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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-25 · Heft 39 (25.9.1866) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 39 (25.9.1866)
Date
1866-09-25
Page
Seite 621 (sequence 11)
Language
German
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Und Hielt seinen Einzug in der „zweiten Haupstadt des Landes." Die Stadt wurde Abends illuminirt, und die Festlichkeiten wären recht lebhaft ausgefallen, wenn nicht die verstimmten Israeliten, die beiläufig den vierten Theil der Bevölkerung Jassys bilden, größtentheils die von ihnen getroffenen Anstalten zur Beleuchtung und Decorirung der Stadt zurückgezogen hätten. Jassy, 6. Sept. Von dem Aufenthalte des Fürsten Carl zu Jassy berichtet man der „Pr." Folgendes: „Im Laufe des vorgestrigen Tages ließ der Prinz die hervorragendsten Mitglieder der hiesigen Israeliten-Gemeinde zu sich bescheiden, um sich mit ihnen eine volle Stunde hindurch über deren Angelegenheiten zu besprechen. Bei dieser Gelegenheit ließ sich der Prinz unter dem Eindrücke des Vortrages 'des Führers der Deputation zu der Bemerkung Hinreißen: „Ja, Sie haben vollkommen Recht; doch vermag ich die Massen noch viel zu wenig zu beherrschen, als daß ich Ihren gerechten Forderungen Rechnung tragen könnte." Und doch betrafen diese Forderungen vorläufig nur die Judenverfolgungen, bei welchen die Behörden selber mitunter durch die Finger gesehen!" Jassy, 8. Sept. Die Presse schreibt: Neulich geschah von mir einer Petition Erwähnung, die dem Prinzen Karl von der hiesigen Commune bezüglich der Verbesserung der Lage Jassys überreicht worden. Lange hielt der Gemeinderath dieses Actenstück so geheim, daß höchstens einzelne Punkte desselben in die Oeffentlichkeit dringen konnten. Heute endlich liegt mir die Eingabe im Ganzen und Großen vor Augen, und ich muß' gestehen, daß die Stadtväter Jassys nicht Unrecht hatten, dieselbe mit ängstlicher Sorgfalt allen Blicken zu entziehen. - Aus dem vier Bogen starken Hefte können hier nur einige der frappantesten Stellen folgen..... „... Jassy — so heißt es in der Petition — hat seiner Lage nach einen bedeutenden Handel, der aber gänzlich in den Händen der Juden ist, die so zahlreich, deren Handelsbeziehungen derart ausgebreitet und so mannichfalttger Natur sind, daß es den Rumänen unmöglich ist, mit ihnen zu concurirren. In dieser Beziehung dürfen wir nicht einmal das rumänische Element als im Kampfe mtt den Juden begriffen hinstellen, da ersteres von letzteren vollständig beherrscht jvird, Die Juden prädowiniren durch ihre Mehrzahl sowol, als auch: durch die Uebermacht ihres Vermögens, welches sie hier im Lande erworben, und zwar mit Mitteln erworben, bei denen Moral und Gewissen nicht die beste Rolle spielten(!)..." An einer anderen Stelle dankt die Commune dem Fürsten insbesondere dafür, daß er „aus der Constitution jenen Artikel habe streichen lassen, welcher den Juden politische Rechte hätte einräumen sollen;" „ein Artikel", fügt die Commune mit einem Seufzer der Erleichterung hinzu, „der mit der Zeit die ganze naüonale Existenz der Rumänen hätte in Frage stellen können." Endlich schließt dieses Schriftstück nach vielen wirklich beherzigenswerthen Forderungen mit der Bitte: „daß man den Juden das Recht, mit Lebensmitteln und Getränken Handel zu treiben, entziehen möge," und motivirt dieses Verlangen mit all jenen logischen „sintemalen und alldieweilen," deren nur so ängstlich fürsorgliche Stadtväter mit einem Professor der Rhetorik an der Spitze fähig sein können. (Man sieht, daß in Jassy dieselben Motive obwalten, wie sie früher in andern Ländern sich kundthaten — der einfache Brod- und Krämerneid. Die Juden sollen nicht mit Lebensmitteln handeln, damit die. Krämer und Höker den Einwohnern sorecht das Mark auszusaugen vermögen! Allein gerade dieser Brodneid konnte die Gleichberechttgung am wenigsten aufhalten, weil er in seiner Selbstsucht gar zu durchsichtig, und der Schaden, den er durch die Beschränkung der Handels- und Gewerbefreiheit bringt, allzu leicht erkennbar ist. Ueberall dieselbe Verblendung! Statt es den Juden zum Verdienst anzurechnen, daß sie wenigstens etwas Handel und Verkehr in das stockige Land bringen, die Landesprodukte nach Außen verwerthen und die Bedürfnisse von Außen her befriedigen, beneidet und verfolgt man sie, und schiebt ihnen unredliche Mittel unter, weil die Dummheit und Faulheit zu Nichts kommen und Nichts zu erwerben verstehen. Redakt. d. A. Z. d. I.) Bukarest, im Sept. (Privatmitth.) Vom 1. Sept. an erscheint hier ein neues größeres polittsches Blatt „Independinta Romana,“ das dreimal wöchentlich erscheint, und zwar in rumänischer und deutscher Sprache. In dem Programm .sagt die Redakt. von ihrer Zeitung: „Sie soll das wirkliche Organ sein der großen öffentlichen Meinung, des Fortschritts, der Humanität,

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