Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1866)
- Date
- 1866-09-18
- Page
- Seite 597 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zieles nur erschweren, In die Lange ziehen oder selbst vereiteln könnte. Es fragt sich nun, welcher Weg hierbei einzuschlagen. Entweder eine jede Gemeinde petitionirt selbständig, oder es vereinigen sich möglichst viele Gemeinden zu einer Petition und ertheilen die Vollmacht, sie in ihrem Namen zu unterschreiben. Beide Wege wurden bekanntlich schon beschritten/ der erstere im Jahre 1856, als der Abg. Wagener und Consortem die -betreffenden Paragraphen der preußischen Verfassung, zu verändern beantragt hatten. 264 Petitionen gingen, bei dem Abgeordnetenhause ein, und hatten .-den erwünschten Erfolg.*) Der andere 1843, wo 85, und 1859, wo 226 Gemeinden uns ihre Vollmacht ertheilten; im ersteren Falle hatten wir einen völlig, im Letzteren einen theilweise günstigen Erfolg. Uns scheint aber nun in dem vorliegenden Falle der erste Weg etwas turnultuarisch, wie er allerdings in dem Falle, wo - er angewandt worden, völlig gerechtfertigt und von großer Wirkung war. Unter den jetzt obwaltenden Verhältnissen scheint es uns angemessener und würdiger, -wenn sich viele Gemeinden zu einer oder mehreren Petitionen. vereinigen. Aber gezögert darf nicht werden; die oben bezeichneten Schritte müssen jetzt schon vorbereitet werden. Wir beabsichtigen daher, in den nächsten Tagen eine desfallsige Ansprache nebst Petitionsentwurf an die Gemeinden zu versenden. Wir glauben nicht nöthig. zu haben, deren-Beachtung noch mit weiteren Worten zu empfehlen. Die Ueberzeugungskraft liegt in der Sache selbst. Gott führe uns zu glücklichem Ziele l Wir wären mit Absaffung obiger Zeilen beschäftigt, als uns das folgende Schreiben zur Veröffentlichung zukam. -Wir geben es wörtlich wieder, und danken dem Verf. für die Aufmunterung, die er uns dadurch gewährte. Hirschberg (Schlesien) im August. Geehrter Herr Redakteur! Sie haben in Nr. 32 und 33 der A. Z. des Judenthums die brennendsten Zeitfragen unserer Glaubensgenossen in zwar kurzen^ aber so klaren und lichtvollen, die Lösung derselben versprechenden Umrissen behandelt, daß es zu wünschen wäre, wenn Ihren Worten innerhalb und außerhalb Israels viele Augen und Herzen sich öffneten. Mehr bedürfte es nicht, um nach Ihren Worten zu han¬ *j Der Gegenstand ist besprochen und die sämmtlichen Petitionen mitgetheilt in unsrer Schrift: „Der Kampf der preußischen Juden für die Sache der Gewissensfreiheit" Magdeburg, Gebr. Bänsch. 1856. deln. Die Ueberzeugung von der Richtigkeit und Wahrheit Ihrer Ausführung würde sich allen durch die Logik der unleugbaren Thatsachen, deren Sie sich dabei bedient, von selbst aufdrängen. Unter Hinweis auf die fünfzigjährige, verhängniß-. und verheißungsreiche Entwickelungsgeschichte der Emancipation der Juden, begründen Sie die unabweisbare Forderung an den Staat, daß er die großen Opfer an Gut und Blut, die wir in dem nun siegreich beendeten Krieg auf den Mar des Vaterlandes niedergelegt haben, als die letzten Opfer vollkommener Versöhnung mit seinen jüdischen. Bürgern anerkenne, und die Gleichstellung der Juden und des Judenthums nun.endlich in Wahrheit verwirkliche. Der Staat, der soeben die vergilbten Documente dynastischer Rechtsansprüche zerreißend die Politik der Leistungsfähigkeit, des unverjährbaren, in Lebens¬ und Gestaltungskräftiger Fortentwickelung sich documentirenden volkstümlichen Besitzrechtes als die gesundeste Staatspolitik inaugurirt: muß auch mit den Leistungen seiner jüdischen Bürger, mit deren energischen Kraftentfaltung im nationalen Organismus rechnend zu den ihnen auferlegten und von ihnen treu erfüllten Pflichten die gleichen Rechte gewähren. Ebenso wahr und zutreffend ist das, was Sie von den neuesten Ereignissen, .aus unfern Glaubensgenossen zur Beherzigung zurnfen : fortan sich zu sammeln, ihren materiellen wie religiösen Interessen auf solider Grundlage mit neuer Kraftäußerung sich zuzuwenden; weniger in ihrem Geschäfts- und desto mehr in ihrem Religionsleben mit Credit zu arbeiten, dort aus der Ueberspanntheit, hier aus der Abgespanntheit der Kräfte, aus der Letargie heraustretend für die Fortbildung ihres Cultus, ihrer Gemeinde-Verfassung mit heiligem Eifer zu streben. Wir dürfen es nicht in Abrede stellen, daß Intra et extra muras xeoeatur; daß Israels Stellnng nach außen schon längst eine bessere gewesen, wenn nicht in seiner Mitte so Vieles zu wünschen wäre. Diejenigen, die Israel fortwährend um seiner Tugend willen preisen, leisten ihm ein doppelt schlechten Dienst: nicht allein, daß sie das Volk verwirren wie schon Proph. Jesaias ruft , die dich glücklich preisen, führen dich irre — sie bringen es auch den Andersgläubigen gegenüber in den Verruf, einerseits der unheilbaren Blindheit gegen die eignen Fehler, andererseits der absichtlichen Fälschung seines sittlichen..Gehaltes. Wenn ich nun im Wesentlichen vollkommen mit Ihnen, übereinstimme, so sind, es doch einige von Ihnen 38*