Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1866)
- Date
- 1866-10-02
- Page
- Seite 630 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wünscht wird, mit unserm Rathe die Angelegenheit zu unterstützen und uns an den desfallsigen Maßnahmen zu betheiligen. Mag.es uns vergönnt sein, recht bald Heilsames nach dieser Richtung hin melden zu können. Bernburg, im September. Wie Stellung der Süden in Anhalt.*) Von Dr. David Calm, Rechtsanwalt. „On a chassd les Juifs de tous les lieux du moiide et cela n’a servi qu’ä les rcpandre dans tous les lieux de l’univers. Ils ont passe de sifccle en sidcle au travers de la misere, de la persecution et des torrens de leur propre sang, qu’ils ont repandu. Ils vivent encore malgrd la haine, qui les suit en tous lieux, pendant que les plus grandes monarchies sont tellement tombdes, que ne nous en reste que le nom.“ Bas nage hist, des Juifs IV. c. 1. § 1. Wir zählen nur über 3000 Seelen, bilden also den 60. Theil der Gesammtbevölkerung des^ Landes. Mit wenigen Ausnahmen sind wir nicht mit vielen Glücksgütern gesegnet. Der große Grundbesitz, die reiche Industrie der Zuckerfabriken, Maschinenanstalten, Bergwerke, .Eisengießereien, Kohlengruben sind in den Händen unserer christlichen Mitbürger. Wir gönnen ihnen diesen Vorzug, zufrieden, daß unsere größeren Gemeinden aus früherer, oft unerträglicher Dürftigkeit zu einer Wohlhabenheit sich emporgeschwungen haben, die es ihnen möglich macht", einen würdigen Cultus, ein geordnetes Schulwesen zu wahren, aber leider! nicht erlaubt, den materiell hinsiechenden und geistig verkümmernden kleinen Gemeinden zu Hülfe zu konunen. Wir leben mit unfern Mitbürgern in Friede und Eintracht, wie sehr sie uns auch — mit einigen löblichen Ausnahmen, wie z. B. in Ballenstedt, Cöthen — durch den Ausschluß von ihren Gesellschaften kränken. Wir treiben keinen Luxus und zeigen nicht jene fieberhafte Ostentation, welche man *) Es ist in diesem Momente und für die beabsichtigten Schritte von Wichtigkeit, recht klare Bilder von der Stellung und den Verhältnissen der Juden sowohl in den von Preußen annektirten Ländern als auch in den zum' norddeutschen Bunde gehörenden Staaten zu erhalten und zu veröffentlichen. Wir machen daher sehr gern den Anfang mit folgender Darstellung uns dem Herzogthume Anhalt, und bitten tüchtige Federn ans den andern Ländern, uns in gleicher Weise zu unterstützen.' Die Redaktion. mit Recht manchen unserer Glaubensgenossen in Berlin, Wien und anderen großen Städten vorwirft. Unsere Ehen bewahren den alt gegründeten Ruf der Reinheit, nicht gewichen ist von uns Pietät Und Familieninnigkeit. — Die Gerichte haben kaum in Jahrzehnten eine jüdische Ehescheidung zu registriren, sie kennen keine Streitigkeiten zwischen uns und unfern Kindern. So sehr selbst in kleinen Dörfern uneheliche Geburten an der Tagesordnung sind, Stuprationen von Jüdinnen sind im ganzen Lande kaum erhört. Wir liefern den Criminalgerichten und Assisen wenige Delinquenten. Nach den statistischen Tabellen der Herzoglichen Staatsanwaltschaft, welche ich in der Deutschen Gerichtszeitung von 1864 Seite 90 Nr. 23 publizirt habe, sind im vormaligen Herzogthum Anhalt-Bernburg von 1851 bis 1862 unter 284 Verbrechern nur 2 Juden und deren 20 unter 3732 Vergehen zu verzeichnen gewesen. Kann man ein beredteres Sittenzeugniß ihnen ausstellen? Das Vermächtniß unserer Väter, Wohlthätigkeit zu üben, ehren wir nach Kräften. Trotz der großen Lasten, welche uns die Erhaltung unserer Tempel, Geistlichen, Gemeindebeamten, Schulen, Armen und Kranken, der Brüderschaften, Gottesäcker und dergl. mehr auferlegt, da der Staat im Ganzen nur 804 Thlr. contribuirt, ziehn wir uns von keiner allgemeinen Collecte, bei keiner Calamität zurück. Wir würden solches nicht thun, auch wenn man uns nicht, wie es häufig zu geschehen Pflegt, aufforderte, „aus christlichem Herzen beizusteuern." Die Berufstreue und Gewissenhaftigkeit der jüdischen Aerzte unsers Landes ist in aller Munde. Wir entziehen unsere Kinder nicht den Schulen und Gymnasien, sind auch den veredelnden Genüssen der Theater und Concerte nicht fremd. Wir streben nach Bildung und haben aus unserm schwachen Häuflein eine nicht verächtliche Geistesphalanx zum Kampfe gestellt. .. ' ■ Der unsterbliche Freund Lessings, Moses Mendelssohn aus Dessau, glänzt im milden Lichte am Firmamente der Menschheit. Ferner nennt Dessau unfern Nationalanwalt Philippson, Bernburg den Historiker Jost, Coswig den Mathematiker Unger, Gröbzig den Philologen Steinthal, Sandersleben den Kanzelredner Salimon. Ich citire die Bemühungen von Fränkel, Louis, Rubens, Herxheimer um den Unterricht der Jugend, um die Förderung des Glaubens, die Veredelung der Sitten. Von den wenigen Zeitungen im Lande werden zwei von Jüdischen Redacteuren (Meyer, Frankenberg 1 geleitet, wir zählen unter uns Buchdrucker, Buchhändler, Lithographen,