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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-18 · Heft 38 (18.9.1866) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 38 (18.9.1866)
Date
1866-09-18
Page
Seite 604 (sequence 9)
Language
German
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m Ms Hannover, wo seine KMtstracht den .Rabbülern gesetzlich vorgeschrieben ist, hierherberufen. Nach dieser landrctthlichen Verfügung nrüßte nun bei der Einverleibung Hannovers auch. die Amtstracht der dortigen Rabbiner beseitigt werden. Berlin, 5. Septemb. Die neue Synagoge ist heute am 5. September, feierlich eingeweiht worden. Das neue Gotteshaus ist ein Stolz der jüdischen Gemeinde Berlins, aber noch mehr, es ist eine Zierde der' Stydt, eine der beachtenswerthesten Schöpfungen der modernen Architektur im maurischen Styl und eine der vornehmsten Bauunternehmungen, die in den letzten Jahren die norddeutsche Residenzstadt ausgesührt hat. Im Jahre 1859 wurde in der Oranienburgerstraße der Grundstein zu der neuen Synagoge gelegt, heute, nach 7 Jahren steht sie in ihrer ganzen Vollendung da, das Mrk Knoblauchs, des Meisters, der seine Arbeit nicht mehr vollendet sehen sollte. Vor einigen Monaten haben wir bereits bei Gelegenheit einer Beleuchtungsprobe unseren Lesern den Eindruck dieses märchenhaften Bauwerks zu schildern versucht, das inmitten eines recht nüchternen Stadttheils unserer Residenz uns in die phantastischen Wunder einer modernen Alhambra mit den anmuthigen leichten Säulen, denschwunghaften Rundbögen, den farbenreichen Arabesken, dem manigfach gegliederten Schnitzwerk, mit all dem tausendfältigen Zauber des maurischen Styls einführt. Heute Mittag eröfsnete uns die guirlanden- und blumengeschmückte Vorhalle den Eintritt in das vom Tageslichte erhellte Gebäude. Der phantastisch-märchenhafte Eindruck des elatt-obsour eines gedämpften Gaslichtes war allerdings verschwunden, um so deutlicher aber traten, die fein geschwungenen Linien der Säulen und Bogen, trat die farbenreiche Pracht der Arabesken uns entgegen. Der stattliche, strahlende, dreifach gegliederte Raum war von der jüdischen Gemeinde und den eingeladenen Gästen dicht gefüllt. Unter Letzteren bemerkten wir den Minister-Präsidenten v. Bismarck, den Minister v. d. Heydt, den Grafen Wrangel, den Polizei- Präsidenten v. Bernuth, den Geheimen Rath Lüdemann, die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung u. A. Die Gallerien waren dicht besetzt von den Frauen der Gemeinde. Die Gesänge wurden von einem Männer- und Knabenchor unter Orgel- und Posaunenbegleitrmg ausgeführt, unter den Klängen des 118. Psalms wurden in feierlichem' Zuge die Thorarollen durch das Mittelschiff der Synagoge die Stufen hinauf am Altar herum in das Allerheiligste getragen, die heilige Lade wurde geöffnet und unter dem Gesänge des 24. Psalms die Bundesheiligthümer in ihr verschlossen. Von ergreifender Wirkung war in seiner eigenthümlich zarten und wehmüthig anklingenden Komposition der hierauf folgende Gesang: >,Es zieht ein heilig Sehnen Zu Dir, o Gott, uns hin, ' .; Der Juda's Leid und Thränen Gesehn vom Anbeginn. . Wir fühlten oft uns'einsam Und fremd ans Erden hier, : Doch hielten wir gemeinsam In Liebe, Herr, zu Dir." Wohl konnte in diesem Augenblicke, in den zitternden weichen Klängen dieser melodischen Knabenstimmen der historische Zusammenhang der Einweihung" dieser neuen Synagoge mit der alten thränenreichen Geschichte des jüdischen Volkes in den Herzen der Zuhörer lebendig werden und die Anknüpfung an die glaubensstarken Lieder des Psalmisten, an die Exaltationen der alten Propheten war gefunden. In gleicher Weise knüpfte dann der neue Prediger der Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Aub, an den Bau der zwei alten jüdischen Tempel in Palästina an und hielt die mit vielen herzlichen und historischen Beziehungen durchzogene Festrede. Durch seine Worte klang zur Einweihung des neuen Gotteshauses der Geist humaner, dem neuen Zeitalter entsprechender Duldungder Geist, von dem er wünschte, daß er fortan in diesen Räumen fort und fort in der glaubensstarken und doch milden und liebreichen Erhebung der Gemeindemitglieder walten möge, damit auch dieser neue Tempel die ächte Jakobs-Himmelsletter sei, auf der die Gebete der Gläubigen als flehende Engel hinaufsteigen, auf der die Erfüllung dieser Gebete als segnende Engelschaar herniederschweben möge. — An die Predigt schloß sich dann das liturgische Weihegebet, eine Fortführung des Gesanges , das Minchagebet und der hinreißende Lobgesang des 150. Psalms an. Die Akustik des Gebäudes schien uns, was den musikalischen Theil der Feier anbetrifft, auf allen Punkten eine vortreffliche zu sein, dagegen soll manden Prediger weiter ab schwer verständen haben, im vorderen TheileHder Synagoge, auch in den beiden Settenhallen, war der Redner sehr gut verständlich. - K, -

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