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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-10-16 · Heft 42 (16.10.1866) · p. Seite 663

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 42 (16.10.1866)
Date
1866-10-16
Page
Seite 663 (sequence 5)
Language
German
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gehen wir jetzt auf dieselben ein. — „Israel der wandernde Prophet. Predigt, gehalten an 4. und 18. November 1865 von H. Hochheimer, Rabbiner der Oheb-Jsrael-Gemeinde in Baltimore." In sehr sinniger Weise knüpft der Redner an 2 Kön. 4, 8—12. eine Schilderung des Mittelalters und der Neuzeit in ihren Gegensätzen an, indem er nun und zndw jener, NC5 und dieser zutheilt. Im letzten Theile zeigt der Redner in freimüthigster und unerschrockener Weise, wie die Juden die große Bessergestaltung ihrer Verhältnisse nicht den Neichen, sondern den Männer des Wissens und der Erleuchtung zu danken haben, und hebt die nachtheiligen Zustände in Nordamerika nachdrücklich hervor. — „La Synagogue. Sermon prononce au temple de Bruxelles le samedi 14. avril 1866 par M. Jonas Weyl, radbin du Ressort de Nimes, aumönier de la maison centrale de detention. Paris 1866." Es ist dies eine der Wahlpredigten, welche im Tempel zu Brüssel gehalten wurden (die anderen sind uns nicht zugekommen). Es mag sein, daß dieselbe die Nerven der Zuhörer nicht genügend erschütterte, um die Wahl des Vers, zu bewirken, aber es ist eine sehr würdige Rede, welche von dem Streben, den Ansichten und der Begabung des Vers, eine gute Vorstellung giebt. In eindringlicher und lebhafter Sprache verfolgt er den Gedanken der Synagoge in ihrem Ursprünge, ihrer Tendenz und Wirksamkeit durch die verschiedenen Zeitalter. Als einen schönen Satz übertragen wir hier folgenden: „Darum geschah es, daß, als die Stunde der Befreiung geschlagen und die aufgeklärtere Gesellschaft endlich Israel in ihren Schoß aufnahm, es sich auf der Stelle bereit fand, alle seine neuen Pflichten zu erfüllen. Es waren nicht Barbaren, die einen Einfall in die europäische Civilifation machten. Es war eine alte Weisheit, die da kam, sich mit einer neuen Weisheit zu vereinigen." — „Farväl! Minnesord, Talade etc. af Dr. L. Lewysohn, Rabbin vid Mosaika Församlingen i Stockholm. Stockholm, Isaac Marcus 1865." Bon demselben Vers. „Dig Följa mangas kärlek och tacksamhet. Minnesord etc., Stockholm, Isaac Marcus, 1866.“ — „Liebe und Versöhnung nach der Lehre des Judenthums. Predigt, gehalten von Oberrabbiner I. K a h n, am Vorabende des Versöhnungstages 5626 (1865). Trier, 1866, L. Troschel." Von dieser trefflichen, mit schönem Erfolge begleiteten Rede ist früher in. d. Bl. schon Erwähnung geschehen. Gegenüber den vielen Gehässigkeiten^ die der Jude noch immer zu ertragen hat, und einem kränkenden Vorgänge in Trier selbst, faßt der Redner alle Bibelstellen, begleitet von anderen aus Talmud und Midrasch zusammen, welche mit überwältigender Kraft die Nächstenliebe und die Versöhnung zur Vorschrift und zum Gesetz für Israel machen. — Drei Zeitpredigten. Zwei von ihnen am allgemeinen Bettage, dem 27. Juni c. von Rabb. vr. M. Nahmer (Thorn, Wallis 1866) und von Rabb. vr. A. Treuenfels Stettin 1866. Der erste Redner hebt in freimüthiger Weise die Verwerflichkeit des Krieges vom religiösen und humanen Standpunkte, so wie die Schwierigkeit hervor, das rechte Betwort beim Beginn eines Bruderkrieges zu finden; und mit glücklichem Griff findet er dies in den Worten des Onias zu der Zeit des Kampfes zwischen Hyrkan und Aristobul. Doch auf denselben Ausgang kommt auch der zweite Redner, welcher eine Homilie über Ps. 46 giebt, um in einer Zeit der Krise, der Seuche und des Krieges die religiöse Stimmung zu wecken und zu fördern. Und zu demselben Ausgang, dem Betworte des Onias, gelangt auch der dritte Redner: Die zweimalige Auflösung des jüdischen Staates. Eine Zeitpredigt, ge* halten am Sabbath des 17. Thammus, den 30. Juni 1866 von vr. Abraham Geiger. Frankfurt a. M." Druck von Neinhold Baist. Mit großer Kraft, mit strömender Gewalt der Beredtsamkeit zeichnet der Verf. die Ursachen des Falls des ersten Tempels — Spaltung der Stämme — und des zweitens Tempels — innerer Parteihader, und wendet dies auf den derzeitigen Zustand Deutschlands an. Mit wahrem Freimuthe deckt er die eigentlichen Quellen des Unheils auf. Die Heilung findet-er in dem Aufgeben alles Partikularismus und der freien Einigung aller deutschen Stämme. — Wir standen lange an, in dieser Besprechung auch des folgenden Machwerks zu erwähnen: Unsere Richtung! Siebenter in Berlin in der mE Synagoge am Sabbath npn gehaltener gottesdienstlicher Vortrag von vr. Simon (Sinai) Nascher, Rabbiner und Prediger. Berlin 1866. Selbstverlag des Verf. Allein es ist einmal die Pflicht des Kritikers, auch den Unsinn, die Geschmacklosigkeit und die Heuchelei an's Licht zu ziehen. Wir kennen die vorangegaugenen sechs Vorträge des Herrn Nascher nicht; sind sie aber nach dem vorliegenden Muster, so werfen sie auf die jüdischen Zustände in Berlin ein düsteres Licht. Der Redner legt das größte Gewicht darauf, daß er nun zum siebenten Male predige, so viel Gewicht, daß er es den höchsten Akten der Religion gleichstellt, und alle seine sieben Vorträge resumirt — und was

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