Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1866)
- Date
- 1866-09-25
- Page
- Seite 618 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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wöge, das walte Gott! Und so nehmen Sj^denn den Schlüssel und seien Sie der Erste, der uns vorangeht in die heiligen Räume, die dem einzigen und alleinigen Gotte geweiht sind." Auf diese .Anrede Mwiederte der Herr Regierungsrath: „Dem allmächtigen,' allgütigen und alleinigen Gotte sei Ehre und Dank! Ihn. zu preisen hat unsere jüdische Gemeinde diesen Tempel er? richtet und ihre christlichen Brüder zur Einweihung desselben eingeladen. Mit Recht haben Sie diese Thatsache in Ihrer so eben gesprochenen Anrede betont,. denn sie bildet eine der schönsten Seiten des heutigen Festes. Sie beweiset von Ihrer Seite Vorurtheilslosigkeit und Vertrauen, und von unserer Seite, indem wir Ihrer Einladung gern Folge geleistet haben, unsere Bereitwilligkeit, Hand in Hand mit Ihnen zu gehen und der Anerkenung Ihres Glaubens, frei von alten Vorurtheilen, einen zeitgemäßen Ausdruck zu geben. — Indem ich diesen Schlüssel ergreife, um Ihrem Gottesdienste diese Pforten zu öffnen, erschließe ich dieselben zugleich der liebreichen Schwester unserer beiderseitigen Religionen, der Toleranz. Toleranz wird uns nach wie vor bewahren vor allen auf Glaubensverschiedenheit beruhenden Uneinigkeiten und auch die aus Sitte und Gewohnheit herrührenden Ungleichheiten mehr und mehr ebnen, An dieser Ueberzeugung hält unser erlauchtes Fürstenhaus seit Jahrhunderten fest, die Regierung ehrt und achtet den fleißigen, rechtlichen und treuen Unterthan bei Christen und Juden gleich hoch, und Magistrat und Bürgerschaft heißen den braven jüdischen Mann als ihren Mitbürger gern willkommen. So lassen Sie uns denn, von dieser Gesinnung durchdrungen und gehoben, unseren Einzug halten in diese, dem Glauben Und der Duldung ge- Weihete, heilige Stätte." Oesterreichischer Kaiserstaa t. Aus Böhmen, im Septemb. (Privatmitth.) - Als beim Gefechte von Trautenau sich in deur ans Schlachtfeld grenzenden Dorfe Altenbuch die Nachricht verbreitete, daß Verwundete dorthin kommen, ließ der dortige-Brauer Herr Glücklich (ein Jude) sofort die Schule räumen. Dessen Schwiegermütter Frau Lichtenstein stellte sofort ihr schönes Haus nebst Magazin und unentgeltliche Pflege zur Verfügung und gab 20 complette Betten nebst vieler Wäsche und Erfrischungen in - die Lazarethö'' Mit edler Aufopferung verband' Herr Glücklich drei /Tage -. und Nächte .hindurch 85 daselbst befindliche Verwundete,. kaufte ■ Medizinen, Cigarren, ließ 100 derbe Krücken anfertigen;, und gelang es überhaupt seiner Umsicht, und Thätigkeit, denselbM^ gute Lagerstätten uitb; Bedienung zu verschaffen. Am besten characterisirt dessen. Wirken folgende Thatsache,- die in meiner Gegenwart sich ereignete. Es besuchte nemlich der Johanniter Baron Richthofen in Begleitung des Landvachs von Jauer, eines Pfarrers , und eines Doktors das Lazareth zu Altenbuch und sprach sich mit der größten Anerkennung über die aufopfernde Thätigkeit des. Herrn Glücklich aus, , wobei der Herr Pfarrer betonte, er sei katholischer Pfarrer, , es fteue chn, daß man zwischen Protestanten und Katholiken keinen Unterschied. mache, denn, auch Erstere seien keine Ketzer. Worauf ihm Herr Glücklich erwiederte, es sei ihm ganz egal, welcher Religionder Verwundete angehöre, er betrachte ihn nur als verwundeten Menschen; der beste Beweis sei der, väß er selbst ein Jude sei. Uebrigens unterstützte der Schwager des Hrn.. Glücklich, Herr Lichtenstein, denselben in seinem humanen Wirken aufs kräftigste und verdienen diese beiden Herren, denen auch die Gemeinde während der feindlichen . Invasion viel zu danken hat, alle Anerkennung, i ' Einen rührenden Anblick gewährt das Morgengebet der Verwundeten. Mit welcher Inbrunst lagen sie nicht auf den Knieen, die Juden mit ihren Gebet? riemen neben den Katholiken und Protestanten, Alle in brüderlicher Freundschaft beisammen!. Unter den 85 Verwundeten waren 9 Juden. Auch auf dem Schlachtfelde von Trautenau fand man mehrere hebräische Gebetbücherherumgestreut, wahrscheinlich ruhen - die braven Besitzer unter kühler Erde. Friede ihrer Asche. Fr. v. Rosenbüsch. Großbritannien. Aus Nordengland, August. (Privatmitth.) —- England besitzt einen tüchtigen jüdischen Anwalt in der Person des Herrn Simon. Derselbe ist mit der Würde eines Lei-Zea nt a t law bekleidet; dieser Titel bezeichnet den zweithöchsten Grad in der juristischen Hierarchie Englands; denn aus der Reihe der Ser-, geants werden die Richter ernannt: . Herr S. - begleitet in der Regel die Richter nach dem nördlichen Gerichts-