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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-10-09 · Heft 41 (9.10.1866) · p. Seite 647

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 41 (9.10.1866)
Date
1866-10-09
Page
Seite 647 (sequence 5)
Language
German
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der Präses am Orte des Seminars wohnen müffe. Von einer Vererbung des Präsidiums ist also in keiner Weise die Rede. , Was nun den weiteren Fortgang der Sache betrifft, so waren wir von Anfang an der Meinung, daß zuvörderst der Versuch gemacht werden muß, mit dem gegenwärtigen Vereinsvorsteher, Herrn Rittergutsbesitzer Jakob Löb, eine Vebmittelung anzustreben, um die nothwendigen Veränderungen des Statuts möglichst zu bewirken. Herr Löb hat sich auch zu einer solchen Vermittelung geneigt erklärt. Die Gründe, die hierfür sprechen, liegen klar: es ist immer vorzuziehen, eine bestehende und so lange Zeit wirksame Anstalt zu verbessern und zu erhalten, als eine neue Waffen zu wollen, und die Fundirung mit 2 5,» 00 Thlr. und einem Grundstücke wirft immerhin ein bedeutendes Gewicht in die Schaale. Warten wir nun den Erfolg einer solchen Verhandlung ab. Als die-Hauptpunkte, die in dem Statut verändert werden müssen, erachten wir: 1) Daß zu § 2 hinzugefügt werde: „Die sämmtlichen Mitglieder des Curatoriums (also auch der Präses) müssen den jüdischen Religion angehören. 2) Daß die Wahl der vier Mitglieder des Curatoriums und deren Stellvertreter von den zum Vereine beitragenden Gemeinden geschehen müsse. 3) Daß alle von dem Vereine zu schließenden Contrakte nach Beschluß des Curatoriums abgefaßt werden. 4) Daß/ dem Curatorium eine Controle der finanziellen Gebahrung zusteht und jährlich ein Rechenschaftsbericht veröffentlicht wird. 5) Daß die Lehrer nach Beschluß des Curatorimns angestellt werden. 6) Daß über die Aufnahme der Zöglinge nach einem besonderen Reglement bestimmt wird. Es versteht sich von selbst, daß derartige Ausmachungen nur vorläufige sein können, und einer Versammlung der Gemeindevorstände aus beiden Provinzen vorgelegt werden müssen. Eine solche Zusammenkunft ist durchaus nothwendig; da außerdem über den Wahlmodus der Mitglieder des Curatoriums seitens der Gemeinden so wie zukünftiger Präsidenten eine befriedigende Bestimmung zu treffen wäre, und endlich über den wichtigen positiven Punkt berathen werden muß, wie die Anstalt seitens der Gemeinden zu fundiren und durch Sicherstellung eines bedeutenden Theiles der fteiwilligen Beiträge der Bestand des Seminars zu garantiren sei, damit sie nicht länger von der bloßen Privatwohlthätigkeit abhängen. Dieses letzte Moment scheint uns für die zukünftige Lebensfähigkeit der Anstalt entscheidend, und wird sogleich 'den Beweis führen, daß es den Gemeinden Ernst mm die gW Sache ist. Das Wort wiegt schwer, die That noch schwerer. Das Wort ist von Werth, wenn die That ihm folgt. Wir werden über den weiteren Verlauf berichten. Beruburg, im September. . Me Stellung -er Juden in Anhalt. Von vr-. David Calm, Rechtsanwalt. (Schluß.» Was haben wir verschuldet gegen unsere Fürsten und gegen das Volk, daß man uns das höchste politische Recht genommen hat? Warum diese oapitis deminutio, diese existimationis deminutio? Wankt der englische Staat, weil Juden im Parlamente tagen, oder weil die mächtige Königin des gesegneten Eilandes dem jüdischen Lord Mayor Philipps zuvor officielle Anzeige erstatten muß, ehe sie die City betreten darf? Ist der Congreß der vereinigten Staaten zu Grunde gegangen, weil abwechselnd mit christlichen Predigern ein Rabbiner dort bas Eröffnungsgebet hält? Ist Frankreich unter den jüdischen Ministern Cremieux, Gondchaux, Fould zu Schanden geworden? Will Anhalt kirchlicher und orthodoxer sein als Oesterreich und Preußen, Baiern und Hamburg? Macht uns die Taufe edler und einsichtsvoller, müßte, ein Gabriel Riesser jedem Dorfschulzen -weichen? Zahlen die Ritterschaften, Städte und Landgemeinden auch unsere Steuern? Ruft man nicht unsere Söhne zu den Fahnen im Kampfe fürs Vaterland? Haben wir nicht dem Landesherrn gehuldigt und geschworen? Man fürchtet vielleicht eine starke Concurrenz. Nun, in Preußen mit hundertmal mehr Juden und darunter. solchen von europäischem Rufe hat man 4 Juden ins Abgeordnetenhaus bei Volkswahlen entsandet, sollte bei uns, wo Corporationen das Wahlrecht üben, trotz der großen Menge intelligenter Christen die Furcht einer Ueberschwemmung durch Israeliten begründet sein? Ist den Herren vom alten und neuen Adel unsere Nähe widerwärtig, da sie unsere Kaufleute und Bankiers doch oft genug aufzusuchen wissen? Vielleicht schaden wir dem Christenthume? Welch ein testimonium paupertatis für diese erhabene Religion! Wäre das ChristMthmn SSM

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