Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1866)
- Date
- 1866-09-25
- Page
- Seite 617 (sequence 7)
- Language
- German
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inspection und darum können sie gesetzlich mit der Schulinspection nicht vertraut werden. Bekanntlich ist kein staatliches Gesetz unverbesserlich undunveränderlich; zeigt sich also ein Gesetz mangelhaft, so hat man .es zu verändern und zu verbessern. Wir unsererseits können nicht zugeben, daß eo ipso die evangelischen und katholischen Geistlichen die vollständige Befähigung zur Inspection jüdischer Schulen haben; hinsichtlich des jüdischen Religionsunterrichtes, wozu selbstverständlich das Hebräische gehört, sprechen wir ihnen diese Befähigung geradezu ab. Wir halten es für sehr leicht, diejenigen gesetzlichen Bestimmungen zu treffen, denen sich die Rabbinen zu unterziehen hätten, um ihre Befähigung zur Änspection jüdischer Schulen zu dokumentiren, die Verpflichtung würden ihnen die Gemeinden auferlegen. Wir wissen sehr wohl, daß an vielen Orten die Lehrer sich mit den inspizirenden christlichen Geistlichen sehr gut standen. Aber es gab auch Orte, wo pietistische Pfarrer mancherlei Unzukömmliches anrichteten. Wir halten es aber nicht allein für die Aufgabe des Inspizienten, nachzusehen, ob Alles in Ordnung gehe, sondern noch mehr, zur Wirkung und Pflege des rechten Lehrergeistes in den Lehrern beizutragen, und das ist in den Religionsfächern nicht Sache des christlichen Geistlichen hinsichtlich jüdischer Lehrer. Diese unsere Bemerkungen gehen nicht aus polemischem Geiste oder aus bloßem Prinzip hervor, sondern weil eben die jüdischen Schulen durchschnittlich das jüdische Religionsfach sehr vernachlässigt haben, und eine derartige Reorganisation. durch christliche Geistliche nicht zu erzielen ist.' Hannover, 9. September (Privatmitth.) Die uns schon 'in der nächsten Zeit bevorstehende Annexion an Preußen dürfte, wenn auch nicht' augenblicklich, doch sicher in den nächsten Jahren in unserem Lande auf die jüdischen Gemeindeangelegenheiten von Einfluß werden und letztere sichdenen in Preußen, wo bekanntlich die Entwickelung der inneren Gemeindeverhältnisse von der Regierung fast gar nicht berücksichtigt wird, immer ähnlicher gestalten, so daß mit der Zeit die Stellung und der Einfluß der Landrabbiner den Gemeinden gegenüber wesentliche Modificationen erfahren dürfte. Zu 'befürchten steht dann auch, daß dem hiesigen jüdischen Lehrerseminar, welches von unserer bisherigen Regierung alljährlich mit einer zwar nicht fixirten, jedoch dem Bedürfnisse entsprechenden, ansehnliches Summe subventionirt worden ist, unter den ver^ änderten Verhältnissen jene Unterstützung entzogen und in Folge dessen der fernere Bestand dieser ins Besondere für die kleineren Gemeinden des Landes so segensreich wirkenden Anstalt gefährdet werden möchte. Für unsere Gemeinde speciell scheint der bevorstehende Regierungswechsel auch noch dadurch verhängnißvoll werden zu sollen, daß mehrere der wohlhabendsten Gemeindemitglieder, welche theils weil sie, da in Folge der Annexion unsere bisherige Residenz zu einer Provinzialstadt herabsinkt, hier in Zukunft bei ihren Geschäften nicht mehr ihre Rechnung zu finden befürchten, theils weil sie ihre Söhne vor dem nun auch unserem Lande bevorstehenden Militairzwange sichern wollen, auszuwandern beabsichtigen, wodurch die Gemeindekasse eine erhebliche Einbuße erfahren würde. - An unserer neuen Synagoge wird seit Beendigung des Krieges wiederum rüstig fortgebaut und hat die Gemeinde beschlossen, zum Behufe der Aufbringung der durch den Bau verursachten Kosten ein Kapital von 65,000 Thlr. anzuleihen und dasselbe mit 4o/o zu verzinsen. In Bückeburg (der Residenz des Fürstenthums), wo bisher die Gemeinde ihren Gottesdienst in einem Privatlokale abhalten mußte, wurde am 29. August die neuerbaute Synagoge eingeweiht, bei welcher Gelegenheit der hiesige Landrabbiner, Herr Di*. Meyer, die mit vielem Beifalle aufgenowmene Einweihungsrede hielt, für welche die Gemeinde ihm ihren Dank unter Ueberreichuug eines prachtvollen Pokals aussprach. An der Feier betheiligten sich außer sämmtlichen Gemeinde- Mitgliedern auch viele Fremde, Juden wie Christen, und vor der Überreichung des Schlüssels zur neuen Synagoge an den Regierungsrath Herr Lauer-Münchhausen ' richtete eine von der Gemeinde dazu erwählte jüdische junge Dame an diesen folgende Worte: „Geehrter Herr Präsident! Das Loos wählte mich aus der Mitte meiner Freundinnen, Ihnen den Schlüssel zuuk neuen Gotteshause zu überreichen. ..Doch nicht eine leere Formel legt Ihnen denselben in die Hand, sondern es ist der lebhafte Wunsch, den die ganze Gemeinde in diesem Augenblicke mit mir ausspricht, daß das Kleinod, welches es birgt, — unsere Religion — und zu dessen Ehre es erbaut ist, daß die Gemeinde, die es in sich versammelt, des. hohen Wohlwollens unserer verehrten Negierung in reichem Maße und somit auch der gesummten Bürgerschaft theilhaftig werden