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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-10-16 · Heft 42 (16.10.1866) · p. Seite 664

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 42 (16.10.1866)
Date
1866-10-16
Page
Seite 664 (sequence 6)
Language
German
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664 kommt da zu Tage! Der Redner will auch „unsere" d. h. seine „Richtung" kennzeichnen, und sagt da: „Lehre ist Gesetz und Gesetz ist Lehre, Glauben ist Denken und Denken ist Glauben, Gesinnung ist Ueberzeugung und Ueberzeugung ist Gesinnung. Ich kenne nicht nur keine andere religiöse Richtung, sondern ich kenne überhaupt gar keine religiöse Richtung." Dies ist wohl genug. das juristis che Referat in dieser Staatsverwaltungsstelle übertragen worden. Ich gebe diese Berichtigung, damit man nicht, wie es aus der Mittheilung in Nr. 36. geschehen könnte, annehme, als ob die großherz. Regierung dem allgemeinen Vorurtheile huldige, daß der Jude vorzugsweise im Finanzfache zu verwenden sei. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bonn, 10. Okt. (Privatmitth.) Bekanntlich sind im Groß Herz. Baden die Juden völlig gleichgestellt und das Gesetz kennt keine Ausnahmen aus confessionellen Gründen. Dennoch ist es erst in diesen Tagen vorgekommen, daß ein junger Mann jüdischeil Glaubens, ein Badenser, welcher eine höhere Bürgerschule und dann ein großherz. Seminar nach den Bestimmungen des Gesetzes absolvirt, die besten Zeugnisse erlangt und seine Prüfung gut bestanden hat, und hierauf an dem Polytechnicum zu Carlsruhe zwei Jahre die mathematische und chemische Klasse besuchte und bei der Prüfung „sehr gut" erhielt, von der großherz. Regierung den abschlägigen Bescheid empfing, daß er als Jude nicht angestellt werden könne, sondern nachdem Auslande gehen solle!! — Wir nehmen um so mehr Veranlassung, diesen jungen Mann, dessen Zeugnisse uns vorliegen, zu irgend einer Anstellung an einem Institute dringend zu empfehlen und werden desfallsige Anfragen gern annehmen. Bonn, 8. Okt. (Privatmitth.) Herr Rittergutsbesitzer Loeb hat sich gegen uns mündlich wie'schriftlich zu einer Vermittelung in der schwebenden Seminarsrage geäußert, und werden wir bald in der Lage sein, Näheres über den Erfolg zu berichten. Dr. L. Ph. Karlsruhe, 30. September. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir eilte kleine Berichtigung zur Vermeidung einer irrigen Auffassung/ Herr l)r. Ellstätter, der bisher beily Kreis-, und Hofgerichte in Mannheim (nicht als Advokat) als Kreisgerichtsrath fungirte, ist am Großherzogl. Finanzministerium angestellt und ihm Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Ungarn, 27. Sept. (Privatmitth.) Die großen weltgeschichtlichen Ereignisse, die vor Kurzem wie ein Traum an uns vorübergegangen, haben namentlich auf die Geister eine solche deprimirende Wirkung ausgeübt, daß sich diese derselben noch immer nicht entledigen können. Alles fühlt sich von der so plötzlich eingetretenen Katastrophe wie festgebannt — und in Folge dessen ist eine solche Stagnation eingetreten, die lähmend auf alle Verhältnisse wirkt. Hoffen wir, daß die Einberufung der Land- und Reichstage das politische Leben wieder erwecken und das Volk aus der Lethargie aufrütteln wird. Die Verhältnisse der Juden, in Ungarn hängen einzig und alleirt von der Einberufung des Reichstages ab und es ist nicht abzusehen, wann das ewige Provisorium ein Ende nehmen wird. Die Uebelstände nisten sich dadurch immer mehr ein und lassen nichts zu Stande kommen. Geschieht doch in den anderen Provinzen und Kronländern des tieferschütterten Kaiserstaats immer noch mehr als in Ungarn. So z. B. genehmigte ein Erlaß des Staarsministeriums die an dem oberösterreichischen'Landtagebezüglich der Findel'a nstaltengetroffenenVer^ sügungen, daß' die Findlinge protestantischer und jüdischer Mütter auf Verlangen derselben in ihrer Religion erzogen und nicht wie bisher zwangsweise katholisch getauft werden. Dieser Erlaß hat natürlich auf Ungarn keinen Einfluß, und wer weiß, wie lange es hierin hier beim Alten bleiben wird. Einen erfreulichen Aufschwung hat in jüngster Zeit der Verein der Israel. Lehrer in Ungarn zur Unterstützung der Waisen und Wittwen genommen, der die Bewilligung der Statthalterei bereits erhalten hat.' Hoffentlich wird die am 27. und 28. dieses abzuhal-' tende Lehrer- und Generalversammlung zahlreich be-

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