Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1866)
- Date
- 1866-09-25
- Page
- Seite 622 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226567--24291-3251641- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
' der Billigkeit und der Gleichberechtigung." Ferner:; „Wir werden das Recht und die Billigkeit vertreten auf welcher Seite wir sie auch immerhin finden mögen, und gegen Unbilligkeit und Intoleranz zu jeder Zeit und bei jeder Veranlassung mit offenem Visir und üruthig unsre Sttmme erheben." — Als Redakteure zeichnen die Herren F. v.. Richter und Julius Wechsler. — Wenn dieses Blatt, wie wir nicht zweifeln, seinem Programm entspricht und dessen Verwirklichung mit allen Kräften anstrebt, so wird es in Ländern, wie die Moldau und Walachei, von großer Wichtigkeit sein, in Ländern, wo regellose Leidenschaftlichkeit herrscht, das gedruckte Wort aber noch großen Einfluß ausübt. Wir empfehlen daher auch unsererseits diese neue Zeitung zu nachdrücklicher Unterstützung. Notizen. Am 29. Aug. starb zu Fontainebleau der als Maler und noch mehr als Astronom berühmte Hermann Goldschmidt, welcher dreizehn Planeten — an einem Tage zwei — mit höchst unvollkommenen Instrumenten entdeckte. Er war zu Frankfurt a. M. geboren. Einen ausführlichen Nekrolog bringen wir im „Jüdischen Volksblatt."— Der Rabbiner Dr. S. Hirsch in Luxemburg geht nach Philadelphia, wo er an die Stelle des nach Neu-Uork berufenen Dr. Einhorn tritt. Dr. Jastrow in Worms hat ebenfalls einen Ruf nach Amerika angenommen. — Dr. Jellinek in IVien hat einen Verein zur Unterstützung jüdischer Soldaten gegründet, der bereits vielen Anklang gefunden, freilich auch viele Gegner, die ihn als einer separatistischen Tendenz huldigend, verwerfen. Es hat hierüber eine lebhafte Polemik 'fiattgefunden. Gorresp ond enz. Berlin, im Sept. Die Einweihung der neuen Synagoge 31t Berlin. Von Cmil Breslaur. Die Einweihung der neuen Synagoge fand am . 5. Sept. statt. Bevor ich zu einer ausführlichen Schilderung der Feier übergehe, will ich erst eine kurze'Beschreibung des großartigen Bauwerkes versuchen, eines Bauwerkes, welches durch die Erhabenheit seines Styles so wie durch seinen Glanz und seine hohe künstlerische Pracht sich als eine wahrhaft monumentale Zierde unsrer Stadt erweist und den Meisterwerken der Architektur aller Zeiten würdig zur Seite gestellt werden kann. Der Plan zu dem Gebäude rührt von dem Baurath Knoblauch her, der Anfangs den Bau leitete, wobei ihn der Architekt Hähnel unterstützte. Als K. erkrankte, trat der Oberbaurath Stiller an seine Stelle, nach dessen Tode Hähnel allein die Vollendung des Baues übernahm. Der erste Spatenstich wurde am 17. Mai 1859 im Beisein des Dr. Sachs gemacht, welcher Worte der Weihe sprach. Am 18. Juli 1861 fand das Richtfest statt, 'welches durch eine Rede des Baumeisters Hähnel und des inzwischen verstorbenen Commerzienrath Carl Heymann eingeleitet wurde. Hoch empor über die stattlichen Häuser der Oranienburger Straße ragt der Bau mit seiner 160 Fuß hohen Hauptkuppel und mit den breiten ungefähr 100 Fuß hohen Nebenkuppeln, welche aber nur der Fayade angehören. Die beiden Nebenkuppelthürme werden durch ein prachtvolles eisernes Gitter verbunden und bilden, da sie etwas hervorstehen, einen kleinen Vorplatz. Drei Eingangsthüren führen in eine Rotunde, aus welcher man an eine zweite Halle und von da an die zur täglichen Andacht bestimmte kleine Synagoge gelangt. Nun erst schreitet man in die eigentliche Synagoge, die 188' lang, 126' breit und im Hauptschiff 87' hoch ist. Wem die farbenglühenden Schilderungen, welche die Dichter von der Alhambra geben, den sehnsüchtigen Wunsch nach diesem Wunderwerke der Baukunst erweckt haben, dessen Sehnsucht wird durch den Anblick, der sich ihm jetzt darbietet, gewiß volle Befriedigung finden. Diese Farbenfülle, diese Lichteffekte, diese anmuthigen Säulen und schwunghaften Rundbogen, diese Größe und Erhabenheit erweitern das Herz und führen es zu Ahnungen und Anschauungen des Höchsten. — Wenn wir die Synagoge durchschreiten, so haben wir hinter uns zu beiden Seiten die Frauengalerien. . Zu Ende des Mittelschiffs befindet sich das Pult für den Vorbeter, die Kanzel, beides aus weißem Marmor^Mnd dahinter ein tempelartiger Bau, von zwölf weMn Marmorsäulen getragen, unter dem die heilige Lade angebracht ist. Zu diesem Theil des Gotteshauses, der durch ein Bronzegitter abgegrenzt ist, führen breite, mit kostbaren-Teppichen belegte Marmorstufen. Die mächtige Nische, in