsere jüdischen Mediciner, die sich dort, wo es gilt, dem jüdischen Namen Ehre zu machen, an die Spitze stellen, und wollen wir heute hervorheben, wie aufopferungsfähig die jüdischen Mediciner Ungarns bei dem Heranbrechen der Choleraepidemie sich benehmen, und mit welch seltner Aufopferung gerade diese Männer ihr ganzes Ich, ohne Unterschied der Confession, der heimgesuchten Bevölkerung widmen. Daß Pest, die Hauptstadt des Landes, diesesmal auch in dieser Angelegenheit vorangeht, brauche ich wohl nicht erst hervorzuheben und würden wir in der Lage sein, Namen vom besten Klang hier aufzuführen, wäre es uns nicht einzig und allein um die Sache zu thun. . Bei dem Umstande jedoch, daß ein Theil der ungarischen Presse keine Gelegenheit versäumt, Judenhaß auszustreuen, wäre es seitens der jüdischen Journalisten am Platze, einzelne Individuen, welche sich während der Epidemie besonders hervorthnn, in der vaterländischmagyarischen Presse namhaft zu machen. Daß die „Concordia" unter dem Präsidium des verdienstvollen Carl Louis Posner^) in Pest drei Aerzte zur unentgeltlichen Verfügung des Publikums gestellt, ist ebenso human, als anerkennnngswerth, wie denn auch die practischen Vorschläge im „Pesti Naplö“, des auch in weiten Kreisen als Publicist rühmlichst bekannten Dr. Agai, den lebhaftesten Anklang fanden. *) Letzterer erhielt vor Kurzem von Sr. Majestät dem Könige den Franz Josef's Orden. Bedauernswerth bleiben bei uns die hie und da, wenn auch im Keime erstickten Judenverfolgungen, und bleibt es interessant zu registriren, daß je magyarischer die Bevölkerung, desto seltner der Judenhaß, je slavischer die Gegend, desto mehr Risches. Nur jene Orte, in welchen Juden vor 1848 nicht wohnen durften, scheinen von dieser Regel eine Ausnahme zu machen, doch ist auch in jener von einem magyarischen Geist getragenen Bevölkerung keine Verfolgung zu fürchten. Daß sich unsere Blätter dieses Themas von Zeit zu Zeit bemächtigen, ist nur zu natürlich, und sei daher hier eine Correspondenz des „Pest er Tageblattes" erwähnt, welche manchen Aufschluß über dieses Thema liefert. „Sziged, am 21. September. Nachts 3 Uhr brach in der Werkstatt eines Schlossermeisters ein Schadenfeuer aus. Im benachbarten Hause wohnte eine jüdische Wittwe. Das Feuer griff so um sich, daß das Haus des Schloffers bald einem Aschenhaufeu gleich wurde. Um 6 Uhr früh erschienen mehrere Handwerksgesellen mit Hacken, stürmten auf das Haus der armen Jüdin, um die stehen gebliebenen Wände ihres Häuschens der Erde gleich zu machen. Nicht genug, es fielen diese Unmenschen noch über die Juden her und schlugen letztere, wo sie sie fanden. Das Häuschen der Wittwe ist demolirt, sie selbst obdachslos, hält sich bei mitleidigen Glaubensgenossen auf. Ob wohl die Behörden etwas zu Gunsten der armen Wittwe thun werden? Wir sind auf den Ausgang gespannt." Auch wir sind auf den Ausgang um so gespannter, nachdem man den Szigeder Stuhlrichter als Freund des Fortschrittes rühmt. — Vor Kurzem erschien die erste Nummer eines ungarischen Schulblattes, redigirt von dem auf diesem Gebiete unermüdlichen Musterhauptlehrer und Redakteur des „Jüdischen Schulboten" Herrn Nathan Fischer. Die magyarische Presse begrüßt das Unternehmen mit seltenem Beifalle und sind insbesondere die tonangebenden Journale wie „kesti Naplö“ „Hon“ „Fövarosi lapok“ voll des Lobes. Möge der verdiente Herausgeber die nöthige Unterstützung finden und die betreffenden Schulen mit ihren Pränumerationen nicht Zurückbleiben. Immerhin bleibt es traurig, daß bei uns so selten eine gute Sache die nöthige Unterstützung findet, und wenn wir auch vom „ungarischen israM-