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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-18 · Heft 38 (18.9.1866) · p. Seite 601

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 38 (18.9.1866)
Date
1866-09-18
Page
Seite 601 (sequence 6)
Language
German
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artige „Einführungen oder Abschaffungen" entscheidet, haben wir nicht nöthig, können wir nicht brauchen. Das Judenthum hat 1000 Jahre ohne solche „ bestanden und sich dabei sehr wohl befunden.*) Die entgegengesetzten Anläufe und Experimente der letzten Dezennien haben nichts positiv Gutes geschaffen und nur zu Zwistigkeiten und Gewaltthäthigkeiten geführt; Exempel sind von beiden Seiten gegeben .worden. Jüdische Vorsteherämter, Land- oder Bezirksrabbinate, können aber Gutes wirken ohne die Gewissensfreiheit zu beeinträchtigen; und was die Staatsbehörden anbelangt, so haben diese wohl nie ans eigenem Antriebe sich Eingriffe in die inneren Angelegenheiten der jüdischen Religionsgesellschaft erlaubt, sondern nur dann, wenn sie von jüdischen Per-' sönlichkeiten dazu mißleitet worden waren. Diese Dinge gehören, dünkt mich, der Vergangenheit an, und deren Wiederholung ist, besonders in größeren. Kreisen, nicht sehr zu fürchten.**) Melch e Einrichtungen aus den neuen Landestheilen für die alten zu annektiren und auf welche Meise sie zu verwirklichen wären, darüber erlauben Sie mir wohl ein andermal zu sprechen. Für die nächste Zukunft wird die Organisation der jüdischen Verhältniffe in Hannover und Hessen wohl intakt bleiben; (in Naffau dürfte sie, aus Gründen, die hier nicht erörtert werden können, überall gefährdet sein;) es wird ja überhaupt die innere Verwaltung nicht alsbald umgestallet werden können, da das zu chaotischer Verwirrung führen müßte; die jüdischen Angelegenheiten pflegen vollends nicht diejenigen zu sein, die in erster Linie in Angriff genommen werden. Unterdessen wird es Sache der annektirten Juden sein, sich ihre Organisation zu sichern. Daß dies dann zu einer neuen Prüfung und Beffergestaltung der Verhältnisse in den alten.Provinzen führen wird, steht wohl zu hoffen. Wir hoffen ja ebenso, daß die neuen Erwerbungen dem Gesammt-Staatsleben zu Gute kommen, indem die annektirten Länder ein achtunggebietendes Kontingent zur Bekämpfung^der auf einen Theil der alten Provinzen sich stützenden Feudalpartei stellen werden. Dr. Treuenfels. *) lieber dieses „Sehr wohl befunden" läßt sich freilich noch sehr streiten. ' Redakt. **) In kleineren Kreisen, und aus diesen besteht unsere Judenheit, kommen sie täglich vor. Redakt. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 19. Aug. Von der „Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud" von Dr. Hamburger in Strelitz erscheint baldigst die zweite Lief, von „Eidesformel bis Jehu". Herr Dr. H. hat von Munk in Paris ein Schreiben über sein Werk erhalten, worin es (nach Entschuldigung über die Verzögerung der Antwort) heißt: Endlich bin ich dazu gekommen, mir die Hauptartikel der ersten Lieferung vorlesen zu lassen. Es ist ein großartiger Entwurf, und ich bewundere in der That, welche Gelehrsamkeit Sie in dieser Riesenarbeit gezeigt haben, die, wie ich gern hoffe, zu einem glücklichen Ende geführt werden wird. Es ist eine Arbeit, wofür mehrere Mitarbeiter nicht zuviel wären, und da Sie dieselbe allein unternommen, haben, beweisen Sie einem großen Muth. Die verschiedenen Gegenstände sind mit großer Sorgfalt behandelt und die Angabe der Quellen setzt den gelehrten Leser in den Stand, sich selbst von der Genauigkeit der angeführten Facten zu überzeugen. -Wenn Sie das Werk, so wie Sie es begonnen, zu Ende führen, fo wird es ein wahres Denkmal sein, das dem Judenthum -Ehre machen wird. Es ist nicht zu verwundern, daß man hier und da einige Lücken bemerkt, die Sie ohne Zweifel ün den folgenden Lieferungen zu vermeiden suchen werden;.; ich erstaune vielmehr darüber, daß deren nicht mehr (sind. — In der ersten Lieferung habe ich z. B. das Fehlen mehrerer wichtiger Artikel in Bezug auf talmudische Geographie bemerkt, wie auch historischer Artikel, die aus dem Talmud genommen werden könnten, z. B. die Artikel Bether und Bar Cochba (obgleich Sie auf diesen letzteren im Artikel Ab S. 6. verweisen), Aristobul, Bruder des Hyrkan, Antigonus v. Socho und einige andere Lehrer der Mischna, vielleicht auch Athona (Athen), Bethera, JS'-pna, welches eine Rolle im Talmud spielt, fehlt gleichfalls. Aber der Verfasser eines solchen Werkes erliegt der Menge und Manigfaltigkeit der Gegenstände^ und Auslassungen sind unvermeidlich; ohne Zweifel werden Sie die folgenden Lieferungen immer vollständiger machen. Sobald das Werk vollendet sein wird, werde ich es gern der Academie vorlegen, wenn Sie mir zu diesem Zweck ein Exemplar senden wollen. Ich bitte wiederholt um 'Entschuldigung für mein langes Schweigen; es war mir unmöglich, früher Kenntniß von Ihrem. Werk zu nehmen. — Genehmigen Sie, Herr Landrabbiner, den Ausdruck meiner Hochachtung und vollkommenen Ergebenheit. , S. Munk.

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