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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-10-09 · Heft 41 (9.10.1866) · p. Seite 653

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 41 (9.10.1866)
Date
1866-10-09
Page
Seite 653 (sequence 11)
Language
German
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stammen tragen. Im Centrat-Dom ist der große Kronleuchter, der .48 Flammen trägt. Dazu noch die Candelabers bei der Thora-Lade, das Ner Tamid, die Beleuchtung bei der Kanzel, über den Eingängen u. s. w., die zusammen über 300 Flammen betragen. Der Tempel hat über 1700 Sitze ohne Gallerien, und kann 2000 Menschen unterbringen. Die Beschreibung des Baues müssen wir uns auf später Vorbehalten. Das größte 'Kunstwerk in dem Tempel ist die prachtvolle von Köhnken u. Co., aus Cincinnati, gebaute Orgel. Dieselbe wird an Größe von der Cathedral-Orgel, an Schönheit der Register von keiner übertroffen. Die vorzüglichsten Musiker der Stadt stimmen dahin überein, daß diese Orgel die beste im Westen ist. Zur Einweihung erschien keiner der eingeladenen Herren außer Herr R. Rubin, Cantor des Emanuel Tempels in New Jork, der als Chasan fungirte. Die Einweihung, so glanzvoll sie. auch ausgeführt ward, bietet keine besonderen Momente, die von der gebräuchlichen Art dieser Ceremonie abwichen. Die Gebete und Predigten wurden von den Herren vv. Wise und Lilienthal gehalten. New Jork, im September (Privatmitth.) Wenn in diesem Jahre die Einwanderung aus Europa wieder einen ungewöhnlichen Umfang angenommen, so kann auch hervorgehoben werden, daß sich gegenwärtig auch ein ganzer Strom von jüdischen Lehrern, Predigern, Rabbinen aus Deutschland über uns ergießt. An und für sich kann dies uns nur willkommen sein. Ist an solchen Kräften in Deutschland Ueberfluß, so haben wir daran noch Mangel, und wir können nur wünschen, daß sie bald geeignete Verwendung finden. Viele von ihnen wenden sich so, wenn sie nicht bald Stellen finden, dem gewerblichen Treiben zu. Allein zu beklagen ist es, daß sich unter den, nicht hierher berufenen, sondern aus freiem Antriebe hergelangten Ankömmlingen dieser Kategorie sehr, viele unlautere und unfähige Subjecte befinden, die dem amerikanischen Judenthume weder zur Zierde noch zum Nutzen gereichen. Mit einer bewunderungswürdigen Gewandtheit wissen sie sich des amerikanischen Humbugs zu bemächtigen und zu bedienen. Aus Leuten, die Europa verlassen mußten, werden durch die Vorsetzung des einfachen Rev., welchem sich alsbald der Titel Rabbi und nicht lange darauf ein T)r. hinzugesellt, ettt Rabbiner und Prediger, während sie in Deutschland kaum eine Lehrer- und Chasanstelle in Gemeinden von einem Dutzend Familien finden konnten. Mit einer -angemessenen Unverschämtheit lassen sie sich dann — wozu nur einige klingende Mittel gehören — in den Zeitungen ausposaunen, und treten mit Predigten auf, die sie aus deutschen Büchern zusammenstoppeln oder, noch bequemer, abschreiben. Sie werden sagen, warum lassen sich die amerikanischen Gemein-» den so betrügen? Allein die Urtheilslosigkeit des großen Haufens, der in Amerika immer entscheidet, ist stark genug, um Jrrthümer leicht und häufig zu machen. Davon geben ja auch die Wahlen in Europa oft genug Zeugniß. Allerdings fällt das künstlich gefirnißte Gewand bald ab, und Zwistigkeiten und Enttäuschungen, welche auf dem Gebiete der Religion so verheerend wirken, sind die Folgen davon. Wir fürchten aber, daß mit der Zeit ein viel größeres Nebel daraus enö springen werde. Der ganze Stand der jüdischen Lehrer aller Stufen wird in Verruf kommen, sein Ansehen verlieren, das so noch schwach genug ist, und die Religion dadurch große Schädigung erleiden. Wir wollen hier keine Namen nennen, so sehr sich auch über manchen derselben die Leser dieser Zeitung, besonders ihres Inseratentheiles, wundern würden. Wir möchten nur die amerikanischen Gemeinden warnen und sie zur Vorsicht wie zur genauesten Prüfung der mitgebrachten Zeugnisse mahnen. Correspondenz. Russische Griefe. V. Der Verein zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden in Rußlands Uns liegt der zweite Rechenschaftsbericht dieses Vereins für das Jahr 1865 vor, welcher, obwohl der Verein im Beginn seiner Wirksamkeit steht, uns doch ein treues Bild von der Thätigkeit, Bedeutung und Tragweite desselben bietet. Sie werden, hochgeehrter Herr Redacteur, hoffentlich mit um so größerem Interesse Notiz von den erzielten Resultaten dieses Vereines nehmen, als derselbe eine ganz neue Erscheinung ist in einem Lande, dessen jüdische Bevölkerung gewohnt ist, es der hohen Regierung zu überlassen in allen Punkten, die ihre Bildung und Besserstellung betreffen, nicht allein die Impulse zu geben, die Initiative zu ergreifen, sondern auch die Ausführung aller heilsamen Maßregeln zu überneh- 41*

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