Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1866)
- Date
- 1866-10-02
- Page
- Seite 634 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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' ein wirkliches Aergerniß gegeben und eine Verspottung der evangelischen Geistlichkeit beabsichtigt worden ist. , 'Ich veranlasse die K. Reg., die Landräthe des Reg. Bez. unter Aufhebung '"der Vers, vom 20. Juli d. I. in diesem Sinne mit weiterer Anweisung zu versehen und eine Abschrift der diesfälligen Verfügung binnen 14 Tagen hierher einzureichen. Was den speziellen Fall der Beschwerde des Lehrers Bonin in Camen betrifft, so nehme ich keinen Ansland die gegen denselben festgesetzte Strafe von 5 Thlr. hierdurch aufzuheben. Ich überlasse es jedoch der K. Reg., diese Aushebung selbst auszusprechen und den rc. Bonin hiervon in Kenntniß zu setzen. Berlin, 1. Nov. Im Allerhöchsten Auftrag gez. von Ladenberg. An die K- Regierung zu Arensberg. 25,696 Naugard, 7. Sept. (Privatmirth.) Am 6. Septbr. e. begingen wir die feierliche Einweihung der hiesigen Synagoge. Nur die manigfachen materiellen Opfer, die angestrengte Thätigkeit und der unermüdliche Eifer des Vorstandes, Herrn A. Ascher, machten den Bau überhaupt möglich, auf den nun die hiesige Gemeinde mit Fug und Recht stolz sein kann. Einfach und gefällig, innere wie äußere Ausstattung gleich zweckmäßig und 'elegant, erhebt sich das massive rechteckige Gebäude, eine Zierde der Stadt. Hervorzuheben ist im Innern der Synagoge die Ausschmückung der heiligen Lade, vom Bildhauer Goldbaum aus Bromberg in reicher und würdiger Weise ausgeführt, ein Werk, das ' den jungen Künstler aufs Beste empfiehlt.— Die Feier selbst begann am Nachmittag 2^2 Uhr mit der Aufstellung des Festzuges, der sich unter Vortritt des Vorstandes mit den Thorarollen von dem gleichfalls neuen Schulhause nach der Synagoge bewegte. Außer den Mitgliedern der hiesigen hatten sickzahlreiche Ehrengäste ans-den Nachbargemeinden, die geladenen königlichen und städtischen Beamten und andere Persönlichkeiten der Stadt und Umgegend dem Festzuge angeschlossen. Mit Befremden wurde der Landrath unseres Kreises, Herr von Bismark, vermißt, und ist es gewiß characteristisch, daß derselbe, wie wir nachträglich erfahren, in einem verbindlichen Schreiben an den Vorstand „religiöse Bedenken" als den Grund seines Ausbleibens angegeben hat. — Ein anerkennenswerther Fortschritt ist es auch, daß der regelmäßige Gottesdienst an Sabbath und Festtagen von Chorge- / sang begleitet und dadurch würdiger wird, und gewiß werden Viele dadurch veranlaßt das Gotteshaus fleißiger zu besuchen. Möge ein gleiches Streben durch alle Gemeinden Israels gehen! Aus der Rheinprovinz, im Sept. (Privatmitth.) Das waren an vielen Orten Rheinlands und Westfalens traurige Feste! Die Cholera wüthet in unseren Städten in so erschreckender und hinraffender Weise, daß besonders für den hohen Versöhnungstag die Frage' entstand, wie man sich dabei zu verhalten. Die Aerzte erklärten an mehreren Orten in übereinstimmendster und entschiedenster Weise, daß das Fasten geradezu lebensgefährlich und für die Seuche eine Handhabe sei. Es erklärten daher mehrere Rabbinen für solche Orte das Fasten in seiner ganzen Strenge für unzulässig, wenn man sich auch auf das Nothdürftigste beschränken müsse. Pausen tnt- Gottesdienstes zur Lüftung der Synagogen, wurden an fast allen Orten angeordnet. Und so haben wir denn allseits den besten Verlauf zu bemelden. Möge der Lenker der Menschengeschicke unsere heißen Gebete erhört und der Seuche bald ihr Ziel vorgesteckt haben! Oesterreichischer Kaiserstaat. Temeövar (Ungarn), 21. Sept. Die Temesvarer- Zeitung meldet unter dem 20. d. M. in höchst diplomatischer Weise: Bei dem gestern im israelitischen Cultustempel abgehaltenen Gottesdienste hat sich zwischen dem Rabbiner und dem Cantor der Gemeinde bezüglich der Reihenfolge einer ritualen Function eine Meinungsverschiedenheit ergeben, welche leider größere, auch die anwesenden Andächtigen in Mitleidenschaft ziehende. Dimensionen aunahm, in Folge dessen auch eine vorübergehende Unterbrechung des Gottesdienstes eingetreten ist. Wir theilen dies, ohne uns in irgend welche Details einzulassen, ganz obsectiv mit/da die geschäftige Fama nicht verabsäumt hat, diesen mißliebigen Vorfall mit Zuthaten weiter zu verbreiten, welche den eigentlichen und wahren Sachverhalt weit hinter sich lassen. Wie immer dem aber auch sei, so dürste dieser Vorfall und dessen Verlauf kaum in einem.Gotteshause, am aller-